Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 27.01.2012

Uniklinik Düsseldorf startet Musiker-Ambulanz

DÜSSELDORF (dpa). Tinnitus, Stimmbänder-Streik, Haltungsschäden, Lampenfieber: Rund 70 Prozent der Musiker-Profis, Musikpädagogen, Musikstudenten oder Laienmusiker in Deutschland haben im Laufe ihres Lebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Das berichtete das Universitätsklinikum Düsseldorf am Donnerstag. Dort startete nun eine interdisziplinäre Ambulanz für Musikermedizin.

Die Patienten kommen mit ihren Musikinstrumenten zur Untersuchung. Ärzte aus Chirurgie, Neurologie oder Stimmheilkunde behandeln den erkrankten Sänger oder Instrumentalisten und haben dabei Ergo- oder Physiotherapeuten sowie Musikpädagogen mit dabei.

Musizierende Menschen hätten ein hohes Risiko zu erkranken, erklärte Ambulanz-Fachärztin Sabine Kämpf. Eine sehr einseitige Haltung und Belastung und stundenlanges Üben oft schon seit der Kindheit gehörten zu den Hauptgründen.

"Die Musikermedizin wird noch ein bisschen belächelt, ähnlich wie die Sportmedizin in ihrer Anfangsphase."

Arbeit wie im Sport

Tatsächlich leisteten professionelle Musiker aber Höchstleistungssport und hätten mit vielen unterschiedlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen.

Dazu gehören Atemprobleme, Herz-Rhythmus-Störungen, Schwindel, Schwerhörigkeit, Arthrose in den Handgelenken, aber auch Schlafstörungen, Versagens- und Bühnenangst.

Zwar gibt es laut Projektkoordinator Wolfram Goertz eine Handvoll spezialisierter Einrichtungen hierzulande. Trotz des großen Bedarfs werde Musikern aber bislang sonst noch nirgendwo ein derartiges interdisziplinäres Angebot in einer Uniklinik gemacht.

Dabei habe die Kulturnation Deutschland die meisten Musiker weltweit, betonte der Musikpädagoge und Journalist. Vielen Ratsuchenden könne man in der Ambulanz möglicherweise mit einfachen Mitteln wie Haltungstipps weiterhelfen.

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

"Ärzte Zeitung" und AOK suchen einen Landarzt

"Landarzt gesucht" - unter diesem Motto suchen die "Ärzte Zeitung" und der AOK-Bundes­verband für die Gemeinde Woldegk in Mecklenburg einen neuen Hausarzt. Im Interview sprechen der AOK-Chef und der Chef von Springer Medizin über die Hintergründe. mehr »

Bundestag bringt Organspendereform durch

Trotz der zuletzt gewachsenen Kritik: Das Parlament hat die Organspendereform abgesegnet. Nun wird aus der Zustimmungs- eine Entscheidungslösung - und die Kliniken müssen neue Bedingungen erfüllen. mehr »

Ein Jahr nach EHEC: "Viele Ärzte haben gar nicht gemeldet"

Viel wurden die Behörden während der EHEC-Epidemie gescholten. Doch auch an der Basis, bei den Ärzten, lief nicht alles rund. Im Interview zieht der Chef-Epidemiologe vom Robert Koch-Institut, Professor Gérard Krause, Lehren und spricht über selbst ernannte Experten. mehr »