Ärzte Zeitung, 07.09.2011

Verbundkonzept stärkt kommunale Kliniken

Auch Manager von öffentlichen Krankenhäusern müssen gute wirtschaftliche Zahlen liefern. Im Wettbewerb mit den privaten haben sich Zusammenschlüsse kommunaler Kliniken dabei als erfolgreiches Konzept erwiesen.

Von Dirk Schnack

Verbundkonzept stärkt kommunale Kliniken

KRH-Chef Karsten Honsel: Öffentliche Kliniken sind eher bereit, kleine Häuser zu erhalten.

© KRH

HAMBURG. Sie beteiligen mehr Akteure, haben längere Entscheidungswege, agieren weniger effektiv und unter dem Strich unprofessioneller - mit anderen Worten: Öffentliche Krankenhäuser hinken der privaten Konkurrenz noch immer eine Entwicklungsstufe hinterher.

Rechtsanwalt Dr. Henning Schneider wollte diese Beobachtung zwar nicht verallgemeinern und beim Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg wollte sie auch nicht jeder unterschreiben.

Beispiele für erfolgreiche öffentliche Krankenhäuser stritt auch Krankenhausrechtler Schneider nicht ab. Nur: Unter dem Strich liefern öffentliche Häuser im Durchschnitt schlechtere wirtschaftliche Ergebnisse ab als die privaten.

Politik trägt Schuld

Auf dem Kongress wurde Ursachenforschung betrieben, der Schuldige war schnell ausgemacht: die Politik. Denn die mischt sich auf kommunaler Ebene noch immer gerne in das operative Geschäft ein und setzt zum anderen mit falschen Rahmenbedingungen Hürden, die private nicht überspringen müssen.

Als Beispiele nannte Schneider das Tarifrecht im öffentlichen Dienst, das Vergaberecht und die schwierige Kapitalbeschaffung. So lange solche ungleichen Rahmenbedingungen herrschen, kann laut Schneider kein fairer Vergleich vorgenommen werden - im Wettbewerb jedoch müssen sich öffentliche oft mit privaten messen.

Hoher wirtschaftlicher Druck bei den Privatkliniken

Dr. Mani Rafii vom privaten Konzern Schön Kliniken verwies darauf, dass private Krankenhäuser unter hohem wirtschaftlichen Druck arbeiten müssen: Bei jedem schwerwiegenden Fehler droht einem Privatunternehmen die Insolvenz, während kommunal geführte Häuser solche Fehlentscheidungen unter dem Motto "Jugend forscht" verbuchen und die finanziellen Folgen auf öffentliche Kassen umlegen könnten, überspitzte Rafii den Unterschied.

Die Schön Kliniken haben erfolgreiche Privatisierung in Hamburg vorgemacht: Das zum früheren Landesbetrieb Krankenhäuser zählende Krankenhaus Eilbek galt einst als graue Maus unter den Kliniken der Hansestadt, sein Überleben war wegen der starken Konkurrenz im Umfeld unsicher.

Mitarbeiterzahl wurde erhöht

Heute ist Eilbek ein fester Player im Klinikmarkt, der Umsatz wurde deutlich erhöht und die Mitarbeiterzahl nicht etwa gesenkt, sondern von 850 auf 1500 erhöht.

Die Diskussionsrunde machte aber auch deutlich, dass tradierte Vorstellungen von unprofessioneller Führung in öffentlicher Trägerschaft sich immer seltener mit der Realität decken. Niemand zweifelt heute mehr an, dass auch Geschäftsführer öffentlich geführter Häuser erfolgreiche Manager sein müssen und sind - wenn die Bedingungen dafür vorliegen.

Die wichtigste dafür ist nach Meinung von Experten wie Karsten Honsel das Arbeiten im Verbund.

Klinikverbund profitiert von Synergieeffekten

Der Geschäftsführer der Klinikum Region Hannover GmbH (KRH) macht es vor. In Niedersachsen sind 13 kommunale Krankenhäuser zu einem Verbund zusammengeschlossen worden.

Heute schreibt die GmbH mit über 8000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von einer halben Milliarde Euro schwarze Zahlen, weil sie Synergieeffekte nutzten kann. Diese werden vor allem dort genutzt, wo es nicht direkt um die medizinische Versorgung geht, etwa in der IT.

Verbünde sind überlebenswichtig

Dass Verbünde überlebenswichtig sind, bestätigten auch Ines Manegold, die im österreichischen Kärnten den Klinikverbund Kabeg managt, und Gerhard Hallenberger, Vorstand der Agaplesion, zu der 22 christliche Akutkliniken in Deutschland zählen und PD Dr. Diethelm Hansen vom Klinikverbund Bremen.

Was aber unterscheidet öffentlich geführte Häuser noch von privaten, wenn sie genauso arbeiten wie die privaten? Honsel sieht den Unterschied darin, dass öffentliche Träger eher bereit sind, für die wohnortnahe Versorgung auch kleine Häuser zu erhalten.

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