Ärzte Zeitung, 12.01.2015

Anlagen-Kolumne

Finger weg von Rohstoffen

Von Gottfried Urban

Finger weg von Rohstoffen

Zu den Hauptereignissen 2014 gehörte zweifelsohne der massive Verfall der Ölpreise.

Die hochgefahrenen Fördermengen in den USA, die Konjunkturabkühlung in Europa sowie das etwas langsamere Wachstum in China haben zu einem Überangebot geführt.

Die Europäische Zentralbank warnt angesichts des massiven Preisverfalls vor negativen Inflationsraten.

Ich glaube nicht, dass das Rohöl dauerhaft unter dem Preisniveau von 50 US-Dollar bleiben kann. In dieser Größenordnung wird es selbst für die Ölexporteure aus dem Nahen Osten, die günstig fördern können, ungemütlich.

Neben den direkten Auswirkungen stehen auch weitreichende sekundäre Effekte bevor.

Aktien und Anleihen von Ölproduzenten und Öldienstleistungsunternehmen werden wahrscheinlich am meisten betroffen sein, insbesondere wenn die Geschäftsmodelle auf deutlich höheren Ölpreisannahmen basieren.

Gleichermaßen dürfte sich Druck auf Länder aufbauen, in denen Öl- und andere Rohstoffexporte wichtige Einnahmequellen darstellen. Es kann hier zu schwächeren Währungen, Druck auf die Staatsausgaben und zu einem starken Rückgang der Investitionen kommen.

In Russland und Nigeria ist diese Entwicklung bereits zu spüren. Auf der anderen Seite können Konsumsektoren und Öl importierende Länder wie etwa Indien oder die Türkei von dieser Entwicklung profitieren.

Die mit Abstand meisten Volkswirtschaften der Welt importieren mehr Öl, als sie exportieren. Im vergangenen Jahr hatte das weltweit verbrauchte Öl einen Gegenwert von 3,6 Billionen US-Dollar.

Ein dreißigprozentiger Preisrückgang kommt laut Berechnungen von JPMorgan einem globalen Konjunkturprogramm im Gegenwert von einer Billion US-Dollar zugute - Geld, das nicht für Öl ausgegeben werden muss, sondern für andere Dinge wie Konsum oder Finanzinvestitionen zur Verfügung steht.

Dieser Effekt wird voraussichtlich erst 2015 voll zum Tragen kommen.

Um ein Gefühl für die wahrscheinliche Preisuntergrenze von Öl zu bekommen, lohnt ein Blick auf die historische Preisentwicklung: Jahrzehntelang kostete Öl zwischen 10 und 40 US-Dollar, um dann 2004 bis 2008 auf über 140 Dollar pro Barrel zu explodieren.

Die Finanzkrise schickte das schwarze Gold auf Tiefstkurse um 40 Dollar, also den alten Hochs aus den Vorjahrzehenten. Spätestens da dürfte auch jetzt die Trendwende einsetzen.

Ich empfehle Privatanlegern dennoch die Finger von jeglichem Rohstoffinvestment zu lassen, es gelten eigene Gesetze und es ist zu risikoreich und ungeeignet für die Altersvorsorge.

Da sind die deutlich zurückgekommenen Aktien von großen Ölgesellschaften, die eine gute Dividende bezahlen, schon eher eine Überlegung wert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »