Ärzte Zeitung, 11.12.2015

Fahrtauglichkeit

Hausärzte sehen Senioren sensibilisiert

In immer mehr Hausarztpraxen finden Gespräche mit Senioren über deren Fahrtauglichkeit im Straßenverkehr statt. Doch gibt es bei entsprechenden Checks noch viel Potenzial zur Optimierung.

Von Matthias Wallenfels

Hausärzte sehen Senioren sensibilisiert

Hat dieser Senior beim Hausarzt einen Gesundheits-Check zur Fahrtauglichkeit gemacht?

© Doc RaBe / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Fast zwei Drittel der Hausärzte (64 Prozent) finden Gesundheits-Checks für ältere Fahrzeuglenker sehr wichtig, vor drei Jahren waren es gerade einmal 48 Prozent. Das geht aus einer Online-Umfrage von TNS Emnid unter 500 Hausärzten hervor.

Rückenwind bekommen sie dabei von zwei Seiten. So macht sich der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) schon seit langem für die Einführung eines verpflichtenden, regelmäßigen - und altersunabhängigen - Wiederholungssehtestes für alle Inhaber eines Führerscheins stark.

Vor Kurzem verlautete aus den Reihen des ADAC, in der Öffentlichkeit verstärkt auf die Bedeutung guten Sehens im Straßenverkehr hinzuweisen.

Vor drei Jahren hatte der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vorgeschlagen, die Hausärzte über die Fahrtauglichkeit von Senioren entscheiden zu assen.

Regelmäßige Gespräche in Praxen

Nach eigenem Bekunden führen 17 Prozent der befragten Hausärzte täglich Patientengespräche zum Thema Gesundheit am Steuer, 43 Prozent geben an, dies wöchentlich zu tun, 25 Prozent mindestens einmal im Monat.

Bei Zweifel an der Fahreignung raten demnach 44 Prozent der Hausärzte ihren Patienten, ein verkehrspsychologisches oder verkehrsmedizinisches Beratungsgespräch bei einer Fachorganisation wie dem TÜV zu vereinbaren - 2012 taten dies nur 32 Prozent.

78 Prozent raten betroffenen Patienten, sich nicht mehr selbst hinter das Steuer zu setzen.

Wie es aussieht, herrschen in vielen Hausarztpraxen Informationsdefizite in puncto Gesundheits-Checks für Autofahrer vor. So fühlen sich 57 Prozent der Hausärzte diesbezüglich nicht richtig informiert. Mit 32 Prozent fühlt sich nur ein Drittel fit für den Senioren-Fahrtauglichkeits-Check.

91 Prozent würden sich für die Festlegung der Inhalte eines freiwilligen Gesundheits-Checks erwärmen können, damit dieser in den GKV-Leistungskatalog Einzug halten könnte.

Gefragt nach den möglichen Motiven für die Nichtinanspruchnahme der Gesundheits-Checks durch die Patienten, vermuten 79 Prozent der Hausärzte, dass diese Angst hätten, sie könnten ihren Führerschein verlieren.

65 Prozent gehen davon aus, dass die betroffenen Patienten ihre Fahrtüchtigkeit überschätzen. Immerhin 33 Prozent vermuten, dass potenzielle Kandidaten schlicht nicht wissen, dass es solche Checks gibt. 26 Prozent spekulieren, dass es an der Motivation mangele.

Ärzte sehen Kassen am Zug

Um eine höhere Inanspruchnahmerate der Fahrtauglichkeits-Checks bei Senioren zu erreichen, wären aus Sicht der Hausärzte mehrere Optionen denkbar. Für 52 Prozent wären Anreizsysteme von Krankenkassen ein probates Mittel.

64 Prozent sehen neben den Kassen auch sich oder Apotheker in der Pflicht, Patienten auf diepotenziellen Gefahren einer nachlassenden Fahrtüchtigkeit hinzuweisen. Ebenso viele würden auf Infos in Praxen und Apotheken setzen.

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