Ärzte Zeitung, 01.02.2011

Klinik-Hygiene muss von Externen kontrolliert werden

Nur mit scharfen Kontrollen lassen sich Missstände abstellen. Davon gehen Hygiene-Experten aus.

KÖLN (iss). Ohne wirkungsvolle Kontrollen werden sich Hygienemängel an den Kliniken nicht beseitigen lassen. Davon geht Professor Walter Popp aus, Leiter der Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Essen und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). "Die Hygiene ist nur über systematische externe Überprüfungen zu verbessern", sagte Popp auf der MCC-Konferenz "Krankenhaushygiene 2011" in Köln.

Wer die Kontrollen übernehmen soll, sei für ihn noch eine offene Frage, sagte Popp. In Frage kommen Gesundheitsämter, Zertifizierungsgesellschaften, der Medizinische Dienst der Krankenkassen, die Kassen selbst oder andere. Klar ist für ihn aber: "Ohne Überwachung geht es nicht."

Um bei der Krankenhaushygiene eine befriedigende Situation zu erreichen, sei der Weg noch weit. "Das Ziel bei Krankenhausinfektionen kann nur heißen: null", betonte Popp.

Hierfür seien allerdings nicht nur Anstrengungen im Bereich der Hygiene notwendig, sondern weitere Faktoren wie Änderungen in der Krankenhausorganisation und die Entwicklung neuer Antibiotika.

Die DGKH hat im Herbst 2010 gemeinsam mit dem Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes eine Umfrage zum Thema MRSA vorgenommen, an der sich 900 Kliniken beteiligten. Danach isolieren acht Prozent der Häuser MRSA-Patienten nicht.

Nur in 38 Prozent der Häuser gibt es bei allen Patientengruppen ein Eingangsscreening, bei denen das Robert-Koch-Institut (RKI) dies empfiehlt. 40 Prozent screenen bei mindestens 50 Prozent der RKI-Indikationen, zehn Prozent selten bis nie.

20 Prozent der Kliniken screenen ihr Personal nie. "Es besteht Regelungsbedarf bezüglich des Mitarbeiterschutzes", betonte Popp.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »