Ärzte Zeitung, 31.10.2005

Geräte-Kooperationen - viel Service für Patienten, weniger Risiko für Ärzte

Moderne Medizintechnik bietet Chancen für Selbstzahlerleistungen und Kassenmedizin

KÖLN (akr). Eines der großen Zukunftsthemen für niedergelassene Ärzte ist die Kooperation. Das gilt nicht nur für die Regelversorgung, die von den Krankenkassen gezahlt wird. Auch bei Diagnoseverfahren, gesundheitsfördernden Maßnahmen und Therapien, die von den Patienten selbst bezahlt werden müssen, arbeiten immer mehr Ärzte zusammen. Denn viele dieser individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) werden mit Geräten erbracht, für die hohe Investitionen erforderlich sind.

Auch die Stoßwellentherapie zur Behandlung eines chronischen Tennisarms gehört zu den IGeL. Foto: Eichel

Teilen sich Ärzte diese Kosten und nutzen die Apparate gemeinsam, haben sie und die Patienten Vorteile: Patienten steht bei Selbstzahlerleistungen eine größere Auswahl zur Verfügung, ohne daß sie den Arzt wechseln müssen. Ärzte profitieren von dem Wissen aller an der Kooperation beteiligten Kollegen.

Immer mehr Ärzte bieten ihren Patienten Selbstzahlerleistungen an, vor allem zur Vorbeugung oder Früherkennung von Krankheiten, oder um einer Verschlechterung weniger schwerer Gesundheitsstörungen entgegenzuwirken. Zu diesen Leistungen zählt zum Beispiel die Knochendichtemessung zur Feststellung des Osteoporose-Risikos und die Magnetfeldtherapie zur Förderung der Selbstheilungskräfte.

Aus der Finanznot eine Tugend gemacht

Häufig fürchten Ärzte allerdings, daß die Apparate nicht ausreichend ausgelastet sein werden und sich die Investition nicht lohnt. Niedergelassene Mediziner in Lampertheim haben deshalb aus der Not eine Tugend gemacht. Von den 45 Haus- und Fachärzten des südhessischen Ortes haben sich 20 zusammengeschlossen und das "Ärztliche Gesundheitszentrum in Lampertheim" (AGiLA) gegründet.

Seit Mai 2004 bieten die Ärzte ihren Patienten auf 220 Quadratmetern in bester Innenstadtlage gerätegestützte Selbstzahlerleistungen wie Knochendichtemessungen, Magnetfeld-, Stoßwellen- und Orthomolekulare Therapie an.

Insgesamt stehen den Medizinern der Gruppe zehn Apparate zur Verfügung. "Keiner der Ärzte könnte sich alleine so ein Spektrum leisten", sagt der Internist Dr. Karl-Wilhelm Klingler, einer der Initiatoren des Zentrums. Bevor sich die Ärzte für die jetzt vorhandenen Geräte entschieden haben, ließen sie vom Kölner Beratungsunternehmen Frielingsdorf eine Marktanalyse erstellen, um herauszufinden, welche Angebote die Patienten annehmen würden und welche nicht.

Jedes Mitglied hat 5000 Euro investiert

Die in der IGeL-Praxis verfügbaren Geräte haben Anschaffungspreise zwischen 1000 Euro und einigen 10 000 Euro. "Wir haben die Geräte geleast", berichtet Klingler. Die einzelnen Gruppenmitglieder investierten etwa 5000 Euro in die IGeL-Praxis. Im Monat hat die Praxis einschließlich Miete und Ausgaben für zwei Arzthelferinnen Kosten von mehr als 15 000 Euro, über ein Drittel davon zahlen die Ärzte als Leasing-Gebühr für die Geräte.

Die Erlöse werden nach einem genau ausgetüftelten System zwischen dem Zentrum und den beteiligten Ärzten aufgeteilt. "Der entscheidende Punkt ist, daß die Patienten uns als Gruppe wahrnehmen", sagt Klingler. "Das Know-how jedes einzelnen Arztes wird für den Patienten nutzbar."

Einige Tausend Patienten haben bislang das Zentrum genutzt, die Ärzte haben zum Beispiel mehr als 1400 Knochendichtemessungen vorgenommen. "Wir hatten erwartet, daß die Patienten mehr Naturheilverfahren nachfragen würden", sagt der Zentrums-Mitinitiator.

Stattdessen haben sie aber mehr gerätegestützte Behandlungen als erwartet in Anspruch genommen. Außer der Knochendichtemessung werden die Stoßwellentherapie und die Magnetfeldtherapie sowie die Gewichtsreduzierungs-Programme, die von einem Gerät zur Körperfettmessung per Bioimpedenzanalyse unterstützt werden, besonders häufig in Anspruch genommen.

Jetzt erwägen die Kooperationspartner die Anschaffung weiterer Apparate, etwa eines Lasergeräts für medizinisch-kosmetische Anwendungen und eines Video-Dermatoskops zur Früherkennung des Hautkrebses.

Für die Vertragsärzte ist selbstverständlich, daß sie sich nicht nur für die Regelversorgung, sondern auch im Selbstzahlerbereich regelmäßig fortbilden. "Die ständige Know-how-Verbesserung ist das Entscheidende für den Arzt", betont Karl-Wilhelm Klingler. Bei den alle sechs Wochen stattfindenden Versammlungen der AGiLA-Ärzte bilden sich die Mediziner gemeinsam in IGeL-Fragen fort.

Auch auf der weltgrößten Medizinmesse, der Medica 2005, sind Selbstzahlerleistungen ein Thema. In den Ausstellungshallen auf dem Messegelände in Düsseldorf stellen viele Unternehmen ihre Produkte für gerätegestützte Selbstzahler-Leistungen vor. Geeignet für Gerätegemeinschaften im Selbstzahler-Bereich sind zum Beispiel Apparate für die Magnetfeld-, Stoßwellen,- Sauerstoff- oder Colonhydrotherapie und die Knochendichtemessung.

"Alles, was mit teuren Geräten zu tun hat, gehört in die Gruppe", sagt Ärzteberater Oliver Frielingsdorf. Ein Apparat zur Knochendichtemessung kostet bis zu 60 000 Euro. Für einen einzelnen Arzt ist das eine enorme Investition.

Apparategemeinschaften sind derzeit en vogue

Frielingsdorf beobachtet einen Trend hin zu ärztlichen Apparategemeinschaften. Im westfälischen Bünde zum Beispiel hat das Ärztenetz Medizin und Mehr eine IGeL-Praxis eingerichtet, in Duisburg und in Wesseling bei Köln planen Ärzte ein gemeinsames Selbstzahler-Zentrum.

Gerade in ländlichen Gebieten ist nach Frielingsdorfs Auffassung die Bildung von IGeL-Gerätegemeinschaften sinnvoll. Denn hier lohnt sich die Anschaffung eines Apparates für einen einzelnen Arzt eher selten. Das ist bei Ärzten, die in Städten praktizieren, möglicherweise anders. Längere Wege sind auf dem Land bei Selbstzahlerleistungen kein großes Problem, denn die Behandlungen sind planbar.

Bei der Medica vom 16. bis 19. November in Düsseldorf finden Ärzte, die sich für Selbstzahlerleistungen interessieren, viele Informationen. Seminare beim Medica-Kongreß:

Mittwoch, 16. November, 14.30 - 17.30 Uhr, CCD-Pavillon, 1. OG, Raum 19: IGeL- "Verkaufstraining" für Ärzte, Referent: Werner M. Lamers

Samstag, 19. November, 14.30 - 17.30 Uhr, CCD-Pavillon, 1. OG, Raum 19: Sicher und erfolgreich zur IGeL-Praxis: Kriterien und praktische Umsetzung für niedergelassene Ärztinnen / Ärzte und ihre Teams, Referent: Dr. Bernhard Kleinken

Jetzt neu: Starke Tips rund um seriöse IGeL

"IGeL plus" ist wieder da: Soeben ist die neue Ausgabe des Abo-Magazins für erfolgreiche Praxisteams aus dem Verlag der "Ärzte Zeitung" erschienen. Auch diese Ausgabe ist vollgepackt mit Tips von Kollegen, die erfolgreich igeln. Und diese Tips sind sofort umsetzbar.

Ein Schwerpunkt ist diesmal die Fortbildung für Praxischefs und Arzthelferinnen. IGeL-Klienten sind besonders anspruchsvoll, dieser Herausforderung muß sich das ganze Praxisteam stellen. Deshalb ist es unerläßlich, sich ständig auf dem laufenden zu halten - und zwar zu medizinischen, aber auch zu organisatorischen und rechtlichen Themen.

Erfahrene Experten geben Tips, wie man bei den Fortbildungsangeboten die Spreu vom Weizen trennt Urologe Dr. Heribert Schorn aus Göttingen ist ein erfolgreicher IGeL-Arzt.

Neue Patienten, die durchaus auch eine Anreise von mehr als 100 Kilometern auf sich nehmen, gewinnt er vor allem dadurch, daß er seit der Niederlassung das Internet aktiv und kreativ für sein Praxismarketing nutzt. In der aktuellen Ausgabe von "IGeL plus" verrät Schorn, wie er dabei im Detail vorgeht.

In der neuen Folge der "IGeL-Akademie" geht es um die Gestaltung von Arztpraxen. Immer mehr Patienten legen Wert auf ein gepflegtes Ambiente. Kollegen berichten, wie Sie auf diese Herausforderung erfolgreich reagiert haben!

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Telefon: 0 61 02 / 506 148
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