Ärzte Zeitung, 10.09.2015

"Dr. Google"

Hitliste der 50 meistgesuchten Krankheiten

Patienten stöbern gerne im Internet nach Informationen über ihre Krankheiten. Mehr als 40 Millionen Suchanfragen in einem Jahr verzeichnete Google zu 50 Indikationen. Welche Krankheitsbilder am häufigsten gesucht wurden, zeigt eine aktuelle Studie.

Von Matthias Wallenfels

Hitliste der 50 meistgesuchten Krankheiten

Beim Internetsuchdienst Google ist im Beobachtungszeitraum am häufigsten nach Schilddrüsenvergrößerungen gesucht worden.

© gmutlu / iStock

KÖLN. Das Internet wird - neben den behandelnden Ärzten - für immer mehr Patienten ein wichtiger Begleiter ihrer Krankengeschichte. Rund 80 Prozent der knapp 40 Millionen Internetnutzer in Deutschland sucht im Web nach Gesundheitsthemen.

Allein die weltweit größte Suchmaschine Google verzeichnete im Zeitraum November 2013 bis Oktober 2014 zu 50 definierten Krankheitsbildern mehr als 41 Millionen Suchanfragen aus Deutschland.

Spitzenreiter war dabei das Struma mit durchschnittlich 294.000 Suchen pro Monat. Auf Rang zwei und drei folgen die Volkskrankheiten Diabetes (140.220 Suchen pro Monat) und Hämorrhoiden (127.400).

Das geht aus der aktuellen Studie "Praxis Dr. Internet" des privaten Krankenversicherers Central Krankenversicherung hervor, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Die Studie fußt laut Central auf der Analyse der oben genannten 41 Millionen Google-Suchen.

Diagnosestatistiken als Basis

Die Top-50-Krankheitssuchbegriffe Deutschland bei Google

01. Schilddrüsenvergrößerung (Struma): 294.690

02. Diabetes: 140.220

03. Hämorrhoiden: 127.400

04. Magenschleimhautentzündung: 118.740

05. Magersucht: 109.020

06. Neurodermitis: 107.240

07. ADHS: 103.720

08. Depression: 102.430

09. Durchfall: 99.270

10. Bluthochdruck: 96.470

11. Kopfschmerzen: 96.460

12. Rheuma: 93.110

13. Schlafstörungen: 91.220

14. Bandscheibenvorfall: 90.930

15. Fettstoffwechselstörung: 89.920

16. Darmkrebs: 89.890

17. HIV: 88.650

18. Angststörung: 87.330

19. Rückenschmerzen: 80.520

20. Hepatitis B: 78.540

21. Koronare Herzkrankheit: 76.590

22. Burn-out: 73.900

23. Wechseljahrbeschwerden: 73.570

24. Akne: 72.630

25. Schwindel: 72.260

26. Haarausfall: 71.300

27. Chronische Bronchitis: 70.050

28. Schnupfen: 58.750

29. Demenz: 57.360

30. Übergewicht: 54.400

31. Schwerhörigkeit: 51.460

32. Grüner Star: 50.050

33. Brustkrebs: 45.600

34. Inkontinenz: 39.330

35. Niereninsuffizienz: 37.790

36. Kurz- und Weitsichtigkeit: 34.750

37. Krampfadern: 34.030

38. Prostatakrebs: 32.340

39. Degenerative Veränderung der Wirbel: 31.690

40. Nicht oder nur teilweise durchgebrochene Zähne: 28.550

41. Heuschnupfen: 27.430

42. Divertikulose: 27.070

43. Häufiges Wasserlassen: 23.800

44. Erektionsstörung: 23.120

45. Asthma: 21.490

46. Bauch- und Beckenschmerzen: 21.460

47. Muttermal: 19.990

48. Prostatavergrößerung: 19.500

49. Übermäßiges Schwitzen: 14.510

50. Psychosomatische Erkrankungen: 11.720

Basis der Erhebung sei eine Auflistung von Krankheiten, die auf Grundlage öffentlicher Diagnosestatistiken Kassenärztlicher Vereinigungen sowie der Expertise eines Ärzteteams der Central erstellt worden sei.

Diese umfasse insgesamt 50 Krankheiten, darunter 36 der am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen Deutschlands sowie die nach Ansicht des Ärzteteams der Central 14 wichtigsten tabuisierten Krankheiten.

Letztere führten seltener zum Arztbesuch - aus Sicht der Assekuranz entweder aus Schamgefühl oder weil sie für den Betroffenen zwar störend sind, im Allgemeinen jedoch als Nichtigkeit gelten. Deshalb tauchten diese Erkrankungen entsprechend nachrangig in den Diagnosestatistiken auf.

Um möglichst das gesamte Suchvolumen zu jeder Krankheit dieses Katalogs zu erheben, seien Begriffscluster gebildet worden, die neben den Krankheitsbegriffen und Fachtermini auch Synonyme, alltagssprachliche Umschreibungen und weitere häufig verwendete Suchbegriffe enthalten.

Diese Suchbegriffe seien Wörter, die im medizinischen Kontext häufig bei Google-Suchen eingesetzt würden und gemeinsam mit den Krankheitsbegriffen und deren Synonymen gängige Begriffskombinationen, sogenannte Longtail-Keywords, bilden.

Zusätzlich seien anhand des durchschnittlichen Suchvolumens die 15 Zusatzwörter identifiziert worden, die in Zusammenhang mit Gesundheitsthemen am häufigsten bei Google verwendet würden.

Hierzu gehörten unter anderem Begriffe wie "Arzt", "Symptome", "Therapie", "Ursachen", aber auch "Ernährung" und "Prävention". Infolgedessen sei für jede Indikation ein relevantes Cluster aus Begriffen und Begriffskombinationen zusammengestellt worden.

Ratgeberseiten mit Defiziten

Einen zweiten Schwerpunkt setzte die Central in ihrer Studie auf die qualitative Bewertung von medizinischen Ratgeber-Websites. Ergebnis: Mit 33 Prozent schnitt knapp ein Drittel der 100 untersuchten Websites - in Schulnoten abgebildet - mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab.

Als Durchschnittsnote erreichten die Online-Ratgeber laut Central eine "4+" und damit gerade einmal ein ausreichendes Resultat. Kein Angebot erzielte die Note "sehr gut", nur neun Online-Ratgeber wurden mit "gut" bewertet.

Für die Website-Analyse wurden für die zehn am häufigsten bei Google gesuchten Krankheiten zunächst jener Suchbegriff eines Begriffsclusters identifiziert, der das höchste singuläre Suchvolumen aufwies.

Mittels dieses Suchbegriffs wurden die ersten zehn Treffer bei der Suchmaschine Google identifiziert, die keine werblichen Inhalte waren und Ratgeberinformationen für Betroffene oder Angehörige beinhalten. Ausgeschlossen worden seien Treffer ohne Ratgeberinformationen, wie zum Beispiel redaktionelle Beiträge oder Produktinformationen.

Dabei flossen aber neben Gesundheitsportalen auch Ratgeberinformationen von Unternehmen, institutionellen Einrichtungen und Verbänden in die Bewertung ein.

Da die Suchergebnisse vom individuellen Suchverhalten eines Nutzers beeinflusst würden, sei außerdem ein spezieller Modus im Browser ausgewählt worden, der die Ergebnisse frei von vorangegangenen Suchen darstelle.

Analysiert wurde laut Central auf jeder der 100 Websites der Haupttext zur jeweiligen Erkrankung, der sich am umfassendsten unter anderem mit dem Krankheitsbild auseinandersetzt und in der Regel Aspekte wie Definition, Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie, Prävention berücksichtigt.

Standards für Web-Ratgeber gefordert

Für Dr. Thomas Hormann, Leiter des Gesundheitsmanagements der Central, droht angesichts der durch die Studie bei den Ratgeberseiten aufgedeckten Defizite, dass Gesundheitssurfer auf Grundlage falscher Informationen selbst Diagnosen erstellen und sich schlimmstenfalls selbst behandeln.

"Bei Gesundheitsinformationen im Internet muss man im Sinne der Patientensicherheit akribisch und streng sein. Die meisten Angebote dagegen sind unvollständig, fehlerhaft und lassen den Suchenden oft ohne jegliche Einordnung zurück", so Hormann. Er spricht sich deshalb für verbindliche Standards für Gesundheitsinformationen im Netz aus.

[14.09.2015, 15:43:57]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Medizin ist im Gegensatz zu "Dr. Google" n i c h t digital, sondern analog!
Die medizinisch-ärztliche Welt der Krankheiten, der Anamnese, Untersuchung, Beratung, Differenzialdiagnostik und multidimensionalen Therapien ist analog und überhaupt n i c h t digital. Selbst digitale Palpationstechniken und Untersuchungen bedeuten ein rein analoges Vorgehen.

Unsere Kernkompetenz sind Zehntausende von Krankheits-Entitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlungen, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Asthma/COPD, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischer/diastolischer/pulmonaler Hypertonie, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Carotisstenosen, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten mit Komplikationen, Addison-Krisen, Thyreotoxikosen, Rheuma, Kollagenosen, endokrinen Störungen, Nierenversagen, Neuropathien, Systemerkrankungen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten, chronischen Schmerzen usw. usf.

"Dr. Google", "Dr. Internet", medizinische "Gesundheits"-(Krankheits-) Apps, E-Health, "E-Disease" und Telemedizin bzw. die gesamte Digitalisierung des Gesundheitswesens sind nur Hilfsmittel und notwendiges Accessoire.

Ablauf-, Prozess- und Ergebnisqualitäten in der Humanmedizin werden eher durch analoge Kommunikations-, Interaktions-, Kontemplations-, Empathie- und Reflexionsfähigkeit bzw. selbstkritische Wahrnehmungsfähigkeit bei Ärzten und Patienten definiert.

Digitalisierung der gesamten Medizin, Apps, Telemedizin-Anwendungen, E-Health-Gesetze ebenso wie Diagnostik-Tools im Internet als "Symptom-Checker", vgl. dazu "Evaluation of symptom checkers for self diagnosis and triage: audit study" im BMJ 2015; 351 doi:
http://dx.doi.org/10.1136/bmj.h3480
(Published 08 July 2015) Cite this as: BMJ 2015;351:h3480" von H. L. Semigran et al., berücksichtigen nicht mal unsere bewegungseingeschränkten, teilhabegeminderten, bio-psycho-sozial benachteiligten, EDV-fernen, älteren, multimorbiden Patientinnen und Patienten.

Ärztliche, psychotherapeutische, pflegerische und physiotherapeutische Professionen, deren Empathie- und therapeutisch interventionellen Fähigkeiten sind grundsätzlich analoger Natur.

"Durchs Telefon und durch die Hose - stellt man keine Diagnose. Nur per EDV ist viel zu ungenau"
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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