Ärzte Zeitung, 11.12.2009

U 25: Junge Männer in die Praxen!

Von Sabine Schiner

Die Gesundheit junger Männer hat die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGM) sich vorgenommen. Auf dem Jahreskongress in Bad Homburg stellte sie ihr neues Vorsorgeprogramm U 25 vor - bei den mehr als 160 Kongressteilnehmern kam das Angebot sehr gut an.

BAD HOMBURG. Das Selbstzahlerangebot "Starke Männer sorgen vor" ist von der DGM entwickelt worden, um bei Männern die diagnostische Lücke vom 18. bis zum 35. Lebensjahr zu schließen. Es soll zudem helfen, das Gesundheitsbewusstsein der Männer bereits im jungen Alter zu schärfen. "Die Weichen für viele Krankheiten werden in jungen Jahren gelegt", so Professor Theodor Klotz vom DGM-Vorstand. Das Programm eignet sich für Hausärzte, Internisten, Urologen und Ärzte anderer Fachgruppen. Zum Check-up gehören eine gründliche Anamnese zu Ernährung, Bewegung, Sexualität, Medikamenten, Genussmitteln und Drogen. Hinzu kommen körperliche Untersuchungen und verschiedene Scores wie Procam. Die Kosten der Basisuntersuchung betragen knapp 100 Euro.

"Ich hoffe, dass mit dem neuen Programm eine Patientenbindung in einer Altersklasse erreicht wird, die Ärzte momentan noch nicht als ihre Ansprechpartner sehen", sagte der Göttinger Urologe und Androloge Dr. Heribert Schorn. Und auch sein Kollege, der Internist Wolfgang Grebe, sieht in dem neuen Programm eine Möglichkeit, die Prävention in Deutschland zu verbessern. Seiner Meinung nach kommt das Angebot genau zum richtigen Zeitpunkt: "Die Motivation, seriös zu igeln, nimmt zu." Grebe bietet in seiner Praxis in Frankenberg seit einem Jahr einen Basis-Check für Männer auf Grundlage der U 25 an - und hat damit nur gute Erfahrungen gemacht. "Durch die U 25 hoffe ich, dass der Spaß wieder in die Praxen kommt", so Grebe, "dass unser Image als Ärzte steigt und dass wir einen Kompetenzgewinn verbuchen können."

Lob für das neue Programm kam nicht nur von den IGeL-Experten auf dem Podium, sondern auch von den Kongressteilnehmern. "Ich versuche seit Jahren junge Männer zur Vorsorge zu motivieren - und das klappt auch", sagte etwa Claus-Jürgen Zeitner, Facharzt für Allgemeinmedizin in Schrobenhausen bei Ingolstadt, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Die U 25 passe zu seinem Praxisprofil. Zeitner führt zusammen mit drei Kollegen ein hausärztliches Kompetenzzentrum und bietet seit vielen Jahren Selbstzahlerangebote an. "Es kann nicht Aufgabe der GKV sein, alle Vorsorgeleistungen auf Krankenschein zu bezahlen. Das ist nicht finanzierbar", beschreibt er seine Motivation, warum er IGeL im Angebot hat.

"Mir ist wichtig, dass Männer zu einem Zeitpunkt für einen Checkup in meine Praxis kommen, wenn es ihnen gesundheitlich noch gut geht und sie von meinen Ratschlägen für eine gesündere Lebensführung profitieren können - die U 25 kann mir dabei helfen", sagte Dr. Stefan Lohmann, Urologe und Männerarzt aus Hamburg. Er sieht sich in der Rolle eines Gesundheitscoachs - und er hat sich auch schon Gedanken gemacht, wie er in seiner Praxis jungen Männern die Prävention ans Herz legen will. "Das geht über die Väter", so Lohmann. Es komme öfters vor, dass ihn seine älteren Patienten fragten, ob sie ihre Söhne nicht mal zu einem Check-up vorbeischicken können. "Ich erkläre ihnen dann, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen und welche Selbstzahlerangebote ich für sinnvoll halte."

"Man kann auch Müttern einen Gutschein für eine U 25 anbieten - damit sie ihn ihren Söhnen schenken können", sagte Schorn. Um bei Männern die Hemmschwelle zu senken, habe es sich zudem bewährt, ihnen einen besonderen Service zu bieten. Bei Grebe gibt es beispielsweise regelmäßig spezielle IGeL-Sprechstunden - und zwar außerhalb der regulären Sprechzeiten.

Um den Aufenthalt im Wartezimmer angenehmer zu machen, gibt es ein Frühstücksbuffet samt Espresso-Bar. Und: "Laborergebnisse liegen bei mir immer zum Abschluss eines Patientengespräches vor - das bedarf allerdings der genauen Absprache mit den Labormitarbeitern." Sein Fazit: "All das lohnt sich."

Die DGM bietet zum Preis von 25 Euro für Mitglieder, 50 Euro für Nicht-Mitglieder einen speziellen Ordner an, der Vordrucke und Unterlagen zur "U 25" enthält, dazu gehören Anamnese- und Diagnosebögen, eine Abrechnungsübersicht, Gesundheitspässe und Patientenflyer. Weitere Informationen gibt es unter www.mann-und-gesundheit.com oder per Telefon unter 06172/9661-31

Männerschicksale gesucht

Auf der Suche nach Männerschicksalen ist die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGM). "Welchen Belastungen sind Männer im Alltag ausgesetzt und welche gesundheitlichen Auswirkungen hat dies - dem wollen wir nachspüren", sagt Professor Theodor Klotz, zweiter Vorsitzende der DGM. Er hat auf dem Jahreskongress der Gesellschaft in Bad Homburg niedergelassene Ärzte und Klinikärzte dazu aufgefordert, ihre Beobachtungen und Fallberichte formlos, anonymisiert und per Mail an die DGM zu schicken, die die Geschichten für ein Buchprojekt sammelt. "Das kann die Geschichte eines verletzten Bundeswehrsoldaten sein oder die Geschichte eines Mannes, der an einer frühen Demenz erkrankt ist", sagt Klotz, der Chefarzt an der Klinik für Urologie am Klinikum Weiden ist. Bei dem Projekt "Männerschicksale" versuche die DGM zudem herauszufinden, welche Angebote im Gesundheitsbereich an der Lebenswirklichkeit von Männern vorbei gehen und welche Benachteiligungen es bei der gesundheitlichen Behandlung von Männern es gibt.Klotz ist Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Weiden. , weist darauf hin, dass Männer das kränkere Geschlecht sind. "Männer sterben im Schnitt 6,5 Jahre eher als Frauen und sie begehen viermal öfter Suizid. "Das ist ein Unterschied, der in Deutschland nicht thematisiert wird", so Klotz. Das Buch solle einen Beitrag zur Aufklärung leisten. (ine)

Die Beiträge können geschickt werden an: schicksale@maennergesundheitsbericht.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »