Ärzte Zeitung, 27.05.2014

Anlagen-Kolumne

Trügerische Zuversicht mit Indikatoren

Von Jens Ehrhardt

Trügerische Zuversicht mit Indikatoren

Einkaufsmanagerumfragen zählen zu den beliebtesten Frühindikatoren bei Börsianern. Die PMI (Purchasing Managers Indicators) befragen leitende operative Mitarbeiter nach ihrer Einschätzung zu verschiedenen Aspekten, wie dem Ausblick für die nächsten Monate oder zu Lagerbestandsdaten.

Die befragten Manager sind sehr nah am Puls der wirtschaftlichen Entwicklung und liefern daher in der Regel gute Hinweise. Die einfachste Interpretation dieser Indikatoren ist, zu schauen, ob sie über oder unter 50 stehen.

Die Marke von 50 wird allgemein als Grenze zwischen wirtschaftlicher Expansion oder Kontraktion angesehen und von den meisten Marktteilnehmern mit Argusaugen beobachtet.

Im Moment liegen die PMI der meisten Länder über 50, zum Teil sogar deutlich (Deutschland 54,1 und USA 54,9). In der Eurozone wurde mit 53,4 sogar ein 35-Monatshoch erreicht. Lediglich in Japan und China deuten sie auf Kontraktion.

Sind die PMI aber wirklich ein zuverlässiger Frühindikator? Wenn sie das wären, dann müssten sie auch Wendepunkte im Konjunkturzyklus frühzeitig signalisieren.

An Konjunkturhochpunkten der jüngeren Vergangenheit in den Jahren 2000, 2007 und 2011 standen in der Eurozone die Umfragen jeweils auf hohen Niveaus, bei über 55. Damit ist an den Wendepunkten eigentlich kein Verlass auf die befragten Manager. Umgekehrt war auch an den Tiefpunkten die Zuversicht der Einkaufsmanager deutlich getrübt.

Dynamik der Verbesserung lässt nach

Auch der wahrscheinlich deutlich bekanntere ifo-Indikator, der auch eine breite Unternehmensumfrage ist, zeigt einen vergleichbaren Verlauf. Anleger sollten daher im Hinterkopf behalten, dass nicht der einfache Zusammenhang gilt, je höher die Zuversicht bei den Einkaufsmanagern, desto besser die Aussichten für Konjunktur und Börse.

Betrachtet man die jährlichen Veränderungsraten dieser Indikatoren, so zeigt sich, dass die Dynamik der Verbesserung inzwischen nachlässt.

Ähnliches signalisieren die Veränderungsraten der OECD-Frühindikatoren, die den PMIs sogar noch etwas vorauslaufen. Eine interessante Beobachtung in diesem Zusammenhang ist auch, dass sich vor den Hochpunkten im Jahr 2007 und 2011 die Aktien des zyklischen Automobilsektors deutlich besser entwickelten als die Aktien des defensiven Nahrungsmittelsektors, nämlich um 37 Prozent bzw. 51 Prozent.

Aktuell liegen die Autos im Zeitraum von zwölf Monaten wieder um 45 Prozent vorn und die Stimmung der Anleger diesen Aktien gegenüber ist entsprechend optimistisch.

Fazit: Einkaufsmanagerumfragen sind bei weitem nicht so erratisch wie Umfragen unter Börsianern. Schlussendlich sind es aber auch nur Stimmungsindikatoren. Demnach mahnen sie an Hochpunkten zur Vorsicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »