Ärzte Zeitung, 03.12.2009
Länger im Krankenhaus wegen Medikationsfehlern
Mangelhafte Organisation, hochgradige Arbeitsteilung
mit der
Tendenz zu Kommunikationsbrüchen, Fehler bei Abläufen und Unwissen
führen an den Kliniken immer wieder zu Komplikationen bei der
Medikation.
Von Bülent Erdogan

Mit 14 Indikatoren des Aktionsbündnisses
Patientensicherheit können Ärzte "ganz banale" Medikationsfehler
vermeiden.
Foto: Franz
Pfluegl©www.fotolia.de
BERLIN. Etwa 14 Prozent der
durchschnittlichen Verweildauer
an Deutschlands Kliniken gehen auf unerwartete Arzneimittelwirkungen
(UAWs) zurück. Zehn bis 15 Prozent der Klinik-Einweisungen von
Patienten über 70 Jahren sind durch Arzneimittelfehler induziert. Diese
Zahlen nannte der Leiter des Centrums für Krankenhaus-Management der
Universität Münster, Professor Wilfried von Eiff, vergangene Woche auf
dem 3. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin. "Das würde
bedeuten, wir halten eigentlich 14 Prozent unserer Bettenkapazität und
auch unserer sonstigen Ressourcen dafür vor, um die Konsequenzen aus
UAWs in den Griff zu bekommen", so von Eiff.
Als Gründe nannte er eine "nicht narrensichere", mangelhafte
Organisation, eine hochgradige Arbeitsteilung mit der Tendenz zu
Kommunikationsbrüchen, Fehler bei Abläufen und fehlendes Wissen von
Ärzten über unerwünschte Arzneimittelwirkungen. So seien 80 Prozent
aller Medikationsfehler auf ärztliche Verordnungsfehler zurückzuführen
gewesen. Bei fünf Prozent der Patienten führten diese Fehler zu
schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen bis hin zum Tod.
Um Abhilfe zu schaffen, regt von Eiff die Anstellung von
klinischen
Pharmazeuten an. "Es muss darum gehen, Spezialisierungsvorteile
auszunutzen." Der klinische Pharmazeut auf Station müsse Standard
werden, ärztliche Verordnungen im Idealfall durch ihn, wenigstens aber
durch eine Verordnungssoftware freigegeben werden. Derzeit kommen auf
100 Klinikbetten in Deutschland 0,31 hauseigene Pharmazeuten, in
Estland sind es knapp zwei.
Zudem, so der Wissenschaftler, gelte es, Prozesse durch
technische
Systeme "idiotensicher" zu machen. Eine Möglichkeit hierzu sieht er in
einer computerisierten Bestellaufnahme von Medikamenten und der Ausgabe
von in Einzeldosen verblisterten Präparaten aus speziellen
Arzneimittelschränken, wie dies in den USA, Kanada, Großbritannien oder
den Niederlanden bereits Standard sei.
Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen
Ärzteschaft
(AKdÄ), Dr. Wolf-Dieter Ludwig, zog ein gemischtes Fazit der bisherigen
Anstrengungen zur Steigerung der Arzneimitteltherapiesicherheit in
Deutschland und Europa. So sei der Anteil der Klinikeinweisungen nach
UAWs in Frankreich, das über ein weitaus besseres
Pharmakovigilanzsystem als Deutschland verfüge, seit 1997 stabil und
liege bei circa vier Prozent. "Wir reden schon so lange über
Arzneimittelsicherheit und auch über Arzneimitteltherapiesicherheit,
und es tut sich nichts", sagte Ludwig, dessen Kommission den
Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) der Bundesregierung
koordiniert.
Dabei könnten Ärzte schon heute "ganz banale" Fehler
vermeiden, wenn
sie sich an die 14 Patientensicherheitsindikatoren des
Aktionsbündnisses für Patientensicherheit zur AMTS halten. Das gelte
etwa für die Gabe von Beta-Blockern beim Verlassen des Krankenhauses
oder die Frage nach Allergien. "Wenn diese 14 Indikatoren bei jedem
deutschen Arzt, der häufig Arzneimittel verordnet, so im Kopf wären,
hätten wir schon einen großen Schritt nach vorne gemacht."
Ludwig forderte die Pharmahersteller dazu auf, intensiver mit
den
Akteuren des Aktionsplans zusammenzuarbeiten, etwa um Spritzen
verwechslungssicherer zu kennzeichnen. Anfang März 2010 soll der
fortgeschriebene Aktionsplan vorgestellt werden.
Nachtrag (08.12.2009):
Indikatoren
werden im März 2010 veröffentlicht
Das
Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) mit Sitz in Bonn hat 14
Indikatoren für eine sicherere Arzneimitteltherapie erarbeitet. Anders
als oben berichtet,
sind diese Hinweise allerdings noch nicht veröffentlicht, sondern
sollen Teil des fortgeschriebenen Aktionsplans Arzneimittelsicherheit
des Bundesgesundheitsministeriums werden. Nach Angaben des Vorsitzenden
der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdÄ), Professor
Wolf-Dieter Ludwig, soll der weiterentwickelte Aktionsplan im März 2010
vorgestellt werden. Die AKdÄ koordiniert den Aktionsplan.
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| [05.12.2009, 09:49:48] |
| Uwe Schneider
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| Holschuld der Behandler
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Herr Dr. Zeller hat sicher nicht Unrecht, wenn er darauf hinweist, dass der oben stehende Artikel wenig Details enthält. Aber das dürfte weniger an den Herren Eiff u. Ludwig liegen, die hier wohl wie journalistisch üblich nur verkürzt zitiert wurden. Die ÄZ ist eben nicht die ZAeFQ oder das JAMA ... Aber der Artikel weis auf Probleme hin - und das allein ist schon eine gute Tat. Der Rest ist die Holschuld der behandelnden Ärzte, die sich z.B. hier mal umschauen könnten: http://www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de/apsside/07-09-17_MF_Checkliste.pdf. Hier stehen zwar keine 14 Indikatoren, aber doch ein paar interessante Ansätze. zum Beitrag »
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| [03.12.2009, 17:38:45] |
| Gabriele Wagner
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| Angebliche Medikationsfehler
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Per E-Mail erreichte uns der folgende Kommentar des Kollegen Dr. Zeller:
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Artikel zu angeblichen Medikationsfehlern; dazu ein paar Fragen:
1. Welche Fehler passierten da konkret?
2. Welches sind die 10 oder 20 häufigsten Fehler?
3.Welches sind diese ominösen 14 Patientensicherheitsindikatoren?
Und was soll das: Gabe von Betablockern beim Verlasssen des Krankenhauses?
Ich bin mir sicher, dass die meisten Kollegen durch diesen Artikel beunruhigt werden. Aber der Artikel selbst ist keine Hilfe, weil er viel zu wenig ins Detail geht. D.h., so hilft der Artikel nicht weiter.
Es kann ja eigentlich nicht sein, dass quasi im Vorübergehen die Herren von Eiff und Ludwig die deutsche Ärzteschaft massiv beschuldigen. Also bitte "Butter bei die Fische".
MfG
Dr. Peter Zeller
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