Ärzte Zeitung, 23.02.2012

Kliniken planen Medizinfakultät in Brandenburg

In Brandenburg soll noch in diesem Jahr eine eigene medizinische Fakultät entstehen. Damit wollen die Initiatoren Ärztenachwuchs für das Flächenland gewinnen.

Von Eugenie Wulfert

BERLIN. Der "Verbund christlicher Kliniken Brandenburg" plant den Aufbau einer privatwirtschaftlichen medizinischen Fakultät in Brandenburg. "Bereits jetzt fehlen in Brandenburg Fachärzte", sagt Professor Johannes Albes, Leiter der Herzchirurgie am Immanuel Klinikum Bernau und Sprecher der Initiative.

Die Initiatoren zeigen sich überzeugt, dass eine eigene medizinische Fakultät helfen wird, Medizinernachwuchs für das Flächenland zu gewinnen. "Es ist bekannt, dass junge Ärzte häufig dort bleiben, wo sie ausgebildet wurden und wo ihnen beste Karrierechancen geboten werden", begründet Albes das Vorhaben.

Private Investoren sollen den Aufbau der Medizinfakultät finanzieren. Zunächst sollen jedes Jahr 75 bis 100 Studenten ihr Medizinstudium in Brandenburg aufnehmen können. Als Studiengebühren würden jährlich um die 10.000 Euro anfallen.

"Für diejenigen, die sich das nicht leisten können, haben wir bereits andere Finanzierungsmodelle wie Stipendien oder günstige Kredite vorgesehen", erklärt Albes.

Die ersten Studierenden sollen bereits im Herbst 2012 ihr Studium beginnen. "Das ist zwar ein wirklich ambitioniertes Ziel. Wir liegen aber gut im Plan", zeigt er sich zuversichtlich.

Verhandlungen mit drei potenziellen Partnerunis

Die Studenten werden den Initiatoren zufolge in den 13 Krankenhäusern des Verbunds und weiteren interessierten Kliniken am Patientenbett ausgebildet. Da nicht jede beteiligte Klinik über alle Fachabteilungen verfügt, müssen zukünftige Studenten sich darauf einstellen, im Laufe der fünfjährigen Studienzeit öfter den Wohnort wechseln zu müssen.

Der administrative Sitz der medizinischen Fakultät wird laut Albes Frankfurt an der Oder.

Um akademische Titel vergeben zu können, werde die geplante Hochschule mit einer Universität aus dem EU-Raum kooperieren. Zurzeit laufen nach Angaben von Albes Verhandlungen mit drei potenziellen Partneruniversitäten.

"Die Studierenden werden nach dem Curriculum der Partneruniversität ausgebildet und werden Ärzte nach dem Recht des Herkunftslandes der Universität", erklärte Albes. Dank EU-Recht sei dies für den späteren Berufsweg in Deutschland unproblematisch.

Einziges Flächenland ohne eigenen medizinische Fakultät

Brandenburg hat als einziges Flächenland keine eigene medizinische Fakultät. Der Wissenschaftsrat hatte Anfang der 1990er Jahre empfohlen, kein Medizinstudium in Brandenburg anzusiedeln, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Der Ärztenachwuchs soll aus Berlin kommen.

Dort würde es ausreichend Studienangebote für die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg geben, meint das zuständige Wissenschaftsministerium in Brandenburg.

Eine Zustimmung des Landes ist bei Niederlassung einer im Herkunftsland anerkannten europäischen Universität nicht erforderlich. Ähnliche Einrichtungen existieren bereits in Hamburg und Kassel.

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