Ärzte Zeitung online, 15.03.2017

Umfrage

Work-Life-Balance und weniger Formulare statt steiler Karriere

Vollzieht sich beim beruflichen Selbstverständnis ein Paradigmenwechsel bei den Heilberuflern? Das legt zumindest eine Befragung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank nahe. Hier verschieben sich die Werte hin zu mehr Bedürfnis nach persönlicher Freizeit und Freiheit.

Von Matthias Wallenfels

Work-Life-Balance und weniger Formulare statt steiler Karriere

Familienglück statt Arbeitsstress: Eine Umfrage, zeigt, was Ärzten besonders wichtig ist.

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DÜSSELDORF. Aufopferung für den Beruf zum Wohl der Karriere und zu Lasten der Familie – angehende und auch praktizierende Ärzte denken nicht daran, in die Fußstapfen ihrer Vorgängergenerationen zu treten. Work-Life-Balance ist angesagt. Das geht aus der neuen Studie "Inside Heilberuf" hervor, für die im Auftrag der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) 500 Heilberufler befragt wurden – je 100 Allgemeinärzte, Fachärzte, Zahnärzte, Apotheker sowie Studierende der Human- und Zahnmedizin sowie Pharmazie ab dem sechsten Semester.

Karriere interessiert nur jeden Zweiten

Mit 91 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich) steht das Familienleben und die Partnerschaft an Nummer eins der Aspekte, die den Heilberuflern am wichtigsten sind im Leben. An zweiter Stelle folgt mit 85 Prozent die finanzielle Sicherheit und die Altersvorsorge. Erst an dritter Stelle rangiert mit 83 Prozent das eigentliche Ziel ärztlichen Handelns – Menschen helfen und heilen. Freizeit (77 Prozent) und die gesunde Lebensweise sowie persönliche Fitness (75 Prozent) belegen die weiteren Plätze. Ein hohes Einkommen und der Lebensstandard sind nur 58 Prozent der Befragten wichtig, die berufliche Karriere sogar nur 45 Prozent.

Zu den dringendsten Baustellen im Gesundheitswesen befragt, dominiert mit 65 Prozent die Bürokratie im Berufsalltag – mindestens 76 Millionen Stunden im Jahr verbringen niedergelassene Ärzte und ihr Praxisteam mit dem Ausfüllen von Formularen, wie aus dem Bürokratieindex hervorgeht, den die KBV, die KV Westfalen-Lippe und die private Fachhochschule des Mittelstandes Bielefeld kürzlich vorgelegt haben (wir berichteten).

An zweiter Stelle folgt mit 48 Prozent die Budgetierung bei der Patientenversorgung sowie sonstige staatliche Regeln. 38 Prozent der Befragten sehen die Attraktivität der Heilberufe für den Nachwuchs gefährdet, für 35 Prozent bedarf es der Sicherung des Gesundheitswesens als Solidarsystem. Handlungsbedarf beim Kosten-Nutzen-Vergleich der medizinischen Leistungen sehen 29 Prozent.

Nur 21 Prozent sehen die intersektorale Vernetzung als Baustelle an. Trotz der Querelen in der KBV in der Vergangenheit sehen nur neun Prozent Handlungsbedarf in puncto Organisation der Selbstverwaltung. Auch das angesichts von Big Data und Digital Health gesundheitspolitisch viel diskutierte Thema Schutz der Patientendaten im Internetzeitalter genießt nur für acht Prozent der Befragten Priorität – gleichauf mit der Vielfalt an digitalen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Spaltpilz Digital Health

Gefragt nach den Wünschen für den beruflichen Alltag entpuppt sich Digital Health zumindest bei den Hausärzten als Spaltpilz. So wünschen sich 33 Prozent weniger innovative digitale Gesundheitsleistungen, 31 Prozent wollen mehr davon in ihrer Praxis sehen. Bei den Fachärzten wünschen sich 20 Prozent weniger Digital Health-Lösungen im Versorgungsalltag, 37 Prozent plädieren für mehr Optionen.

Ganz oben auf der Wunschliste steht für Hausärzte mit 71 Prozent mehr Zeit für ihre Patienten. Bei den Fachärzten rangiert dieser Wunsch mit 66 Prozent an zweiter Stelle – nach dem Wunsch nach mehr Einkommen mit 68 Prozent. Ein höheres Einkommen steht bei Hausärzten mit 59 auf dem zweiten Platz der Wunschliste. Bei Zahnärzten führt die Sehnsucht nach einem höheren Einkommen mit 77 Prozent die Wunschliste an – genauso wie bei den Apothekern mit 81 Prozent. Auf Rang zwei folgt jeweils der Wunsch nach mehr Zeit für Patienten/Kunden (Zahnärzte: 66 Prozent, Apotheker: 74 Prozent).

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