Ärzte Zeitung online, 30.11.2015

Internetsucht

Eltern geben oft keine Regeln

Videos, Online-Spiele, Chats: Kinder verbringen oft zu viel Zeit im Internet, zeigt eine neue Studie der DAK - mit Folgen für die Gesundheit.

Von Jana Kötter

NEU-ISENBURG. Intensive Computernutzung führt in vielen deutschen Familien zu Problemen - und gefährdet akut die Gesundheit vieler Kinder. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit.

22 Prozent der 12- bis 17-Jährigen fühlen sich laut den Ergebnissen ruhelos, launisch oder gereizt, wenn sie ihre Internetnutzung reduzieren sollen. Elf Prozent der befragten Jugendlichen haben bereits mehrfach erfolglos versucht, ihre Internetnutzung in den Griff zu bekommen.

"Die Befragung macht deutlich, dass Suchtgefährdung auch im Kinderzimmer besteht", erklärt Professor Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Für die Studie "Internetsucht im Kinderzimmer" der DAK-Gesundheit und des Zentrums befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Sommer 1000 Eltern in Deutschland.

"Die Daten deuten darauf hin, dass etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter krankhaften Folgen ihrer Internetnutzung leiden", so Thomasius.

Oftmals wenig Kontrolle durch Eltern

Ein Problem ist die mangelnde Kontrolle der Eltern: Rund die Hälfte der Väter und Mütter in Deutschland stellt ihren Kindern laut der Studie keine Regeln zur Internet-Nutzung auf.

In knapp jeder dritten Familie (32 Prozent) werde auch nicht festgelegt, welche Inhalte sie sich im Netz ansehen dürfen, ergab die Umfrage. Und auch wenn es Regeln zur Internetnutzung gab, so wurden diese nur von 42 Prozent der befragten Eltern auch "voll und ganz" umgesetzt.

Jedes vierte Kind im Alter zwischen 12 und 17 Jahren verbringt an einem Wochentag rund eine Stunde im Internet, bei 29 Prozent sind es zwei Stunden. Am Wochenende sei jeder Fünfte sechs Stunden oder länger im Netz. Bei rund der Hälfte der Eltern verbringt das Kind mehr Zeit online als es sich vorgenommen hatte.

Die populärsten Aktivitäten sind das Ansehen von Videos und Online-Spiele. Nach Einschätzung der Eltern verbringen jeweils rund 29 Prozent der Kinder damit mehr als die Hälfte ihrer Online-Zeit. Für 28 Prozent seien das Chats und Messenger.

[01.12.2015, 09:50:00]
Dr. Klaus Günterberg 
Wichtig. Aber nicht neu.
Die Zahlen sind überzeugend. Damit allein ändert man aber noch nichts. Vor allem aber erreicht man mit Statistiken weder Kinder noch Jugendliche. Die erreicht man, wenn überhaupt, nur mit Emotionen. Da empfehle ich allen Eltern ud Erziehern den neuen, modernen Struwwelpeter: "Der Cyber-Peter" (ISBN 9783944224-756), erschienen bereits 2013, in zweiter Auflage 2015. Dort sind die Sucht nach Handy, Computerspielen, die Folgen des Starrens auf den Bildschirm, von Bewegungsarmut und manche anderen Probleme unserer Zeit in lyrischer Form geschildert. Ein Buch zum Lesen und Vorlesen, gemacht für Kinder und Jugendliche: http://www.verlag-kern.de/unsere-bucher/der-cyber-peter/
Die Studie der DAK ist interessant. Es geht aber nicht um Diagnostik. Es geht vielmehr um Prophylaxe und Therapie.

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe
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