Ärzte Zeitung, 30.06.2008

"Mehr Ertrag in Kliniken - mehr Qualität"

Wirtschaftsforscher betont die positiven Aspekte der Gewinnorientierung privater Klinikträger

DÜSSELDORF (iss). Die Angst von Ärzten und Politikern, dass die Gewinnorientierung privater Krankenhäuser zu einer schlechteren Versorgung der Patienten führt, ist nach Ansicht des Wirtschaftsforschers Dr. Boris Augurzky unbegründet.

Ein Patient wird in eine andere Abteilung verlegt: Erwirtschaften Kliniken Erträge, können sie in Personal und Technik investieren.

Foto: dpa

"Krankenhäuser, die einen höheren Ertrag erwirtschaften, schneiden bei der Behandlungsqualität nicht schlechter ab, tendenziell eher besser", sagte der Leiter Gesundheit beim Wirtschaftsforschungsinstitut RWI Essen bei der Vorstellung einer Analyse der wirtschaftlichen Lage der nordrhein-westfälischen Kliniken.

Sie basiert auf dem Krankenhaus Rating Report 2008 des RWI und der Admed GmbH, die bereits vor einiger Zeit vorgestellt wurde (wir berichteten). In diesem Bericht haben die Autoren erstmals auch den Zusammenhang von Qualität und Wirtschaftlichkeit untersucht.

Monopole würden zu Lasten der Versorgung gehen

"Die Gewinnerzielung ist aus unserer Sicht nicht negativ, sondern positiv zu sehen", sagte Augurzky. Die erwirtschafteten Erträge erlaubten den Kliniken Investitionen, etwa in neue Techniken, teure Geräte und Ärzte. "Die Häuser können es sich nicht erlauben, an der Qualität zu sparen", glaubt er. Bei der Privatisierung von Kliniken ist es nach Einschätzung Augurzkys wichtig, dass die Anbieter keine Monopolstellung einnehmen. Monopole könnten zu Lasten der Patienten gehen. "Das ist aber im Moment nicht abzusehen."

In Nordrhein-Westfalen wird es nach der Prognose der Forscher in den nächsten Jahren weniger Privatisierungen geben als im Durchschnitt der Bundesrepublik. Grund ist der überdurchschnittlich hohe Anteil von Häusern in frei gemeinnütziger Trägerschaft. Außerdem ist trotz der seit Jahren unterdurchschnittlichen Investitionsförderung die wirtschaftliche Gesamtlage der Kliniken besser.

Dennoch prognostizieren RWI und Admed auch für das bevölkerungsreichste Bundesland wie für Deutschland insgesamt, dass bis 2020 zehn Prozent der Kliniken vom Markt verschwinden werden. Diese Entwicklung hält Augurzky aber nicht für gefährlich. "Wir sollten sehen, dass die anderen 90 Prozent davon profitieren, weil sie ihre Auslastung erhöhen." Durch die genauere Ausrichtung auf Patientenbedürfnisse, die Zentrenbildung und die Öffnung für ambulante Leistungen können Krankenhäuser noch Potenziale erschließen, sagte er. "Das sollte man nicht dadurch beschränken, dass man alle Häuser durchfüttern muss."

In Nordrhein-Westfalen habe sich die Zahl der Krankenhäuser von 1995 bis 2006 von 483 auf 437 reduziert, sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen Richard Zimmer. "Wir haben schon einen gewissen Konzentrationsprozess, der sich beschleunigen wird, wenn es nicht zu einer politischen Intervention kommt."

Warten auf Marktbereinigung - eine unnötige Defensivstrategie

Das Fokussieren auf die Marktbereinigung sieht er als Defensivstrategie, die gar nicht unbedingt notwendig sei. Besser wäre es seiner Ansicht nach, die Vorteile des hohen Versorgungsniveaus aktiv zu nutzen. "Warum versuchen wir nicht, durch Kooperationen bei uns noch freie Kapazitäten durch Patienten aus europäischen Nachbarländern zu füllen?"

Zimmer kritisierte, dass sich die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser zunehmend verschlechtert. Er forderte mittelfristig den Umstieg auf ein neues Finanzierungssystem und Sofortmaßnahmen. "Wir brauchen eine Neuregelung, die sich an den Sach- und Personalkosten der Häuser orientiert und zwar so schnell wie möglich."

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