Ärzte Zeitung, 31.08.2015

Aktien

Nach dem Kurssturz bieten sich Kaufgelegenheiten

Die jüngste Achterbahnfahrt an den Börsen hat die Nerven vieler Anleger strapaziert. Experten raten dennoch, an Aktien festzuhalten. Niedrige Ölpreise dürften die Dividenden in die Höhe treiben.

VON RICHARD HAIMANN

Nach dem Kurssturz bieten sich Kaufgelegenheiten

Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main: Am 24. August fiel der Dax unter die Marke von 10.000 Punkten. Danach setzte aber bald die Gegenbewegung ein.

© Christoph Schmidt / dpa

NEU-ISENBURG. Stattliche 22 Prozent hat der deutsche Leitindex Dax in den vergangenen Monaten verloren, bevor am Dienstag vergangener Woche eine kräftige Gegenbewegung einsetzte, die den Index wieder über die Marke von 10.000 Zählern hievte.

Nicht anders sah es an den übrigen Börsen der Welt aus.

Für den Crash in diesem Sommer gibt es gleich mehrere Erklärungen: Die Griechenlandkrise, das abflauende Wirtschaftswachstum in China, die fallenden Rohstoffpreise und die Ankündigung der US-Notenbank, den Leitzins in diesem Jahr erstmals seit der Finanzkrise von 2008 wieder anzuheben.

Attraktive Dividendenrenditen

Für Experten ist keine dieser Begründungen stichhaltig. "Wir sehen eine Überreaktion der Profi-Börsianer auf eine diffuse Nachrichtenlage", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

"Für langfristig orientierte Privatanleger ist dies eine Kaufgelegenheit." Der Einbruch der Rohstoffpreise - insbesondere des Erdöls - sei kein Anzeichen einer weltweiten Wirtschaftskrise.

"Vielmehr befeuern niedrige Preise für Kraftstoffe und Erze das Wirtschaftswachstum", sagt der Chefökonom.

"Den Privathaushalten bleibt mehr Geld für den Konsum, die Unternehmen können Waren billiger produzieren und ihre Gewinne und die Dividenden steigern." Und: "Die Papiere großer europäischer Konzerne glänzen mit sehr attraktiven Dividendenrenditen", so Hellmeyer.

Zudem gebe es handfeste Gründe, weshalb beispielsweise Öl zuletzt so billig geworden sei, sagt Ole Hansen, Chefstratege Rohstoffe bei der dänischen Saxo Bank. "Das Angebot übertrifft schlichtweg die Nachfrage".

In den USA hatten Ölkonzerne durch neue Fördermethoden in den vergangenen Jahren immer mehr Rohöl und Erdgas aus dem Boden geholt. Zudem wurde mit der Beilegung des Atomstreits das Exportverbot gegen den Iran aufgehoben.

Deshalb wird demnächst Teheran die Weltmärkte zusätzlich mit dem flüssigen schwarzen Gold fluten können. "Es wird noch lange dauern, bis der Ölpreis wieder deutlich steigt", sagt Hansen. Solange profitiere die Weltwirtschaft vom preiswerten Schmierstoff.

Analysten gelassen in puncto China

Philip Saunders, Stratege der südafrikanischen Kapitalanlagegesellschaft Investec, hält auch die Sorgen um China "für deutlich übertrieben". Wachstumsraten fallen naturgemäß, sobald die Konjunktur eines Landes immer stärker und komplexer wird.

Deutlich ablesen lässt sich das am Bruttoinlandsprodukt in den etablierten Wirtschaftsnationen Europas und den USA, wo selbst in den besten Jahren die Wirtschaft lediglich um maximal zwei Prozent zulegt.

Zudem habe die chinesische Nationalbank mit der Leitzinssenkung in der vergangenen Woche den Unternehmen und Konsumenten die Möglichkeit verschafft, günstiger an Kredite für Investitionen zu gelangen.

"Damit sollte es gelingen, die Märkte in China wieder zu stabilisieren", ist Stefan Große, Analyst der Nord/LB, überzeugt.

Durch die jüngsten Kursrückgänge seien Aktien als Anlageinstrumente "wieder billiger, aber nicht schlechter, sondern attraktiver geworden", sagt Hellmeyer.

Das gelte insbesondere für deutsche und andere europäische Werte. "Im Schnitt kosten diese Aktien derzeit nur das elf- bis zwölffache des Jahresgewinns", sagt der Chefökonom.

Im historischen Durchschnitt liege ihr Preis jedoch beim 15-Fachen des Jahresgewinns.

Zudem könnten Anleger mit Dax-Titeln aktuell Dividendenrenditen von durchschnittlich fast drei Prozent einfahren.

"Das schlägt jede andere Anlageform", sagt Hellmeyer. Auch Saunders rät, jetzt Aktien zu kaufen, statt zu verkaufen: "Die globalen Fundamentaldaten sind alle positiv."

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