Ärzte Zeitung, 06.07.2016

"Facebook für Ärzte"

Soziales Netzwerk, speziell auf Ärzte zugeschnitten

Was hat mein Patient? Mit dem "Facebook für Ärzte" kann z. B. ein Hausarzt Internisten um Rat fragen und erhält Antworten – schnell und auf Wunsch anonym.

Von Kerstin Mitternacht

Wie Ärzte sich online austauschen

Kollegenaustausch per Knopfdruck: Über ein Soziales Netzwerk können Ärzte schnell kommunizieren.

© ra2 studio / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Nicht nur Online-Recherche nach aktuellen Erkenntnissen der medizinischen Forschung treibt Ärzte ins Netz. Beliebt ist auch der fachliche Austausch zu konkreten Fällen, um so einen interdisziplinären Blick auf einen Patienten zu gewinnen. Plattformen, die einen solchen Austausch ermöglichen, gewinnen im Internet an Verbreitung.

Schnell kompetente Antworten bei Fachfragen

So schätzt zum Beispiel die niedergelassene Gynäkologin Dr. Cornelia Friedrich die Möglichkeit "fachliche Fragen zu stellen und in kürzester Zeit kompetente Antworten zu bekommen". Friedrich besorgt sich den kollegialen Rat meist über das Ärzte-Netzwerk coliquio, das im Jahr 2007 gegründet wurde.

In dem Experten-Netzwerk für Ärzte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich Kollegen fachlich austauschen und schwierige oder seltene Patientenfälle diskutieren. Zudem können Ärzte auf medizinisches Fachwissen zurückgreifen, das Pharma-Unternehmen zur Verfügung stellen.

"Als niedergelassener Arzt ist man oft ein Einzelkämpfer. Bei fachlich übergreifenden Fragen tatsächlich zum Hörer zu greifen und einen Kollegen anzurufen, macht man doch eher selten, online ist das weniger ein Problem", so Friedrich. Die Ärztin hat sich bereits im Jahr 2009 auf der Plattform angemeldet, weil sie neugierig war.

Sie hat schnell Kontakte zu anderen Kollegen gefunden. Gerade für Ärzte in ländlichen Regionen sei die Plattform eine gute Möglichkeit, um mit Kollegen aller Fachrichtungen in Kontakt zu treten, so die Ärztin.

Interdisziplinärer Erfahrungsaustausch zum Wohle der Patienten

Spannend sei gerade auch der Austausch mit anderen Fächern. "Wenn mir eine Patientin zum Beispiel über ihre seit längerem anhaltenden Bauchschmerzen berichtet und man im Forum über die Patientin - natürlich anonym - berichtet, geben Internisten, Psychologen, Urologen oder auch andere Gynäkologen ihre Einschätzung oder gute Hinweise, weil sie vielleicht schon einmal einen ähnlichen Fall hatten. Probleme lassen sich besprechen und man fühlt sich als Arzt nicht alleine", sagt Friedrich.

Ärzte können medizinische Fragen in der Community stellen, sich über Praxismanagement oder Haftungsfragen austauschen und Informationen zu medizinischen und wissenschaftlichen Themen lesen. "Das medizinische Wissen verdoppelt sich alle zwei Jahre. Hier auf dem neusten Stand zu bleiben ist nicht immer einfach.

Diese Wissenslücke wollen wir versuchen zu schließen", sagt Felix Rademacher, Gründer und Geschäftsführer des Netzwerks. Die medizinischen Informationen werden unter anderem auch von Pharmaunternehmen bereitgestellt. "Dabei handelt es sich aber nicht um Produktbotschaften, sondern es geht um nutzenorientierte Inhalte", erklärt Rademacher.

Wie Facebook – nur für Ärzte

Die Ärzte bekommen, nachdem sie sich eingeloggt haben, ähnlich wie bei Facebook, eine Übersicht mit aktuellen Informationen zu ihren Interessensgebieten, Video-Clips oder Fortbildungsthemen. Zudem wird direkt auf der Startseite angezeigt, ob es relevante Fragen oder Themen in der Community gibt.

"Wir sind das Facebook für Ärzte, nur ist bei uns der Altersdurchschnitt etwas höher." Im Schnitt seien die Ärzte auf der Plattform 54 Jahre alt.

Als Arzt habe man auch die Möglichkeit, das Netzwerk anonym zu nutzen. "Wir haben auch schon Treffen im realen Leben organisiert und uns mit Kollegen aus ganz Deutschland getroffen", berichtet Friedrich. So habe sich auch offline ein Netzwerk aus allen Fachdisziplinen gebildet, die man bei Fragen dann doch auch einmal anrufen könnte, weil man sich persönlich kenne, so die Gynäkologin.

"Mir erleichtert das Netz die tägliche Arbeit. Früher habe ich ins Lexikon geschaut oder im Internet gegoogelt, aber das funktioniert bei gezielten Fragen nicht, da ist ein Netzwerk mit Informationen und der Austausch unter Kollegen besser", sagt Friedrich.

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