Ärzte Zeitung, 03.02.2016

Marktdynamik

US-Regularien könnten Schub bewirken

Aus Anlegersicht sind Biosimilaranbieter nicht uninteressant. Das gilt aber auch für die Originatoren, die mit Biotech-Molekülen viel weicher von der Patentklippe fallen als mit chemischen.

DÜSSELDORF. Das Marktpotenzial für Biosimilars ist erheblich: Bis 2025 verlieren rekombinante Wirkstoffe mit einem jährlichen Gesamtumsatz von schätzungsweise 125 Milliarden Dollar den Patentschutz, weiß Dr. Uwe Färber, Investmentanalyst der apoBank für das Ressort Healthcare.

Der tatsächliche Markterfolg rekombinanter Nachahmer hänge jedoch außer vom Preisdruck in den nationalen Gesundheitssystemen - und damit spezifischen Impulsen für Um- und Neueinstellungen - nicht zuletzt von den Zulassungsregularien ab. Hier hat Europa, wo bereits etliche Biosimilars zentral zugelassen wurden, einen Vorsprung. In den USA dagegen erhielt erst voriges Jahr das erste Biosimilar überhaupt, ein Filgrastim-Nachbau von Sandoz, die Marktfreigabe.

Dort liege ein Verordnungsentwurf, der die Einreichungsregularien für Biosimilar-Dossiers absteckt, noch im Kongress, berichtet Färber. Mit der Verabschiedung wird im ersten Quartal dieses Jahres gerechnet. Im mengen- wie margenträchtigen US-Markt könnten Biosimilars dann einen Schub erleben. Denn mit einem verbindlichen Prozedere werde das Zulassungsverfahren erheblich berechenbarer als bisher, eine Hürde für Hersteller abgebaut.

Als Anleger vom lukrativen Biosimilargeschäft profitieren zu wollen, gestalte sich gleichwohl nicht ganz einfach, so Färber. Bei großen Playern wie Sandoz oder Hospira handelt es sich um Konzerntöchter, womit sich der Erfolg eines einzigen Produktsegments schnell in der Aktienbewertung verwässert.

Kleine börsennotierte Unternehmen wie etwa die koreanische Celltrion, die voriges Jahr europaweit teils selbst, teils mit Partnern ein Infliximab-Similar lancierte und im Heimatmarkt bereits einen Trastuzumab-Nachbau (Original: Herceptin® von Roche) durch die Zulassung gebracht hat, sind aufgrund limitierter Portfolios mit höheren Risiken behaftet. Solche Aktien eigneten sich daher eher als Beimischung in einem aktiv gemanagten Fonds, empfiehlt Färber.

Aus Investorenperspektive sind im Biosimilar-Kontext aber auch die Originatoren interessant: Weil rekombinante Nachahmer ungleich langsamer Marktanteile gewinnen als klassische Generika, schmilzt umgekehrt bei den Originatoren nach Patentablauf die Umsatzkurve langsamer ab, der Produktlebenszyklus rekombinanter Originale ist länger als der kleiner Moleküle.

Färber: "Die Analysten schauen ganz genau darauf, wie schnell Marktanteile verloren gehen". Firmen mit einem hohen rekombinanten Portfolio-Anteil müssen die Patentklippe weniger fürchten als ihre Wettbewerber, die wenige oder gar keine Biotechpräparate vertreiben. Und das, so Färber, werde sich auch auf die Kursentwicklung auswirken. (cw)

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