Zentralsterilisation: Der Nabel der Klinikhygiene

Klinikskandale der jüngsten Vergangenheit haben wieder vor Augen geführt, wie wichtig steriles Op-Besteck ist. Die Sterilgutaufbereitung ist ein komplexes Unterfangen.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Operateure müssen sich darauf verlassen können, dass das bereit gestellte Op-Besteck lege artis sterilisiert worden ist.

Operateure müssen sich darauf verlassen können, dass das bereit gestellte Op-Besteck lege artis sterilisiert worden ist.

© PhotoDisc

FRANKFURT/MAIN. Fulda, Kassel, Eschwege oder München stehen inzwischen als Synonyme für medienwirksame Probleme von Kliniken bei der Sterilgutaufbereitung.

Bei Kontrollen wurden unsaubere Instrumente entdeckt, wobei die Verschmutzungen in Einzelfällen sogar mit bloßem Auge zu erkennen gewesen sein sollen.

Der Operationsbetrieb musste teils vollständig eingestellt werden - das kann nicht nur einen Imageschaden bedeuten, es geht auch um massive Einnahmeausfälle aufgrund nicht durchgeführter Operationen. Sind Patienten zu Schaden gekommen, kann es noch einmal teurer werden.

Die Sterilgutaufbereitung ist eine vielschichtige Angelegenheit, die sich nicht auf die Arbeitsprozesse und die gesetzlichen Anforderungen beschränkt. Auch gesundheitspolitische Entscheidungen spielen immer wieder eine Rolle. Die Komplexität des Prozesses veranschaulicht ein Besuch in der Zentralsterilisation der Universitätsklinik in Frankfurt.

Wie viele Einzelteile in der Uniklinik am Tag sterilisiert werden? Da muss selbst Petra Pfannkuchen rechnen. Die Leiterin der Zentralsterilisation denkt in "STE" - Sterilisationseinheiten - und die berechnen sich eher nach Volumen und Arbeitsaufwand, als nach Stückzahl.

Grob überschlagen kommt Pfannkuchen auf 170 STE. Im Durchschnitt sind das jeweils zwei Siebe, gefüllt etwa mit dutzendweise Operationsbesteck oder den Einzelteilen eines zerlegten Bohrers.

23 Mitarbeiter halten an der Klinik 24 Stunden am Tag die Zentralsterilisation am Laufen. Sie sind keine Krankenhausmitarbeiter, sondern bei der Tochtergesellschaft Klinik-Service GmbH angestellt.

Früher arbeiteten hier ausgebildete OP-Kräfte, "aber das kann sich heute kein Krankenhaus mehr leisten", sagt Martin Wilhelm, der zugleich Pflegedirektor des Uni-Klinikums und Geschäftsführer der Service-GmbH ist.

"Heute ist das ein Niedriglohnsektor." Die einfachen Mitarbeiter verdienen nicht mehr als 9,10 Euro die Stunde. Nach 80 Stunden "Fachkunde-Kurs" bekommen sie 10,22 Euro.

Die Deutsche Gesellschaft für Sterilgutversorgung (DGSV) fordert seit Jahren ein staatlich anerkanntes Berufsbild für die Mitarbeiter. "Technischer Sterilisationsassistent" ist qua Definition kein Beruf, sondern gilt nur als Tätigkeitsbereich.

"Jeder Maurer hat eine Berufsausbildung", regt sich DGSV-Vorsitzende Marion Peißker auf. "An das Personal werden sehr hohe Anforderungen gestellt - und wir sprechen von einer Tätigkeit und nicht von einem Beruf."

Auch die Verordnungen und Empfehlungen, die die Aufbereitung von Medizinprodukten regeln, gehen der DGSV nicht weit genug. Die wichtigsten Regeln sind in der Medizinprodukte-Betreiberverordnung und in Empfehlungen des Robert Koch-Instituts festgeschrieben.

"Ich wünsche mir, dass da mal kein Konjunktiv mehr steht", sagt Marion Peißker und fordert bundesweite, verbindliche Vorschriften "zum Schutze des Patienten". (dpa/eb)

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