Ärzte Zeitung, 17.03.2015

Kolon-Ca

Vorsorgen ja, aber nicht immer beim Arzt

Nur neun Prozent der Deutschen sehen unter allen onkologischen Erkrankungen den Darmkrebs als größte persönliche Bedrohung an. 86 Prozent betreiben aber trotzdem aktiv Prävention. Dies geht aber über medizinische Angebote hinaus.

Von Matthias Wallenfels

Vorsorgen ja, aber nicht immer beim Arzt

Gesunde Ernährung zur Krebsprävention, darauf setzt fast jeder zweite Deutsche.

© Minerva Studio/fotolia.com

HAMBURG. Krebs ist für Deutsche ein Schreckgespenst. Nur drei Prozent der Menschen hierzulande haben keine Angst davor, ein onkologischer Patient zu werden.

Wie eine nach eigenen Angaben bevölkerungsrepräsentative Online-Umfrage unter Erwachsenen des Meinungsforschungsinstituts Toluma im Auftrag des Medizintechnikunternehmens Pentax Medical anlässlich des Darmkrebsmonats März ergeben hat, haben 97 Prozent der Deutschen Angst vor Krebs.

Dabei offenbarte sich aber, dass mit neun Prozent - bei der Frage, vor welcher Krebsform am meisten Angst bestehe, waren nur Einfachnennungen erlaubt - nur jeder Elfte im Kolon-Ca sein Hauptschreckensbild hat. Dieses belegt somit unter allen Krebsarten Platz fünf.

Das individuell größte Bedrohungspotenzial sehen mit 19 Prozent - und damit jeder Fünfte - beim Lungenkrebs. Ob dies mit den öffentlichen Präventionsbemühungen wie Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln etc. zu tun hat, ist unklar, da dies nicht Gegenstand der Untersuchung war.

Pankreas-Ca auf Platz zwei

Mit 18 Prozent am zweithäufigsten unter den Deutschen gefürchtet von den verschiedenen Krebsarten ist das Pankreas-Ca, gefolgt von der Leukämie mit 16 Prozent auf Rang drei und Mamma-Ca mit 14 Prozent auf Platz vier. Darmkrebs folgt mit neun Prozent auf Platz 5.

Auf Platz 6 folgt mit sechs Prozent das geschlechtsspezifische Prostata-Ca, die Plätze 7 und 8 belegen mit je fünf Prozent das Ösophagus-Ca und der Kehlkopfkrebs. Drei Prozent der Befragten gaben an, grundsätzlich vor allen Arten einer onkologischen Erkrankung Angst zu haben.

Mit Blick auf die in der Umfrage gezielt angesprochene Darmkrebsprävention lässt sich rund jeder sechste Deutsche als Vorsorgemuffel charakterisieren. Denn 16 Prozent der Teilnehmer gaben auf eine breit gestreute Palette von Vorsorgeoptionen an, keinerlei solche Maßnahmen zu ergreifen.

Auf der anderen Seite bemühen sich immerhin 84 Prozent um eine persönliche Kolon-Ca-Vorsorge, obwohl nur jeder Elfte diese onkologische Erkrankung als Hauptbedrohung unter den Krebsarten ansieht.

Inwieweit dies auf die seit mehr als einem Jahrzehnt im Rahmen des Darmkrebsmonats März - dieser feierte 2002 Premiere - forcierte Sensibilisierung der Öffentlichkeit zurückzuführen ist, lässt sich nicht beziffern, da dies nicht abgefragt wurde.

Haupthoffnungsträger Ernährung

Mit 47 Prozent gab knapp jeder zweite Umfrageteilnehmer - Mehrfachnennungen waren möglich - an, auf eine gesunde Ernährung zu setzen, um sich vor Darmkrebs zu schützen.

37 Prozent setzen auf einen Rauchverzicht, 33 Prozent auf Einschränkungen beim Alkoholkonsum und/oder einer Gewichtskontrolle respektive das Vermeiden von Übergewicht. Sport nennen 31 Prozent als Vorsorgemaßnahme.

An dritter Stelle steht mit 34 Prozent der allgemeine medizinische Check-up zur Vorsorge. Mit 22 Prozent steht der Stuhltest einer Koloskopie in der Beliebtheitsskala nach, für die sich 24 Prozent entscheiden.

Dies kann durchaus mit einer aktuellen Analyse des Zentralinstitutes für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) korrelieren, auf die die KBV vor Kurzem verwiesen hat.

Die Zi-Analyse ergab laut KBV, dass die präventive Koloskopie, die es seit dem Jahr 2002 gibt, bis zum Jahr 2013 nur von etwa 5,4 Millionen anspruchsberechtigten Versicherten in Anspruch genommen wurde.

Dies entspreche einer über alle Jahre seit Einführung des Angebotes kumulierten Teilnahmerate von 20,8 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen. Die Teilnahmerate bei Privatversicherten ist hier noch nicht berücksichtigt.

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