Ärzte Zeitung, 02.10.2008

Uniklinikum in Kiel setzt auf enge Kooperation mit Kinderärzten in Praxen

Poliklinik verzichtet künftig auf allgemeine Pädiatrie

KIEL (di). Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK-SH) hat seine pädiatrische Poliklinik runderneuert und forciert die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kinderärzten. Statt auf Konkurrenz setzt die Uniklinik künftig auf ergänzende Angebote.

Vorbild waren dabei Arztpraxen: Bei der Renovierung und Umorganisation der Poliklinik standen nach Auskunft von Klinikdirektor Professor Martin Schrappe "gut funktionierende Praxen" Pate. Die verbesserte Ablauforganisation und eine moderne EDV sollen dazu beitragen, das jährliche Defizit aller Polikliniken am UK-SH in Höhe von 15 Millionen Euro zu verringern.

Zugleich wurde die in der Vergangenheit nicht immer reibungslose Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kinderärzten auf eine neue Grundlage gestellt. Künftig verzichtet die Poliklinik auf eine allgemeine Pädiatrie, die in der Vergangenheit vergleichbar wie eine große Kinderarztpraxis und damit in Konkurrenz zu den Kieler Praxen gearbeitet hatte. Stattdessen umfasst das künftige ambulante Angebot am Campus Kiel nur noch Spezialambulanzen, und zwar für die Onkologie, Endokrinologie, Diabetologie, Gastroenterologie, Hepatologie, Nephrologie und Pulmologie.

Diese Ambulanzen werden künftig aber nur noch auf Überweisung von niedergelassenen Ärzten tätig. Eine allgemeinpädiatrische Sprechstunde wird es künftig nur noch in der räumlich von den Spezialambulanzen getrennten Notfallambulanz geben. Damit werden niedergelassene Ärzte außerhalb der Sprechzeiten entlastet. Schrappe hält das Angebot aber auch für die Ausbildung der Ärzte für wichtig. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Poliklinik eine ambulante Fallzahl von rund 10 000, davon rund 3000 in der kinderärztlichen Notfallambulanz.

Trotz des hohen Defizits sollen die umstrittenen Ambulanzen nicht geschlossen werden, da sie als "Visitenkarte" für neue Patienten und "Einfallstor" für die stationäre Behandlung gelten. Die Ärztekammer begrüßte das neue Konzept.

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