Ärzte Zeitung, 19.02.2012

Bremer Frühchen-Skandal: Klinik ohne Hygiene-Chef?

Nach dem Tod von drei Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte war er der erste, der seinen Hut nehmen musste: der Hygienebeauftragte Huppertz. Doch jetzt stellt sich heraus, dass er zu dem Zeitpunkt das Amt offenbar gar nicht mehr inne hatte.

Bremer Frühchen-Skandal: Klinik ohne Hygiene-Chef?

Wiedereröffnete Frühchen-Station in Bremen: Immer neue Fragen.

© Carmen Jaspersen / dpa

BREMEN (cben). Das Klinikum Bremen-Mitte (KBM) war zur Zeit des Todes dreier Frühchen im vergangenen Herbst offenbar ohne offiziellen Hygienebeauftragten.

Das hat die Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses am Donnerstag ergeben. Der von der Klinikleitung entlassene Chefarzt und stellvertretende medizinische Geschäftsführer, Professor Hans-Iko Huppertz, war offiziell nicht mehr für die Hygiene in der Frühchenstation zuständig.

Wie Karen Matiszick, Sprecherin der Klinikträgerin "Gesundheit Nord" (GeNo) bestätigte, ist die schriftliche Vereinbarung mit Huppertz als Hygienebeauftragter am 31. März 2011 ausgelaufen. Das war vor der Infektionswelle im letzten Jahr.

"De facto hat Professor Huppertz das Amt aber ausgeübt", erklärt Matiszick, "sonst wäre er selber nicht im November von diesem Amt zurück getreten."

Schweigen im Ausschuss

Die Kündigung Huppertz bleibe bestehen, erklärte die Sprecherin. Huppertz war von der Klinikleitung Mitte November auch als Chefarzt entlassen worden.

Es habe sich gezeigt, "dass eine Weiterbeschäftigung mit dem hohen Qualitätsanspruch des Klinikums Bremen-Mitte und des gesamten Klinikverbunds Gesundheit Nord nicht vereinbar ist", hatte das Klinikum die Entlassung damals begründet.

Dieser Qualitätsanspruch wurde allerdings in der Sitzung des Untersuchungsausschusses erschüttert. Schon der Jahresbericht zur "Krankenhaushygiene 2010" verzeichnet, dass ein Viertel der vorgeschriebenen Hygienekontrollen nicht stattgefunden hat.

Während der Infektionswelle haben sich Ärzte und Personal zudem mehrfach an die Klinikleitung gewandt und über zu wenig Personal geklagt.

Im Ausschuss wurden die Geschäftsführer des Klinikums befragt. Zu den meisten Fragen schwiegen sie, um sich selber nicht zu belasten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »