Ärzte Zeitung, 11.05.2015

Dividendentitel

Nicht nur auf die Ausschüttung achten

Die niedrigen Zinsen treiben die Nachfrage nach Aktien mit attraktiven Dividenden. Doch Anleger sollten nicht übereilt in solche Werte investieren. Denn hohe Ausschüttungsrenditen zeigen nicht selten, dass es um ein Unternehmen nicht zum Besten steht.

Von Richard Haimann

Nicht nur auf die Ausschüttung achten

Dividendenstarke Aktien versprechen bare Münze.

© Andreas Haertle / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) machen es immer schwieriger, am Kapitalmarkt noch attraktive Erträge zu erzielen. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind unter die Marke von 0,2 Prozent gesunken.

Tages- und Festgeldkonten werfen kaum mehr ab. Institutionelle Investoren wie Altersvorsorgeeinrichtungen, Banken und Versicherungen erwerben deshalb zunehmend Aktien, um attraktive Dividendenrenditen zu erlangen.

Nach einer neuen Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz dürfen sich Aktionäre dieses Jahr über eine wahre Dividendenflut freuen. Insgesamt wollen deutsche Aktiengesellschaften den Rekordbetrag von 41,7 Milliarden Euro ausschütten.

Das sind neun Prozent mehr als im bisherigen Spitzenjahr 2008.

Nicht jede Aktie ist ein guter Kauf

Viele Privatanleger eifern deshalb den Profis nach und investieren ebenfalls in Dividendentitel. Grundsätzlich sei dies eine gute Idee, sagt Nicolas Simar, Stratege bei NN Investment Partners, die 203 Milliarden Euro an Anlagekapital verwaltet.

"Europäische Dividendentitel sind weiterhin eine attraktive Kaufgelegenheit." Denn die wachsende Nachfrage werde die Aktienkurse vieler Unternehmen weiter in die Höhe treiben.

Allerdings ist nicht jede Aktie mit einer hohen Dividendenrendite auch ein guter Kauf. "Manche Unternehmen weisen nur deshalb eine hohe Ausschüttungsrendite auf, weil ihr Börsenkurs gefallen ist", sagt Dieter Thomaschowski, Inhaber des Analysehauses Thomaschowski Research & Advisory.

"Investmentprofis wissen, dass die Gewinne dieser Unternehmen sinken werden und stoßen deshalb die Papiere ab." Da die Unternehmen jeweils die anteiligen Gewinne des Vorjahres ausschütten, sei keineswegs sicher, dass alle Gesellschaften auch 2016 ähnlich hohe Dividenden auskehren werden.

"Anleger sollten sich deshalb fragen, ob eine Gesellschaft weiterhin ihre Gewinne und damit ihre Ausschüttungen halten oder steigern kann", sagt James Swanson, Chefstratege der Bostoner Kapitalanlagegesellschaft MFS Investment Management.

Die größte Sicherheit bieten dabei Papiere von Unternehmen, die seit Jahrzehnten wachsende Erträge und Ausschüttungen vorweisen.

Börsengiganten Fels in der Brandung

Das sind vor allem Börsengiganten, deren Produkte auch in wirtschaftlich schwachen Phasen nachgefragt werden. Dazu zählen Unternehmen wie der Pharmakonzern Bayer, die Softdrink-Hersteller Coca Cola und Pepsi, Konsumgüterproduzenten wie Henkel und Nahrungsmittelgiganten wie Nestlé.

Allerdings lassen sich mit diesen Papieren zunächst keine üppigen Dividendenrenditen erzielen. Denn die große Nachfrage treibt die Kurse dieser Aktien in die Höhe. Dadurch sinkt spiegelbildlich die vom Preis der Aktie abhängige Ausschüttungsrendite.

Die Dividendenrendite bei Bayer zum Beispiel liegt bei nur 1,69 Prozent, bei Nestlé und Coca Cola sind es fast drei Prozent.

Wer die Papiere langfristig hält, kann jedoch in den Genuss deutlich höherer Renditen kommen. "Heben die Unternehmen mit den Jahren ihre Ausschüttungen an, steigt die Dividendenrendite", sagt Georg Kanders, Analyst beim Bankhaus Lampe.

Ein Beispiel dafür ist die Deutsche Euroshop. Der Einkaufscenter-Betreiber hat langfristige Staffelmietverträge abgeschlossen, durch die sein Gewinn künftig wachsen wird. "Das Unternehmen hat deshalb zugesagt, bis 2017 die Dividende jedes Jahr um 0,15 Euro anzuheben", sagt Kanders.

Schüttet die Gesellschaft für 2014 pro Aktie 1,30 Euro aus, werden es in drei Jahren 1,75 Euro sein. "Wer die Aktie zum heutigen Kurs kauft, erhält zwar nur eine Dividendenrendite von rund 2,7 Prozent", sagt Kanders. "In drei Jahren werden es durch die höhere Ausschüttung jedoch 3,7 Prozent sein."

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