Ärzte Zeitung, 25.03.2014

Geldanlage

Reederei-Aktien laufen Schiffsfonds den Rang ab

Die großen maritimen Frachtgesellschaften fahren hohe Gewinne ein. Anleger von Schiffsbeteiligungen profitieren jedoch nicht vom wachsenden Welthandel.

Von Richard Haimann

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Trotz dicker Auftragsbücher keine Entwarnung für die von der Finanzkrise gebeutelten Schiffsfonds: Die Reedereien chartern zusätzliche Frachter nur, um Spitzen im Transportgeschäft aufzufangen

© dipego / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Aktien großer Reedereien sind an der Börse gefragt. Analysten erwarten weitere Kurszuwächse, weil der internationale Welthandel wieder anzieht.

584 Containerschiffe, 130 Tanker, 376 Schlepper und dazu noch 77 Öl-Bohrplattformen - der dänische Reedereikonzern Maersk (ISIN DK0010244425) ist ein Gigant im Handel und der Ölgewinnung auf den Weltmeeren.

Und ein höchst profitabler dazu: 2,84 Milliarden Euro hat der Konzern vergangenes Jahr Gewinn nach Steuern und Abschreibungen eingefahren. "Für dieses Jahr", verspricht Vorstandschef Nils Smedegaard Andersen bescheiden, "erwarten wir kein schlechteres Ergebnis."

Der globale Containerhandel werde 2014 voraussichtlich um fünf Prozent wachsen. "Wir wollen da mithalten", sagt Andersen.

Erholung der USA beflügelt den Markt

Auch andere Großreeder verdienen derzeit prächtig. Der wieder anziehende Welthandel beschert ihnen steigendes Frachtaufkommen und damit wachsende Erträge. Die in den Bermudas ansässige Teekay Corporation (MHY8564W1030), Betreiber der weltgrößten Flotte an Tankern, konnte im vierten Quartal vergangenen Jahres ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 247,5 Millionen Dollar (186 Millionen Euro) steigern.

Die ebenfalls auf den Bermudas ansässige Reederei Seespan (MHY756381098) übertraf im vierten Quartal 2013 mit einem Gesamtertrag von umgerechnet 129,4 Millionen Euro die Konsenserwartung der Analysten.

Wovon die Reeder am meisten profitieren, ist die wirtschaftliche Erholung in den USA. Bereits im vergangenen Jahr waren Monat für Monat mehr Güter auf dem Seeweg in die USA importiert worden. Der Trend scheint sich dieses Jahr fortzusetzen.

"Im Januar wurden sieben Prozent mehr Güter in US-Häfen angelandet als im Dezember 2013", sagt Josh Green, Vorstandschef des auf die Auswertung von Handelsdaten spezialisierten New Yorker Analysehauses Panjiva.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die Großreeder hohe Gewinne eingefahren. Das hat ihre Aktienkurse seit dem Crash nach Ausbruch der Finanzkrise wieder kräftig in die Höhe getrieben.

Die Börsennotierung von Maersk hat sich seit dem Frühjahr 2009 verdreifacht, der Kurs der Teekay-Aktie ist um mehr als 450 Prozent, der der Seaspan-Aktie sogar um 500 Prozent gestiegen.

Analysten: Die Kurse steigen weiter

Dennoch prognostizieren Analysten weitere Kurszuwächse. Die kanadische Investmentbank RBC Capital hat die Teekay-Aktie mit Outperform eingestuft. Gregory Lewis von Credit Suisse erwartet, dass der Börsenkurs der Gesellschaft in den kommenden zwölf Monaten um 40 Prozent zulegen wird.

"Die Gesellschaft wird ihren Gewinn weiter steigern und die Dividende deutlich anheben", sagt Lewis. Das hat Maersk bereits getan. Die Dividende für das vergangene Jahr wurde um 16,7 Prozent angehoben und könnte dieses Jahr erneut steigen. Lewis erwartet, dass die Aktie dieses Jahr nochmals um wenigstens fünf Prozent zulegen wird.

Bei Seaspan hingegen erwarten die meisten Analysten nach dem heftigen Kursanstieg vorerst keine weiteren Zuwächse bei der Börsennotierung. Citigroup, Deutsche Bank und das US-Investmenthaus Stifel Nicolas haben das Papier mit neutral eingestuft.

Die Gewinnsteigerungen bei den Reedereien bedeuten keine Entwarnung für die gebeutelten Anleger von Schiffsbeteiligungen. Die Reedereien chartern zusätzliche Frachter und Tanker nur, um Spitzen im Transportgeschäft aufzufangen. Doch die Initiatoren von Schiffsfonds hatten in den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise weit mehr Schiffe auf Kiel legen lassen als heute benötigt werden.

Zahlreiche Fonds mussten in den vergangenen Jahren ihre Ausschüttungen stoppen, etliche Beteiligungsmodelle sogar Insolvenz anmelden, weil ihre Schiffe nicht mehr genug Charter einfuhren, um die Darlehen zu bedienen. Daran werde sich auch 2014 wenig ändern.

"Es gibt weiterhin mehr Frachtkapazitäten am Markt als benötigt werden", sagt Maersk-Vorstandschef Andersen. Für viele Schiffe der Fonds haben die Reeder weiterhin keinen Bedarf.

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