Ärzte Zeitung, 31.01.2012

Ärzte scheuen die Psychiatrie

Ärztemangel auch in der Psychiatrie: Vor allem junge Ärzte haben wenig Interesse an dem Fach - im Gegensatz zum nichtärztlichen Nachwuchs. Hält der Trend an, wird bald auch die ambulante Versorgung gefährdet sein.

Den Psychiatern geht der Nachwuchs aus

Links herum: Immer weniger Ärzte wollen in der Psychiatrie arbeiten.

© biky / imago

BERLIN (HL). Zwei Drittel der psychiatrischen Fachkliniken haben Probleme, offene Stellen im ärztlichen Dienst zu besetzen.

In den psychiatrischen Fachabteilungen von Allgemeinkrankenhäusern sind es 61 Prozent, die unter Ärztemangel leiden.

Das geht aus dem am Dienstag von der Deutschen Krankenhausgesellschaft veröffentlichten "DKI-PSYCHiatrie-Barometer 2011" hervor. Die Ergebnisse beruhen auf einer Vollerhebung in den betreffenden 178 Kliniken im Frühsommer 2011.

Zusammengestellt werden darin Strukturdaten der Einrichtungen, ihre diagnostischen und medizinisch-therapeutischen Angebote, die Zusammenarbeit mit ambulanten Leistungserbringern auch im Rahmen der integrierten Versorgung und die Vorbereitung auf das neue Entgeltsystem.

Als politisches Alarmsignal dürften die Probleme gelten, die die Krankenhäuser mit der Besetzung von Arztstellen haben.

Im Durchschnitt fehlen in den Fachkrankenhäusern mit Unterbesetzung drei Ärzte, wobei der Maßstab der Stellenplan, nicht jedoch der objektiv gemessene Bedarf an ärztlichen Mitarbeitern ist.

In den durchweg kleineren Abteilungen der Allgemeinkliniken sind 2,1 Stellen nicht besetzt. Im Durchschnitt aller betroffenen Einrichtungen sind zehn Prozent der Arztstellen frei.

Verschärfung des Facharztmangels

Hochgerechnet auf alle psychiatrischen Einrichtungen, also auch diejenigen, die im Moment keinen Personalmangel haben, sind 5,8 Prozent der Arztstellen unbesetzt.

Die Psychiatrie gehöre damit zu den Fachgebieten mit dem höchsten Ärztemangel in Krankenhäusern. Der ist in den Allgemeinkrankenhäusern etwas ausgeprägter als in den Fachkliniken.

42 Prozent der offenen Arztstellen entfallen auf Fachärzte mit abgeschlossener Weiterbildung. Besonders stark gesucht sind allerdings Assistenzärzte oder Ärzte in der Weiterbildung: auf sie entfallen 58 Prozent der vakanten Stellen.

Es mangelt also vor allem an jüngeren Ärzten, die offenbar ein nur geringes Interesse an einer Weiterbildung in der Psychiatrie haben.

Das wiederum bedeutet, dass sich künftig der Mangel an Fachärzten verschärfen könnte - dann auch mit Auswirkungen auf die ambulante psychiatrische Versorgung.

Kaum Probleme in anderen Berufen

Deutlich entspannter ist die Personalsituation bei den nichtärztlichen Fachberufen. Mit Besetzungsproblemen im Pflegedienst haben 28 Prozent der psychiatrischen Fachkliniken und 17,2 der Allgemeinkrankenhäuser mit Fachabteilungen zu kämpfen.

Dort sind zwei oder drei Prozent der Stellen im Pflegedienst nicht besetzt. Hochgerechnet auf die Grundgesamtheit sind lediglich ein Prozent der Stellen offen.

Kaum Probleme gibt es mit der Besetzung von Stellen für psychologische Psychotherapeuten und Psychologen. Lediglich ein Prozent der Stellen ist, hochgerechnet auf die Grundgesamtheit, noch vakant.

Auch in den pädagogischen Berufen - das sind Heilerziehungspfleger, Heilpädagogen und Sozialpädagogen sowie Sozialarbeiter - haben Kliniken wenig Probleme, Mitarbeiter zu finden.

[02.02.2012, 10:56:10]
Dr. Joseph Schmitt 
Aerzte scheuen Psychiatrie
Nach 25 Berufsjahren als engagierter Psychiater kann ich nur sagen Hände weg von dieser Weiterbildung erhebliche psychische und körperliche Belstung, ein grosser Teil der Allgemeinärzte hält sich sesbst für den Psychiater, hält ihn also für èberflüssig.
Dazu kommt miese Bezahlung psychiatrischer Tätigkeit bei ständiger Weiterbildung durch zunehmendes Wissen im Fachgebiet.
Von der mangelnden Akzteptanz durch die Aerzteschaft nach dem noch weit verbreiteten Motto "Wer Psychiater wird, muss selber eine Klatsche haben"
ganz zu schweigen. zum Beitrag »
[02.02.2012, 00:00:33]
Ingo-Wolf Kittel 
Womit das nachgelassene Interesse von jungen Ärzten an der Psychiatrie wohl zu tun hat?
Wollen vielleicht selbst so wenig psychologisch ausgebildete Personen wie angehende Ärzte Patienten nicht bloss als neuronengesteuerte Hirnanhängsel und ihre Probleme als hypothetische Transmitterungleichgewichte ansehen?  zum Beitrag »

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