Ärzte Zeitung, 20.01.2009

Mit einem Investor wollen Chefärzte ihre Klinik retten

Das evangelische Martins-Krankenhaus bei Bremen ist insolvent. Jetzt planen vier Chefärzte die Übernahme.

Von Christian Beneker

In Lilienthal bei Bremen wollen Ärzte ein Krankenhaus übernehmen. Das zahlungsunfähige evangelische Martins-Krankenhaus mit 76 Betten und etwa 200 Mitarbeitern hat im November Insolvenz beantragt. Die vier im Haus tätigen Chefärzte wollen ihren Arbeitsplatz nun in Eigenregie führen.

Zu Beginn des Insolvenzverfahrens haben sich insgesamt fünf Interessenten-Gruppen gemeldet, die das Haus weiterführen wollen, hieß es. Unter ihnen ist neben der Bremer Klinikgruppe "Gesundheit Nord" (GeNo) auch die Gruppe der Chefärzte des Martins-Krankenhauses.

"Das Haus ist gesund", begründete der Sprecher der Ärztegruppe, der Chirurg Jörg Müller, das Interesse der Kollegen. Eine Spezialisierung des Angebotes sei nötig. Die Kollegen haben nach eigenen Angaben unter den Mitbewerbern eine Investorengruppe gefunden, die, so Müller, "ähnliche Interessen hat wie wir und die Geld einbringen würde."

Das wird auch nötig sein. Denn, so der Insolvenzanwalt Tilo Kolb, die Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro. Allerdings sei das Haus damit nicht überschuldet. "Das mögliche Management-Buyout durch im Krankenhaus erfahrene Ärzte könnte Zeichen dafür sein, dass das Krankenhaus am Markt weiter gute Chancen hat", sagte Kolb.

Die Ärzte rechnen sich gute Chancen am Markt aus.

Müller und seine Kollegen betreiben derzeit vier Praxen, die an das Krankenhaus angebunden sind - eine chirurgische, eine ambulante Anästhesie, eine internistische und eine radiologische Praxis. Aufgrund einer besonderen Vereinbarung mit der KV Niedersachsen konnte Müller als Niedergelassener mit einem Teilzeitarbeitsverhältnis auch als Klinikarzt arbeiten, so Müller. Und das "lange vor dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz".

"Seit 2007 und der neuen Gesetzeslage haben wir in Lilienthal vier halbe Zulassungen", sagte Heiko Schmidt von der Bezirksstelle Stadt der KV Niedersachsen. Das heißt, bis auf den Radiologen, der per Gerätegemeinschaft mit dem Haus verbunden ist, arbeiten die Kollegen zu je 50 Prozent in Klinik und Praxis. Die Ärzte rechnen sich gute Chancen aus. Das Martins-Krankenhaus habe noch 2007 eine durchschnittliche Belegung von 97 Prozent aufgewiesen, so Müller, "die Innere sogar 101 Prozent", so der Chirurg. Allerdings hat das Haus im gleichen Jahr auch 780 000 Euro Verlust gemacht. "Managementfehler", kritisierte Müller.

Der derzeitige Geschäftsführer Dr. Marc Brockmann verwies indessen auf Tarifsteigerungen, erhöhte Mehrwertsteuer und die gestiegenen Energiekosten. Wer den Zuschlag erhält, wird sich erst im März herausstellen. "Am Ende wird die Konzeption entscheiden", sagte Tilo Kolb, der von Insolvenzverwalter Edgar Grönda mit dem Insolvenzverfahren beauftragt wurde, zur "Ärzte Zeitung".

Dass das Martins-Krankenhaus eine gut eingeführte Einrichtung ist, zeigte sich auch nach Bekanntwerden der Insolvenz im November. Aus Solidarität der Einweiser stieg die Belegung um zehn Prozent.

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