Ärzte Zeitung, 25.03.2010

Das große Bettenschieben - Klinikumzug in drei Tagen

Bei laufendem Betrieb haben die Kasseler Diakoniekliniken den Umzug in ihren Neubau gestemmt.

Von Katja Schmidt

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Die Krankenbetten wurden zu Umzugswagen umfunktioniert. © Kasseler Diakonie-Kliniken

KASSEL. Der Umzugswagen ist ein Bett: Eine alte Dame liegt darin, gegen ihre Kissen gestützt. Am Fußende liegen ihre Hausschuhe, ihr Morgenmantel und ihre Tasche. Die Patientin wird verlegt. Doch nicht nur sie, sondern auch alle anderen Patienten. In den Kasseler Diakonie-Kliniken ist Mitte März in drei Tagen ein großer Teil des Krankenhauses umgezogen. Ein 16,4 Millionen Euro teurer Neubau mit neuen Bettenstationen, zentraler Notaufnahme und Intensivstation ist nun in Betrieb.

Der Umzug der Station für Gastroenterologie, auf der die Dame liegt, läuft an einem Mittwoch, und gehört bereits zum letzten Akt. "Gestern haben wir 90 Betten verlegt", berichtet Pflegedirektorin Cornelia Reissner.

Die Gefäßchirurgie, Innere Medizin und die Intensivstation sind am Dienstag umgezogen, die Notaufnahme am Montag. Insgesamt müssen 126 Betten an ihren neuen Platz gelangen, 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich im neuen Arbeitsumfeld zurechtfinden - das ist fast ein Viertel der Belegschaft.

Dafür dass sie ein logistisches Großprojekt gemanagt und beim Bettenschieben mit angepackt hat, wirkt Reissner entspannt. "Man muss rechtzeitig planen", sagt die Diplom-Pflegewirtin. Und die Planung brauche Puffer. Besonders bei der Intensivstation sei das wichtig.

"So weit es planbar war, haben wir den Betrieb dort etwas ausgedünnt", erklärt Reissner. Verschiebbare Operationen von Patienten, die nach dem Eingriff Intensivversorgung benötigt hätten, wurden nach dem Umzug terminiert. "Wir haben aber noch am Wochenende neue Notfälle hereinbekommen", sagt die Direktorin. Die Verlegung musste trotzdem klappen. Fast deckenhoch liegen leere Kartons in einem Entsorgungsraum der neuen Intensivstation. Sie geben einen Eindruck von der Materialmasse, die hier bewegt wurde.

Großzügige Ver- und Entsorgungsräume sind beim Bau der neuen Stationen extra eingeplant worden. Den Zuschnitt der Stationen hätten die Mitarbeiter in Arbeitsgruppen mitgestalten können, betont Pflegedirektorin Reissner. Dass alle Patientenbäder behindertengerecht sind, habe die Pflege durchgesetzt. Reissner: "Wir haben gesagt: So sieht unsere Klientel der Zukunft aus."

Die Patienten der Gegenwart und ihre Angehörigen müssen sich nach dem Umbau allerdings noch neu orientieren. Der Haupteingang der Diakonie-Kliniken liegt nun auf der anderen Gebäudeseite. Auch die Einfahrt für die Rettungsfahrzeuge ist neu.

Das Krankenhaus hat alle Taxiunternehmen der Region angeschrieben, sie gemeinsam mit den Rettungsdiensten zur Besichtigung geladen. Und doch hält an jenem Mittwoch ein Taxi vor dem Blumenkübel, der seit Kurzem den Weg zum alten Krankenhauseingang versperrt. Eine ältere Frau ist ausgestiegen und zieht an der Tür. Erst dann sieht sie die Hinweisschilder. Sie bleibt gelassen und steigt für den Weg um die Klinik herum zum neuen Eingang wieder ins Taxi.

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