Ärzte Zeitung, 28.10.2008

Labordiagnostik kompakt - online für Ärzte und Patienten

Die Labormedizin bietet eine unüberschaubare Fülle an diagnostischen Möglichkeiten. Wer sich über Neues informieren will, wird bei der Medica fündig. Einen Überblick gibt es auf einem Online-Portal.

Von Petra Spielberg

Laboruntersuchungen spielen bei rund 70 Prozent aller klinischen Diagnosen eine maßgebliche Rolle, so der Verband der Diagnostikaindustrie (VDGH). Die Palette reicht von einfachen Bluttests über den Nachweis von spezifischen Infektionserregern bis hin zu Untersuchungen von Risikogenen für Krankheitsbilder.

Und die Entwicklung schreitet stetig voran. Die Zukunft der Labormedizin liegt in der vorbeugenden Diagnostik. So arbeitet die Labormedizin daran, Tests zu entwickeln, mit denen sich das individuelle Risiko bestimmen lässt, an Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Osteoporose oder Diabetes zu erkranken.

Einen Überblick über die aktuellen Trends in der Laboratoriumsdiagnostik können sich Ärzte auf der 40. Medica vom 19. bis 22. November in Düsseldorf verschaffen. Denn die Labortechnik bildet neben vielen anderen Medizinthemen einen der Angebotsschwerpunkte der weltgrößten medizinischen Fachmesse mit rund 4300 Ausstellern aus 65 Nationen.

Die gründliche Aufklärung ist ein Muss für Ärzte

Damit Labortests auch wirklich sinnvoll eingesetzt werden, ist eine gründliche Aufklärung der Patienten über Stärken und Schwächen einzelner Methoden erforderlich. Gleiches gilt für den Umgang mit Ergebnissen.

Mitunter ist es selbst für Ärzte schwierig zu entscheiden, welche Tests sinnvoll sind und welche nicht. Viele Ärzte, auch in Kliniken, setzten die Labordiagnostik oft nicht richtig ein, so die Laboratoriumsmedizinerin Professor Dr. Mariam Klouche aus Bremen. Klouche leitet die Redaktion von www.labtestsonline.de, einem Webportal für Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen und für Patienten. Der Dienst, der im vergangenen Jahr an den Start ging und sich seitdem weiterentwickelt hat, informiert über Labortests, Laborwerte, diverse Krankheitsbilder sowie sinnvolle Vorsorgemaßnahmen. Die Liste der Laboruntersuchungen umfasst aktuell mehr als 100 Tests. Ein umfangreiches Lexikon mit 531 Fachbegriffen von A wie AB0-Blutgruppe bis Z wie Zytologie liefert ergänzende allgemeinverständliche medizinische Informationen. Ärzten bietet das Recherchesystem zudem die Möglichkeit, sich über die erforderlichen Transportbedingungen von Labormaterial zu informieren. Auch liefert der Dienst Hinweise zur Beurteilung und Bewertung von Laborparametern.

Der Dienst ist Teil eines europäischen Kooperationsprojektes, das derzeit in sechs Sprachen zur Verfügung steht. Verantwortlich für die Inhalte des deutschen Auftritts sind die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und der VDGH. Letzterer stellt auch die Finanzierung des Internetangebots sicher. Das Portal soll Klouche zufolge dazu beitragen, Fehler bei den Laboranforderungen zu vermeiden und die Abläufe in der Laboratoriumsdiagnostik verständlicher machen. Die Inhalte der Webseite sind frei zugänglich.

Derzeit gehen nach Angaben des VDGH knapp drei Prozent aller Ausgaben der GKV auf das Konto der Laboratoriumsmedizin, so der Geschäftsführer des VDGH, Dierk Meyer-Lüerßen. Hinzu kommen Laborleistungen, die Patienten aus eigener Tasche bezahlen.

Laborleistungen gehören zu den beliebtesten IGeL

Neben der Gerätemedizin, allen voran der Sonographie, reisemedizinischen Leistungen und der Akupunktur gehören labormedizinische Angebote zu den beliebtesten IGeL. Typische Labor-IGeL sind HIV-Tests, die Bestimmung der Blutgruppe, der Nachweis von Impfschutztitern, die Abklärung des Risikos, an Osteoporose, Thrombose oder Arteriosklerose zu erkranken, die Labordiagnostik nach einem Zeckenbiss, sowie PSA- und Schwangerschaftstests.

Die Branche setzte 2005 nach eigenen Angaben europaweit etwa 9,4 Milliarden Euro um. Das entspricht einem Plus von 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Den Anteil Deutschlands am Gesamtumsatz in Europa gibt der VDGH mit 20 Prozent an.

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