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Aquafarming verspricht dicke Fischzüge – auch an der Börse

Weltweit steigt die Nachfrage nach gesunder Nahrung rapide – das treibt mit Macht die Aktienkurse von Fischzucht-Konzernen. Analysten trauen Aktien von Aquafarming-Unternehmen großes Potenzial zu.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
In großen Freigehegen in Fjorden und im offenen Meer werden immer mehr Fische aufgezogen.

In großen Freigehegen in Fjorden und im offenen Meer werden immer mehr Fische aufgezogen.

© Vladislav Gajic/stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Rund 7,47 Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung nach der jüngsten Prognose der UNO um 30 Prozent auf 9,7 Milliarden Bewohner zulegen. Mit der stetig wachsenden Weltbevölkerung steigt auch der Bedarf an proteinreichen Nahrungsmitteln rapide – und beflügelt so einen neuen großen Investmenttrend: Aquafarming, die Fischzucht in großen Netzgehegen im freien Meer.

Der globale Nahrungsmittelbedarf wird den Berechnungen zufolge jedoch noch deutlich stärker zulegen, weil in immer mehr Entwicklungsländern die Mittelschicht wächst und damit die Kaufkraft und Nachfrage nach proteinhaltigen Lebensmitteln. "Allein mit der Zucht von Geflügel, Rinder und Schweinen wird der wachsende Bedarf nicht zu decken sein", sagt Gerd Häcker, Geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Vermögensverwaltung steinbeis&häcker. Dafür gebe es weltweit zu wenig Weide- und Anbauflächen für Soja und andere Futtermittel.

Oslo-Seafood-Index legt immens zu

Stattdessen dürfte ein anderer Sektor massiv vom wachsenden Bedarf an gesunden, energiereichen Nahrungsmitteln profitieren: Die Fischzucht. "Aquafarming ist das am stärksten wachsende Segment der gesamten Nahrungsmittelbranche", sagt Häcker. Weltweit würden stetig mehr Äschen, Barsche, Doraden, Lachse und weitere Arten bis hin zum Pangasius in großen Freigehegen in Fjorden oder im offenen Meer aufgezogen. Die stetig steigende Nachfragen beschert den börsennotierten Unternehmen immer höhere Gewinne und treibt ihre Aktiennotierungen.

"Der Oslo-Seafood-Index, der die Kursentwicklung der großen Branchenkonzerne widerspiegelt, ist seit 2011 in der Spitze um 550 Prozent gestiegen", sagt Häcker. Die meisten Experten sehen darin erst der Beginn einer langanhaltenden Entwicklung. "Aquafarming, nicht das Internet, ist das vielversprechendste Investment des 21. Jahrhunderts", prognostizierte bereits vor Jahren der inzwischen verstorbene US-Ökonom und Pionier der modernen Managementlehre, Peter Drucker.

Nach einer Studie der UN-Welternährungsorganisation FAO wird bereits 2023 rund um den Globus mehr Fisch aus Aquakulturen auf die Teller kommen als aus freiem Fang. Nach einer Studie des Kieler Forschungsclusters Ozean der Zukunft sind bereits heute 58 Prozent des weltweiten Bestands an Meerestieren überfischt: Jahr für Jahr werden mehr Tiere getötet, als für den Arterhalt nötig sind.

Ohne kommerzielle Fischzucht könnte es bald keine Fische mehr geben, warnen Branchenakteure. "Aquafarming ist der nachhaltigste und effektivste Weg, um gesunde Nahrung zu produzieren", argumentiert Alf-Helge Aarskog, Vorstandschef des börsennotierten norwegischen Konzerns Marine Harvest, der mit 12.700 Beschäftigten vor den Küsten von 24 Ländern Lachse züchtet und damit 2016 insgesamt 3,6 Milliarden Euro umgesetzt hat.

Der Aktienkurs von Marine Harvest (ISIN NO0003054108) ist seit 2012 um 326 Prozent gestiegen. Das Papier des ebenfalls in Oslo ansässigen Wettbewerbers Leroy Seafood (ISIN NO0003096208), der diverse Fischarten vor den Küsten Skandinaviens, Frankreichs und Portugals züchtet, hat in dieser Zeit sogar 432 Prozent gewonnen.

Aktienoptionen auch im Zuchtumfeld

Für interessant hält Häcker auch die Aktie des Fischzuchtausrüsters Akva Group (NO0003097503), deren Kurs im selben Zeitraum um 311 Prozent gestiegen ist: "Dieses Unternehmen beliefert Fischzuchtbetriebe weltweit mit automatisierten Fütterungssystemen, Sensoren und Software zur Kontrolle der Wasserqualität sowie spezialisierten Arbeitsbooten."

Anleger, die nicht auf einzelne Werte setzen wollen, können über den Global Fish Fund (LI0181468138) der Schweizer Investmentgesellschaft Bonafide breit gestreut in börsennotierte europäische, nordamerikanische sowie asiatische Fischzuchtunternehmen einsteigen. Der auch in Euro notierende Fonds erzielte in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von elf Prozent. Interessierte Anleger, die den fünf prozentigen Ausgabeaufschlag sparen wollen, erwerben Anteile direkt an der Börse.

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Kommentare
Horst Grünwoldt 19.06.201712:19 Uhr

Aquakultur

Norwegen ist bis auf weiteres führend in der Entwicklung und dem Betreiben von sog. Aquafarming-Anlagen zur Aufzucht und Mast von wertvollen Speisefischen als nachhaltige Alternative zur Überfischung der Meere.
Bei den Asiaten ist die Fisch-Aquakultur-Anlage schon länger weitverbreitet. Sie gehört praktisch mit zur Haustierhaltung unter den schwimmenden Häusern auf dem Mekong und anderswo. Von dort beziehen wir vor allem Pangasius, Tilapia und Garnelen.
Die Norweger sind natürlich mit ihren Fjorden als ideales Gewässer für die Aufzucht der Kaltwasserfische Lachs und Kabeljau gesegnet, und aquakultur-technologisch in der Welt führend. Aber auch in Mitteleuropa gehört ja die Teichwirtschaft für Karpfen und Forellen, ertmals durch die Klostermönche betrieben, seit Jahrhunderten bis heute zu den Speise-Fischzuchten.
Seit dem Jahre 2009 hat die Universität Rostock erstmalig einen neuen Masterstudiengang für "Marine Aquakultur" eingeführt, der Absolventen agrar- und naturwissenschaftlicher Fachrichtungen ermöglicht, noch nach dem Bachelor den MSc aufzustocken, und somit in der wachsenden Fischzucht-Branche ein lohnendes Betätigungsfeld zu finden.
In D dürften wegen der überdüngten Ostsee vor allem sog. Kreislauf-Anlagen an Land entwicklungsfähig sein. Das Kernproblem -neben einigen ökologischen Aspekten- dürfte vor allem darin bestehen, nicht Fisch mit Fisch zu ernähren, sondern andere Protein-Träger für die äußerst ökonomische Fütterungs-/Mast-Leistung zu gewinnen. Neben der Nutzung des Beifangs auf See, könnten vielleicht auch die Schlachtabfälle zur Fischmast sinnvolle Verwendung finden. Defizitär oder limitierend bleibt allerdings das essentielle Fischöl (Lebertran) zur gesunden Nutzfisch-Ernährung.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

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