Ärzte Zeitung, 05.08.2015

Ästhetisch-plastische Chirurgie

Schönheits-Op steht weiter hoch im Kurs

Ob chirurgisch oder nicht: Patienten weltweit setzen auf kosmetische Behandlungen. Die Zahl der ästhetisch-plastischen Chirurgen mit Facharztqualifikation steigt. Eine Bilanz zu Brustvergrößerung, Fettabsaugung & Co.

Von Matthias Wallenfels

 Schönheits-OPs stehen weiter hoch im Kurs

Die Liposuktion war 2014 bei Frauen weltweit der am zweithäufigsten nachgefragte ästhetisch-chirurgische Eingriff.

© Uwe Anspach / dpa

NEU-ISENBURG. Sinkt die weltweite Nachfrage nach kosmetischen Eingriffen? Im vergangenen Jahr sind nach Berechnungen der nach eigenen Angaben führenden internationalen Vereinigung ästhetisch-plastischer Chirurgen mit Facharztzulassung, der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS), rund um den Globus mehr als 20 Millionen chirurgische und nichtchirurgische kosmetische Eingriffe vorgenommen worden.

Die Daten und die daraus statistisch berechneten Werte basieren auf Angaben von 1391 Mitgliedern der ISAPS sowie Auskünften von jeweils nationalen Facharztverbänden der ästhetisch-plastischen Chirurgen.

Für 2013 verzeichnete die Facharztvereinigung noch 23 Millionen chirurgische und nichtchirurgische kosmetische Eingriffe weltweit und prognostizierte einen weiteren Anstieg.

Da die Daten erstmals für das Jahr 2010 (14 Millionen Eingriffe) berechnet wurden, scheint eine fundierte Prognose zur weiteren Nachfrageentwicklung ästhetisch-plastischer Facharztleistungen noch nicht möglich.

USA bleibt El Dorado der Schönheitschirurgie

Für 2014 schätzt die ISAPS die Zahl der weltweit tätigen, qualifizierten ästhetisch-plastischen Chirurgen auf rund 40.000. Somit wären binnen eines Jahres 7000 hinzugekommen, da die Zahl für 2013 mit 33.000 angegeben wurde.

Unverändert belegen die USA den Spitzenplatz sowohl mit 6300 bei der Zahl der Schönheitschirurgen (2013: 6133) als auch bei der Zahl der Eingriffe, die mit vier Millionen nahezu konstant blieb. An zweiter Stelle bei beiden Kennziffern behauptet sich wie im Vorjahr Brasilien.

Bei der Zahl der ästhetisch-plastischen Chirurgen blieben die Plätze drei bis zehn unverändert: China, Japan, Indien, Südkorea, Russland, Mexiko, Türkei und Deutschland.

Bei der Zahl der Eingriffe verdrängte Japan Mexiko vom dritten Platz und Südkorea Deutschland von Rang vier. Mexiko folgt nun statt Spanien an fünfter Stelle vor Deutschland, das Kolumbien vom sechsten Platz verdrängt hat.

Der Aufstieg Südkoreas und Mexikos spiegelt indes eine Tendenz des globalen Medizintourismus wider: Gerade diese beiden Länder erfahren von ihren Landesregierungen massive Unterstützung in der Anwerbung ausländischer Patienten. Ein Schwerpunkt der im Vergleich zu den USA sehr preisgünstigen Eingriffe liegt dabei explizit auf ästhetisch-plastischen Eingriffen.

Auch Deutschland profitiert vom Medizintourismus. Ausschlaggebend ist hier nicht der Preis, sondern die medizinische Kompetenz. So kam einer Mitgliederbefragung der Vereinigung Deutscher Ästhetisch-Plastischer Chirurgen (VDÄPC) zufolge im Jahr 2013 jeder 20. Patient aus dem Ausland für eine Schönheits-Op in die Praxis oder Klinik.

Wie aus der ISAPS-Statistik für 2014 hervorgeht, war die Blepharoplastik mit über 1,4 Millionen Operationen weltweit der am häufigsten nachgefragte chirurgisch-kosmetische Eingriff, gefolgt von der Liposuktion, der Brustaugmentation, der Liposkulptur sowie der Rhinoplastik.

Mit 4,8 Millionen Anwendungen stand die Behandlung mit Botulinumtoxin an erster Stelle der nichtchirurgischen, kosmetischen Leistungen, gefolgt von der Behandlung mit Hyaluronsäure. Auf Rang drei folgt die Haarentfernung vor dem chemischen Peeling und dem Laser Skin Resurfacing.

Männer haben es mit dem Auge, Frauen mit der Brust

Frauen dominierten mit über 17 Millionen kosmetischen Eingriffen eindeutig das Geschehen in puncto weltweiter ästhetisch-plastischer Behandlung. Nummer eins der Schönheits-Ops war bei ihnen die Brustaugmentation, gefolgt von der Liposuktion, der Blepharoplastik, der Liposkulptur und der Abdominalplastik.

Bei männlichen Patienten hingegen stand die Blepharoplastik an erster Stelle der gewünschten Eingriffe, auf Rang zwei gefolgt von der Rhinoplastik. Platz drei nahm die Liposuktion ein vor der Gynäkomastie-Op sowie der Liposkulptur.

Schönheits-Op sind überwiegend Selbstzahlerleistungen. Die Kasse muss in Einzelfällen zahlen, wenn eine eindeutige medizinische Indikation und eine entsprechende psychologische Begutachtung vorliegen.

Als Triebfeder für einen ästhetisch-plastischen Eingriff hat vor Kurzem eine Patientenzufriedenheitsstudie der Medical One AG, einer nach eigenem Bekunden führenden Klinikgruppe für plastische und ästhetische Medizin in Deutschland, zwei Hauptgründe ausgemacht: Sich wohler in der eigenen Haut zu fühlen oder einen lang empfundenen Schönheitsfehler zu beseitigen.

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Medizintourismus: Globaler Verteilungskampf

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