Ärzte Zeitung, 15.01.2012

Erfahrener Chirurg entfernt Leber statt Niere

LONDON (dpa). Die Leber hat ein Chirurg einer Patientin in Wales versehentlich aus dem Körper gerissen und die Frau damit getötet.

Der Arzt kam bei einer gerichtlichen Anhörung ohne Verurteilung davon. Der Vorfall in einem Krankenhaus in Newport wurde als Unfall bewertet.

Auch die Angehörigen der getöteten 77-Jährigen erkannten die Entscheidung an.

Die Patientin war an Nierenkrebs erkrankt, weshalb ihr die rechte Niere entfernt werden sollte - eine Routineoperation für die Ärzte in Newport. Der erfahrene Chirurg ließ eine Assistentin ans Skalpell - ihr Debüt. Als aber Komplikationen auftraten, wurde die Assistentin unsicher, der erfahrene Arzt übernahm.

"Ich legte meine Hand in den Körper und spürte ein Organ", sagte der Arzt vor Gericht. Dann zog er ruckartig daran, wie das bei einer Organentnahme üblich sei. Der Anästhesist stellte sofort einen Abfall des Blutdrucks fest und dem Operateur wurde sein fataler Fehlgriff klar: Er hatte an der Leber statt an der Niere gezogen.

Der Arzt habe die Leber "fehlerhafterweise und unabsichtlich" mit der Niere verwechselt, hieß es im Bericht der Gerichtsmedizin. "Die Leber wurde katastrophal zerrissen und beschädigt, was zum Tod führte."

Vermutlich sei das Bauchfell der Frau verletzt gewesen, so dass die Leber absinken konnte und deshalb überhaupt greifbar war, sagte der Arzt selbst zur Erklärung.

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