Ärzte Zeitung, 21.09.2015

Börse

Elektrofahrzeuge treiben Kurse der Batteriehersteller an

Immer mehr Elektromobile kommen auf die Straßen - das treibt nicht nur die Kurse von Batterieproduzenten hierzulande. Ein Großteil der Elektroautos rollt heute über Highways in den USA.

Von Richard Haimann

Elektrofahrzeuge treiben Kurse der Batteriehersteller an

Durst nach Strom statt Benzin: Akku-Hersteller hoffen auf eine Börsenrallye mit Elektroautos.

© Petair/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Elektromobile sind weltweit immer stärker gefragt. Davon profitieren vor allem die Hersteller von Stromspeicher-Batterien. Analysten erwarten deshalb deutliche Kursgewinne bei deren Aktien.

Die Aktie des Reutlinger Maschinenbauers Manz notierte einst bei 178 Euro. Dann kam das auf die Solarbranche spezialisierte Unternehmen kräftig unter die Räder, als deutsche Hersteller von Photovoltaikanlagen nicht mehr mit der Konkurrenz aus China mithalten konnten.

Binnen dreier Jahre verlor die Aktie 90 Prozent, wurde auf dem Tiefpunkt für weniger als 18 Euro gehandelt. Inzwischen zahlen Investoren wieder mehr als 60 Euro pro Papier. Und Analysten erwarten, dass die Rallye des TecDax-Wertes noch weiter geht.

Der Grund: Die Reutlinger haben ihr Geschäftsmodell gewandelt. Sie setzen nicht mehr nur auf Solarzellen, sondern vor allem auf LithiumIonen-Batterien.

Die sind das Herzstück von Elektrofahrzeugen, weil in ihnen der Strom gespeichert wird, aus denen die Motoren ihre Kraft ziehen. Die Umstellung zahlt sich nun aus. Im aktuellen Geschäftsjahr hat Manz nach eigenen Angaben bereits Aufträge im Wert von rund 100 Millionen Euro für Energiespeicher erhalten.

Analysten setzen auf Wachstum

Karsten Iltgen vom Bankhaus Lampe hat die Aktie mit Kaufen eingestuft: "Eine breitere Kundenbasis im Batteriegeschäft und Folgeaufträge von bestehenden Batteriekunden" dürften zu Umsatzsteigerungen führen. Auch Thomas Rau von der Frankfurter Investmentbank Equinet rät zum Kauf: Die Neuaufträge "im Batteriegeschäft unterstreichen das Wachstumspotenzial des Unternehmens in diesem Bereich".

Sein Kursziel von 91 Euro liegt rund 40 Prozent über der heutigen Notierung.

Es geht um nicht weniger als eine technische Revolution vergleichbar mit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Nur dass diesmal dessen Ende besiegelt werden soll. Um die bei der Verfeuerung fossiler Brennstoffe entstehenden Schadstoffemissionen zu senken, fördern immer mehr Staaten die Einführung von Elektromobilen.

Zwar erscheint es zweifelhaft, ob das von der Bundesregierung angepeilte Ziel erreicht wird, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen. 2014 wurden nur 13.000 Strommobile hierzulande neu zugelassen.

Doch in den USA, in Skandinavien, Italien, Frankreich, Japan und China wachsen die Flotten der E-Mobile kräftig. Weltweit waren nach einer neuen Studie des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg zu Jahresbeginn rund 740.000 Elektromobile zugelassen - fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

Zu den führenden Nationen zählen China und Japan mit jeweils mehr als 100.000 Stromern, Spitzenreiter sind die USA, wo zu Jahresbeginn 290.000 Elektromobile über die Highways rollten.

Das lockt nun immer mehr Automobilhersteller in das wachsende Fahrzeugsegment. BMW hat mit den i-Modellen eine ganze Baureihe von Elektromodellen aufgelegt. In Kalifornien wurde mit Tesla Motors der erste Autobauer gegründet, der ausschließlich Stromer fertigt.

US-Index S&P deutlich geschlagen

Experten erwarten, dass die steigenden Produktionszahlen den Batterieproduzenten zu rasanten Umsatz- und Gewinnzuwächsen verhelfen werden. Neben Manz zählen dazu die großen US-Konzerne EnerSys und Ultralife, die auch an deutschen Börsen gelistet sind.

Ihre Aktienkurse haben in den vergangenen drei Jahren um jeweils mehr als 50 Prozent zugelegt und damit den breiten US-Index S&P 500 deutlich geschlagen. Trotz der Kursgewinne überwiegen bei beiden Papiere weiterhin die Kaufempfehlungen.

Wer ganz in Elektromobilität investieren will, sollte auf die Tesla-Aktie setzen, sagt Morgan-Stanley-Analyst Adam Jones. "Das Unternehmen ist ein Topwert im Automobilsektor und hat das Potenzial, die Mobilitätsrevolution entscheidend mitzubestimmen."

Tesla fertigt nicht nur Elektromobile, sondern auch die dafür nötigen Batterien. Zudem verkauft das Unternehmen Komponenten für elektrische Antriebsstränge an andere Fahrzeughersteller, darunter Mercedes und Toyota.

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