Ärzte Zeitung online, 20.03.2017

Eigene Praxis

"Es klappt ja doch mit Familie!"

Beruf und Familie – das funktioniert auch in eigener Praxis. Vielleicht sogar besser als im Krankenhaus. Diese Erkenntnis konnten junge Ärzte vom "Tag der Chancen" in Weimar mit nach Hause nehmen.

Von Hauke Gerlof

WEIMAR. Der Frauenanteil bei in Einzelpraxis niedergelassenen Ärzten in Thüringen liegt bei 60 Prozent und ist damit überproportional hoch. Bei Berufsausübungsgemeinschaften liegt er mit 52 Prozent etwas niedriger, aber immer noch über 50 Prozent. Das geht aus Zahlen hervor, die beim "Tag der Chancen" in Weimar vor jungen Ärztinnen und Ärzten präsentiert worden sind. Die Zahlen zeigten, dass das alte Vorurteil, die Niederlassung bringe eine so hohe Arbeitsbelastung mit sich, dass Beruf und Familie nur schwer miteinander zu vereinbaren seien, nicht mehr mit der Realität zusammenpasst, so Peter Hedt, Niederlassungsberater der KV Thüringen.

Hedt leitete auf dem "Tag der Chancen" einen Workshop. Als gemeinsame Veranstalter des Tages traten neben der Kassen(zahn)ärztlichen Vereinigung auch die Landes(zahn)ärztekammer und die Deutscher Apotheker- und Ärztebank (apoBank) auf.

Bernhard Koelmer, Filialleiter der apoBank in Erfurt, schlug mit seiner Aussage in dieselbe Kerbe: "Es ist nicht nur wider Erwarten doch möglich, Beruf und Familie in der Niederlassung miteinander zu vereinbaren, sondern es ist sogar leichter möglich als in Anstellung in der Klinik", betonte Koelmer. Die jungen Ärzte seien sich zwar bewusst, dass sie viel arbeiten müssen, so Koelmer weiter, "aber sie können es selbst gestalten". Das fange schon damit an, dass Kinder auch mal mit in die Praxis genommen werden könnten – auf Station sei das dagegen kaum möglich.

Zu den Vorteilen der Niederlassung in eigener Praxis gehörten:

- flexible Gestaltung der Arbeitszeit

- Auswahl der passenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die Belastung zu senken,

- Unabhängigkeit von unternehmerischen Entscheidungen anderer,

- Entscheidungsfreiheit, ob Verantwortung und Risiko in einer Kooperation geteilt werden soll oder ob die Einzelpraxis präferiert wird.

Durch die Gesetzgebung der vergangenen Jahre hätten sich die Gestaltungsmöglichkeiten ärztlicher Selbstständigkeit entscheidend erweitert, betonte KV-Niederlassungsberater Hedt, "und wir kommen unseren Mitgliedern so weit wie möglich entgegen". Das schon lange mögliche Jobsharing oder auch eine Teilzulassung beispielsweise schafften mehr Zeit für das Privatleben. So könne eine BAG beispielsweise gemeinsam geführt werden – eine(r) der Partner arbeitet am Vormittag, der (die) andere am Nachmittag.

Zunehmend genutzt wird laut Hedt auch die Beschäftigung eines Sicherstellungsassistenten – je Kind ist das drei Jahre lang möglich. Aktuell gebe es 31 Sicherstellungsassistenten in Thüringen, 16 davon hätten die Genehmigung 2016 erhalten, und zwölf seien bereits in den ersten beiden Monaten 2017 dazugekommen. Und auch bei Beschäftigung eines Sicherstellungsassistenten könne der Inhaber/die Inhaberin (kürzer) weiterarbeiten, um den Kontakt zur Praxis nicht zu verlieren.

Wirtschaftlich seien diese Modelle durchaus tragfähig, sagte Bernhardt Koelmer. "Mögliche höhere finanzielle Risiken durch kürzere Arbeitszeiten sind kein Thema für uns", so der apoBank-Filialleiter. Die jungen Ärzte gingen "realistisch in die Planung" und passten Investitionen und andere Kosten an die Einkommensmöglichkeiten an. (ger)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Wie viel Fett und Eisen lastet auf Deutschlands Lebern?

Fettlebern sind hierzulande mittlerweile ein Massenphänomen, und auch die Eisenüberladung der Leber wird häufig festgestellt. Eine Studie der Uni Greifswald liefert jetzt Daten. mehr »

Pfleger lernen als "Robo Cop", wie sich Altern anfühlt

In einem Modellprojekt sollen junge Menschen mit Förderbedarf für die Altenpflege gewonnen werden: Sie erleben im Simulationsanzug das Altern am eigenen Leib und üben die Pflege an lebensgroßen Puppen. mehr »

Ausgaben-Weltmeister bei Zytostatika

Die Ausgaben für onkologische Arzneimittel in der ambulanten Versorgung sind seit dem Jahr 2011 massiv gestiegen und übertreffen deutlich die Kostensteigerungen aller anderen Arzneimittel ohne Rezepturen. Das geht aus dem Barmer-Arzneimittelreport 2017 hervor. mehr »
Serie: Wegweiser Weiterbildung