Ärzte Zeitung, 13.07.2015

Die Post geht ab

Online-Handel beflügelt Paketzustelldienste

Der wachsende OnlineHandel beschert Paketdienstleistern steigende Umsätze und Gewinne. Das treibt auch ihre Börsenkurse in die Höhe. Nach dem Ende des Tarifkonflikts bei der Post sehen Analysten Potenzial für diese und andere Aktien von Logistikdienstleistern.

Von Richard Haimann

Online-Handel beflügelt Paketzustelldienste

Der Paketversand online bestellter Ware wird vorbereitet.

© industrieblick/Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Am Ende türmten sich Millionen Briefe und Pakete. Vier Wochen Streik bei der Post führten der Nation vor Augen, welche Bedeutung gerade im Internet-Zeitalter Logistikkonzerne für die Wirtschaft haben.

Denn immer mehr Waren werden über das weltweite Datennetz bestellt, müssen aber weiterhin von Hand ausgeliefert werden.

Allein in Deutschland wurden vergangenes Jahr nach einer Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) Waren im Gesamtwert von 42,8 Milliarden Euro im Online-Handel umgesetzt - ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2013.

Auch künftig werde die Branche Jahr für Jahr zweistellig wachsen, sagt IFH-Experte Hansjürgen Heinick. "Bis 2020 dürfte der Internetabsatz einen Marktanteil von 15 Prozent am gesamten deutschen Einzelhandel erreichen."

Post hat noch viel Potenzial

Sichere Gewinner sind dabei Logistikdienstleister wie die Deutsche Post und ihre drei großen internationalen Konkurrenten, die niederländische TNT Express sowie die beiden US-Konzerne Fedex und UPS.

Denn mit dem wachsenden Online-Handel steigt das Volumen der zu befördernden Pakete.

"Bei der Deutschen Post macht der Internet- und Versandhandel bislang nur zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus", sagt Lothar Koch, Portfoliomanager bei der Anlageberatungsgesellschaft GSAM + Spee in Düsseldorf. "Da ist viel Luft nach oben."

Was viele Experten für die Post-Aktie zudem zuversichtlich stimmt, ist das Ergebnis des Arbeitskampfes. "Die Post konnte einen für sie günstigen Tarifabschluss erreichen", sagt Koch.

Die Löhne der Beschäftigten steigen in den kommenden Jahren nur geringfügig. Zudem können neue Mitarbeiter zu geringeren Gehältern in Tochtergesellschaften eingestellt werden.

"Mit dieser Tarifeinigung wird es für die Konzernführung leichter, ihre Gewinnziele zu erreichen", sagt auch Frank Krekel von der auf die Betreuung von Ärzten und Apothekern spezialisierten Koblenzer Vermögensverwaltung Unikat.

Uwe Wiesner, Portfoliomanager beim Berliner Vermögensverwalter Hansen & Heinrich, gefällt zudem die starke Position des Konzerns. "Die Post-Tochter DHL hat im weltweiten Logistikgeschäft einen Marktanteil von 34 Prozent."

Im Inland sei der Konzern unangefochtener Marktführer. "Seine Preissetzungsmacht ist so stark, dass er zu Jahresbeginn problemlos eine Portoerhöhung durchsetzen konnte", so Wiesner.

Während des Streiks war der Kurs der Postaktie um fast 20 Prozent gesunken. Wiesner erwartet jedoch, dass der Kurs in den Sommermonaten um weitere sieben Prozent bis auf 24 Euro zurückgehen wird.

"Dann ist die Aktie ein klarer Kauf", sagt der Experte. Frank Wieser, Geschäftsführer der PMP Vermögensmanagement Donner & Reuschel in Erkelenz, rät hingegen schon jetzt zum Einstieg.

"Das Papier ist moderat bewertet und bietet eine attraktive Dividendenrendite von mehr als drei Prozent."

Kartellamt muss noch entscheiden

Auch die UPS-Aktie steht bei etlichen Analysten auf der Kaufliste. "UPS wird seine Gewinne in den kommenden Jahren deutlich steigern", ist sich Tom Kim von der US-Investmentbank Goldman Sachs sicher.

Er erwartet einen Kurszuwachs von 20 Prozent bis Sommer nächsten Jahres. Bei der Fedex-Aktie hingegen rechnet Brandon Oglenski von der US-Investmentbank Barclays in der gleichen Zeit nur mit einem Kursplus von zehn Prozent.

Der Grund: Der US-Konzern will den Mitbewerber TNT Express für 4,4 Milliarden Euro übernehmen. Die Niederländer haben dem Aufkauf zwar zugestimmt.

Viele Börsianer dürften jedoch abwarten, ob die Integration gelingt, bevor sie in die Fedex-Aktie investieren.

Bei TNT sind keine Kursgewinne zu erwarten. Die Aktie notiert nur einige Cent unter dem Übernahmepreis. Sollte das Kartellamt die Übernahme verweigern, dürfte ihr Kurs einbrechen.

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