Montag, 21. April 2014
Ärzte Zeitung, 09.11.2012

E-Arztbrief

Live-Test in Düren bestanden

Unter den Argusaugen der NRW-Gesundheitsministerin haben Ärzte in Düren bei einer Live-Demo gezeigt, dass der elektronische Arztbrief bereits funktioniert - im Gegensatz zum E-Rezept. Außerdem zeigte der Test: Der E-Arztbrief stößt auf großen Zuspruch.

Von Ilse Schlingensiepen

Dürens Ärzte wagen Live-Test

Ein Vorteil des elektronischen Arztbriefs in Düren, an dem die KVNo beteiligt ist: Er erlaubt die Stapelsignatur.

© Siemens / digitalstock

DÜREN. Zehn Jahre ist es her, da haben niedergelassene Ärzte und Apotheker in Düren öffentlich den Einsatz des elektronischen Rezepts getestet - in Anwesenheit der damaligen SPD-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Jetzt haben sich wieder Pioniere aus der rheinischen Stadt nach vorn gewagt und in einer Live-Demonstration unter den Augen der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) die erfolgreiche Arbeit mit dem elektronischen Arztbrief gezeigt.

Die Szenen sind ähnlich, aber die Ausgangslage ist grundverschieden, betont Gilbert Mohr, Leiter der Stabsstelle IT in der Praxis bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo).

Zwar war auch damals die Präsentation erfolgreich. Das elektronische Rezept war aber nicht praktikabel und vor allem brauchten es die Betroffenen nicht, sagt er.

Beim elektronischen Arztbrief seien die Dinge anders gelagert. Mohr verweist auf eine Umfrage der KVNo, nach der zwar die weit überwiegende Mehrheit der Haus- und Fachärzte noch mit Arztbriefen in Papierform arbeitet.

Aber 50 Prozent der Fachärzte und 63 Prozent der Hausärzte haben großes Interesse am Versand von sicheren elektronischen Arztbriefen. "Das ist eine andere Grundlage als beim elektronischen Rezept, nach dem sich niemand gesehnt hat."

180 Praxen wollen mitmachen

Das Dürener Projekt

Ende 2011 startete in Düren das von der EU und Landesregierung NRW geförderte Projekt zur E-Fallakte.

Erster Schritt ist der gerichtete Versand von elektronischen Arztbriefen.

Bereits jetzt verschicken Ärzte 1700 E-Arztbriefe pro Monat.

In Düren wollen rund 180 Arztpraxen und drei Krankenhäuser in einem von der EU und der Landesregierung geförderten Projekt eine einrichtungsübergreifende elektronische Fallakte testen.

Projektpartner sind unter anderem die KVNo, die Dürener Arbeitsgemeinschaft für Integrierte Versorgung und das Softwarehaus Duria.

In einem ersten Schritt erproben die Ärzte den Versand von gerichteten elektronischen Arztbriefen, die also - anders als die in einer Akte hinterlegten - einen festen Adressaten haben.

Der Start war Ende 2011 mit einer Radiologiepraxis und kooperierenden Hausärzten, inzwischen sind zehn Facharztpraxen als Versender und 50 Hausarztpraxen als Empfänger mit von der Partie. Sie verschicken rund 1700 E-Arztbriefe im Monat.

Wie das funktioniert, demonstrieren Facharzt Dr. Günther Heck, der aus der acht Kilometer entfernten Praxis in Kreuzau zugeschaltet ist, und Hausarzt Ulrich Driessen: Heck hat einen an Driessen gerichteten Brief mit Befunden erstellt, speichert ihn als PDF-File und legt ihn in ein virtuelles Postfach.

Vor dem Versenden signiert Heck den Brief, indem er seinen elektronischen Heilberufeausweis in ein Lesegerät steckt und eine PIN-Nummer eingibt.

Der Brief wird dann verschlüsselt auf den D2D-Server der KVNo übertragen, von dem ihn Hausarzt Driessen ebenfalls über eine sichere Verbindung per KV-Safenet abholt.

Das System ist rechtssicher

Der elektronische Arztbrief lasse sich leicht in den Praxisalltag integrieren und sei mit wenig Aufwand verbunden, sagt Internist Heck.

"Aus meiner dreivierteljährigen Erfahrung mit dem System kann ich sagen: Für mich hat es nur Vorteile, keine Nachteile."

Die Ärzte bewegten sich auf rechtssicherem Boden. Sehr wichtig sei die Möglichkeit, die Briefe per Stapelsignatur zu unterschreiben. "Sonst wäre die Akzeptanz auf der Versenderseite mangelhaft."

Das System sei bequem und arbeite ohne jegliche Systembrüche, lobt auch Hausarzt Driessen. "Die steigende Anwenderzahl zeigt, dass es wirklich Akzeptanz findet."

Das Ziel des Gesamtprojekts bleibe die elektronische Fallakte, in die Briefe eingestellt werden. Gerade bei Notfällen werde sich zeigen, welchen Nutzen der schnelle Zugriff auf gespeicherte Daten haben kann, erwartet Driessen.

In der Telematik sei entscheidend, wie praktikabel die Anwendungen für die Ärzte und wie groß die Akzeptanz bei den Patienten sei, sagt Gesundheitsministerin Steffens. "Bei den Telematik-Anwendungen steht für mich die Nutzer-Orientierung an allererster Stelle."

Deshalb müsse man die Anwendungen gemeinsam mit den Akteuren entwickeln und dann erst in die Fläche ausrollen. "Der elektronische Arztbrief ist eines der Beispiele, bei denen ich das Gefühl habe, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

"Wegweisendes Projekt"

Der KVNo-Vorsitzende Dr. Peter Potthoff spricht von einem "wegweisenden Projekt". "Wir beabsichtigen, aufgrund der guten Erfahrungen in Düren, den elektronischen Arztbrief auch den anderen KVNo-Mitgliedern anzubieten."

Rund 25 Prozent der Praxen in Nordrhein sind an D2D angeschlossen. Die KVNo hofft, dass die meisten Praxissoftware-Häuser den Arztbrief in ihr System integrieren werden.

In Düren nutzen die meisten der beteiligten Ärzte Duria - über ein spezielles von Duria entwickeltes Modul können aber auch die anderen mit dem elektronischen Arztbrief arbeiten.

|
[11.11.2012, 06:34:42]
Ulrich Driessen 
Sachverhalte D2D KV Safenet richtiggestellt !
D2D ist ein vom Institut für biomedizinische Technik (IBMT) der Fraunhofer Gesellschaft aus St. Ingbert entwickeltes Verfahren, um datensicher medizinische Dokumente Ende zu Ende verschlüsselt zu übertragen.

Darüber hinaus unterstützt D2D auch die gerichtete Kommunikation (Rezept, Überweisung) und die ungerichtete Kommunikation (Netzakte).

Die D2D-Netzakte hat nichts mit der EFA (Elektronische Fallakte) der Fraunhofer Institute (ISST aus Dortmund und FOCUS aus Berlin) zu tun.

Man kann D2D nutzen ...

a) über ISDN

ISDN hat die Einschränkung, dass die Übertragungsrate sehr gering ist (64 KB bzw. 128 KB bei Kanalbündelung) - gemessen an heutigen Internetverhältnissen.

ISDN reicht also nur dann aus, wenn man damit 1x im Quartal eine signierte Abrechnung an die KV verschickt oder 1x/Woche die gesammelten DMPs versendet - wenn man nicht mehr macht, dann geht es nicht kostengünstiger.


b) über KV SafeNet

Verschickt eine Praxis viele Briefe, Dateien oder Bilder pro Tag oder empfängt viele Briefe, Dateien oder Bilder, dann ist ISDN einfach zu langsam und der Einsatz von KV SafeNet ist sinnvoll

KV SafeNet ist ein VPN-Verfahren auf DSL Basis, und somit in der Geschwindigkeit nur abhängig von der bereitgestellten Übertragungsrate des Internet-Providers am Wohn- oder Praxisort.

Eine Firma, die KV SafeNet anbietet, muss bei der KBV zertifiziert sein.
 zum Beitrag »
[11.11.2012, 00:08:30]
Dr. Winfried Reuter 
Stellungnahme eines Dürener Arztes: Herr Wasserberg, Sie blicken sowas von nicht durch.
Das im Dürener Projekt verwendete Verfahren D2D (Doctor-to-Doctor) wurde vom Institut für biomedizinische Technik (IBMT) der
Fraunhofer Gesellschaft aus St. Ingbert entwickelt, um
sicher medizinische Dokumente Ende-nach-Ende verschlüsselt zu
übertragen.

Die benutze Technik ist sekundär, entscheidend ist die sichere Point-to-Point-Verbindung vom absendenden Arzt zum Hochsicherheitsserver bzw. von dort zum adressierten Empfänger. Möglich sind direkte ISDN-Verbindungen (ohne Router), oder auch VPN-Verbindungen per Internet.

Selbst in Düren verzichten mehr als 90% der teilnehmenden Kollegen auf das KV-Safenet und begnügen sich bei voll effektiver Verschlüsselung mit einer ISDN-Verbindung, z.B. mit einer handelsüblichen Fritzcard.
Diese kostet einmalig 62,99 Euro (Amazon), hinzu kommen ggf. die Kosten für die Anbindung der D2D-Schnittstelle des jeweiligen Praxissoftwarepartners (entfallen bei Duria-Anwendern). Verbindungskosten fallen bei den heute üblichen Flatrates nicht an.

Der Verschlüsselungsalgorithmus ist übrigens so ernüchternd effektiv, dass in der Diskussion im Rahmen der eGK-Einführung dieser Ansatz von den GKV-Vertretern nicht in die engere Auswahl genommen wurde...

Betreffend das KV-Savenet beten Sie, Herr Wasserberg, eine wohlbekannte Argumentation nach, deren Implikationen Sie wohl selber nicht ganz durchschauen: Die "externe EDV-Firma" haftet für den manipulations- und schadsoftwarefreien Betrieb ihres Routers: Mir sind genügend Kollegen bekannt, die als Hobbyadministratoren an ihrem KV-Savenet-Router herumbasteln würden, natürlich nur in "bester Absicht".

Die KV-Safenet-Lösung ist mehr als konsequent: Sie ist, wenn man statt ISDN-Direktverbindung die Infrastruktur des Internets nutzen will, ohne Alternative.
 zum Beitrag »
[09.11.2012, 09:37:09]
Dr. jens wasserberg 
veraltete und teure Technik
Es geht hier offenbar auch darum, das auf ISDN-Technik basierende KVSafenet zu promoten, dass heute durch wesentlich billigere Verfahren zu ersetzen wäre. Standard sind heute VPN-Tunnel, mit denen die erforderlichen Sicherheitsstandards erfüllt werden können, ohne dass ein teures Safenet mit einer unsicheren Routersperrung durch einen externen Dienst die Praxissicherheit gefährdet.
Heute ist es so, dass die Praxis die Routereinstellung weder einsehen noch ändern kann, ein Angestellter der externen EDV-Firma aber einen Vollzugriff auf eben diesen Router im KVSafebetbetrieb hat. Somit ist eine Manipulation über diesen Mitarbeiter möglich. Da man der Praxis diese Manipulation gleichsam unterstellt und den Zugriff auf den Router deswegen untersagt, ist diese Lösung mehr als inkonsequent.
Technisch bessere und billigere Lösungen gibt es. Die bringen den interessierten Kreisen aber wohl nicht das erwünschte Geld. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neuer Wirkstoff: Ein kleines Molekül stoppt Masern

Ein neues Molekül könnte bald Masern bei Ungeimpften stoppen. Zumindest bei Tieren klappt das ganz gut - mit einer Tablette und bei einem Masern-ähnlichen Virus. mehr »

Warnung: Gefälschte Arzneimittel im Umlauf

Mehrere Chargen hochpreisiger Biologicals sind in Italien gestohlen worden. Jetzt tauchen sie mit gefälschten Zertifikaten in Deutschland auf. Das BfArM warnt: Die Präparate könnten gestreckt oder verunreinigt sein. mehr »

Westafrika: Ebola-Ausbruch geht auf Kind zurück

Über 200 Erkrankte und 121 Tote: Der Ebola-Ausbruch in Westafrika wird wohl langsam eingedämmt. Eine erste Analyse zeigt jetzt: Ein Kind hat die Erkrankungswelle verursacht. Und: Das Virus ist parallel entstanden. Außerdem haben die Forscher den Weg des Ausbruchs nachgezeichnet. mehr »