Ärzte Zeitung, 24.03.2015

Anlagen-Kolumne

Radikales Umdenken notwendig

Von Gottfried Urban

Radikales Umdenken notwendig

Seit Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), nun neben dem Nullzins auch Anleihenkäufe zu tätigen, hat sich die Aufwärtsbewegung bei Eurolandaktien weiter beschleunigt, und die Zinsen sind noch mal gefallen.

Es wird nach Auskunft der EZB nur gekauft, was mehr als 0,25 Prozent Negativzins pro Jahr bringt. Mittlerweile sind bereits zwei Drittel der im Markt befindlichen EU-Staatspapiere im negativen Zinsbereich aber noch gibt es europäische Staatsanleihen mit positiver Rendite.

In Bargeld, Tagesgeld und bei Versicherern liegen aktuell vier Billionen Euro. Unterstellt man nun eine Verzinsung von vier Prozent, so ergibt sich ein jährlicher Ertrag von 120 Milliarden Euro. Die nächsten Jahre gibt es aber nur etwa ein halbes Prozent oder 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Bis 2020 dürfte sich bei den Zinsen nicht viel ändern. Der Normalsparer, der Geld in sichere Investments gibt, ist damit für die nächsten Jahre der große Verlierer. Anleger, die Gelder in Aktien und Immobilien anlegen, werden ihr Vermögen, wenn auch unter Schwankungen, wohl weiter vermehren.

Ein radikales Umdenken ist deshalb notwendig. Sachwertanlagen müssen künftig eine größere Rolle in der Geldanlage und auch in der Altersvorsorge einnehmen. Besonders hohen Nachholbedarf gibt es hierzulande bei der Aktie.

Deutsche Aktienunternehmen gehören zur Weltspitze. Anleger sollten sich an diese Unternehmen beteiligen. Dazu internationale marktführende Aktien beimischen. Für den Einsteiger eignet sich ein guter Aktienfonds, für den vorsichtigen Anleger gibt es Mischfonds.

Hund jetzt auf Augenhöhe des Herrchens

Wer kauft bei den aktuellen Aktienkursen in Europa ein? Es sind amerikanische Investoren, die den günstigen Eurokurs zum Einstieg nehmen. Diese schichten in EU-Dividendentitel um. Sicher haben die Märkte viel von der künftig zu erwartenden Preisbewegung vorweggenommen.

Fundamentale Wendepunkte sind aber noch nicht zu erwarten. Der starke US-Dollar, niedrige Ölpreise und billiges Geld sind weiter Treibstoff für die Gewinne vieler deutscher und europäischer Unternehmen.

Um die Kurse richtig zu deuten, sollten sich Investoren auch eine Weisheit des legendären Finanzexperten André Kostolany vergegenwärtigen: Er verglich die Börse mit einem Hund und die Wirtschaft mit seinem spazierenden Herrchen. Beizeiten läuft der Hund weit voraus, um dann wieder zurückzufallen und hinter seinem Herrchen herzutrotten.

Es gibt Zeiten, in denen die Börsenkurse der Gewinnentwicklung der Unternehmen weit vorauseilen. Dies ist dann der Fall, wenn sehr viele Anleger in Aktien investieren.

In derartigen Phasen sind die Wertpapiere im Verhältnis zur wirtschaftlichen Stärke der Unternehmen und im Vergleich zu Zinspapieren sehr teuer. Der Hund ist jetzt in Euroland auf Augenhöhe des Herrchens.

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