Ärzte Zeitung, 09.12.2014

Zertifikate

Auf die Bonität des Emittenten kommt es an

Vor der Zeichnung von Zertifikaten sollten sich Anleger über die Bonität der emittierenden Bank informieren. Am Kapitalmarkt wird die Zahlungsfähigkeit der einzelnen Institute nämlich höchst unterschiedlich eingeschätzt.

Von Richard Haimann

Auf die Bonität des Emittenten kommt es an

Wer bei Zertifikaten nicht genau hinschaut, riskiert einen Totalverlust seines Investments.

© Jens Schierenbeck / dpa

NEU-ISENBURG. Viele Banken leihen sich mit Zertifikaten Geld bei Anlegern - aber nicht alle Institute werden am Kapitalmarkt als sicherer Schuldner eingeschätzt. Zertifikate-Anleger können dann am ruhigsten schlafen, wenn sie Papiere der UBS, der Rabobank, der HSBC oder der SEB im Depot haben.

Diese vier Emittenten werden für besonders ausfallsicher gehalten. Das zeigt eine neue Studie des Berliner Analysehauses DZB Research.

Zahlreiche andere Banken, die Zertifikate emittieren, werden dagegen am Finanzmarkt nicht so positiv beurteilt. "Auch nach dem Stresstest der Europäischen Zentralbank bleiben Probleme bei den Banken", fasst DZB-Experte Ralf Andreß das Ergebnis der Analyse zusammen.

"Mit Zertifikaten können Anleger auf die Kursentwicklung von Aktien, Börsenindices oder sogenannter Baskets wetten", erläutert Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale BadenWürttemberg.

Sogenannte Tracker-Zertifikate bilden dabei die Kursentwicklung einer Aktie oder eines Indices eins zu eins nach. "Steigt oder fällt die Notierung des Basiswerts, erhöht sich oder sinkt der Wert des Zertifikats in gleichem Umfang", sagt Nauhauser.

Bricht die Schwelle - oder nicht?

Mit einem Discount-Zertifikat haben Anleger die Chance, auch an schwankenden Börsen Rendite zu erzielen. Bei diesen Papieren wird das investierte Kapital so lange verzinst, wie die Notierung des Basiswertes eine zuvor festgelegte Schwelle nicht nach unten durchbricht. Mit Bonuszertifikaten wiederum können Anleger überproportional von steigenden Kursen profitieren.

Denn der Wert dieser Zertifikate steigt stärker als der der zugrunde liegenden Aktie oder des Index‘, sobald deren Kurse eine bestimmte Schwelle überschritten haben.

Allerdings haben Zertifikate auch Nachteile. Zum einen haben die Papiere, bis auf Endlos-Zertifikate, nur eine begrenzte Laufzeit. "Fällt die Notierung des Basiswerts kurz vor deren Ablauf, drohen Verluste", sagt Nauhauser. Zum anderen sind Zertifikate juristisch nichts anderes als Schuldverschreibungen der emittierenden Banken.

"Faktisch leihen sich die Institute über die Papiere Geld bei den Anlegern, dass sie nur dann in voller Höhe oder gar mit einer Verzinsung zurückzahlen müssen, wenn der Kurs des Basiswerts sich entsprechend den Vorgaben entwickelt hat", sagt der Finanzexperte.

Geht die Bank insolvent, droht den Zertifikate-Inhabern der Totalverlust. "Besitzer von Schuldverschreibungen werden in Insolvenzverfahren nachrangig gegenüber anderen Gläubigern behandelt", sagt Nauhauser.

Das mussten Hunderttausende deutsche Anleger erfahren, die in Zertifikate der US-Investmentbank Lehman Brothers investiert hatten, als diese 2009 in die Pleite fuhr.

DZB Research hat nun untersucht, wie wahrscheinlich am Kapitalmarkt die Insolvenz der Emittenten eingeschätzt wird, nachdem die EZB dem Großteil der Banken nach ihrem Stresstest eine solide Kapitalausstattung bescheinigte.

Dabei analysierten die Berliner Experten die Höhe der Kosten von Kreditausfallversicherungen, die die Banken zahlen müssen, wenn sie ein von ihnen an ein anderes Geldinstitut vergebenes Darlehen absichern wollen.

Spitzenreiter aus der Schweiz

Die Nummer eins ist danach die Schweizer UBS. Um einen Kredit an sie abzusichern, muss der Gläubiger nur eine Prämie von 0,43 Prozent des Darlehensbetrags zahlen. Bei einem Kredit über 100 Millionen Euro entspricht dies 430.000 Euro.

Am anderen Ende der Skala findet sich die HSH Nordbank. Ausfallversicherungen für Darlehen an die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein kosteten am 17. November stattliche 1,78 Prozent des Kreditbetrags.

Teuer ist auch die Absicherung von Krediten an die Nord/LB mit 1,04 Prozent, die österreichische Erste Group Bank mit 1,01 Prozent, die japanische Nomura Holding mit 0,97 Prozent und die UniCredit Bank Austria mit 0,96 Prozent.

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