Ärzte Zeitung, 01.04.2012

Akute Geldnot? Krankenhäuser schlagen Alarm

BERLIN (dpa/sun). Der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst mit einer Lohnsteigerung um mehr als sechs Prozent in zwei Jahren alarmiert die Krankenhäuser.

Akute Geldnot? Krankenhäuser schlagen Alarm

Dänzer: Können die Lohnsteigerungen nicht mehr bezahlen.

© DKG

"Es geht nicht mehr anders, die Krankenhäuser können die Lohnsteigerungen nicht mehr zahlen", sagte Alfred Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag in Berlin.

"Die Kliniken brauchen schnelle finanzielle Hilfe, sonst geraten 20.000 Arbeitsplätze ebenso in Gefahr wie die bisher international als hochwertig anerkannte Patientenversorgung", sagte Dänzer.

Er forderte die Regierungskoalition auf, die steigenden Tariflöhne auszugleichen. "Wir müssen leider die Gesundheitspolitiker daran erinnern, dass die Menschen uns in jedem Fall vor Ort brauchen und da auch haben wollen", sagte Dänzer.

"Passiert hier nichts, dann werden immer mehr Krankenhäuser zumachen, weitere Stationen geschlossen, und das Versorgungsangebot wird immer stärker ausgedünnt."

"Es ist viel Geld in den Krankenhaussektor geflossen, zwölf Milliarden Euro mehr seit 2005", hielt die parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" dagegen.

Daher müsse man sich auch die Mengenentwicklung in den Kliniken anschauen. Die höheren Fallzahlen könnten nicht nur durch mehr Morbidität erklärt werden, so Widmann-Mauz.

Auch der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen wies die Forderung der DKG nach mehr Geld zurück.

"Wenn man den Klinikvertretern so zuhört, könnte man denken, dass die Kliniken unter Einnahmekürzungen leider würden. Tatsache ist aber, dass sie allein in diesem Jahr 2,5 Milliarden Euro zusätzlich aus den Portemonnaies der Beitragszahler und damit über 60 Milliarden Euro insgesamt erhalten", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz.

Kampagne zur Klinikfinanzierung

Mit den Geldern müsse "jetzt sorgfältig gewirtschaftet werden, statt gleich schon wieder nach noch mehr Geld zu rufen".

Nach Dänzers Worten versorgen mehr als eine Million Mitarbeiter 18 Millionen Menschen stationär. Fast 19 Millionen kämen zur ambulanten Behandlung in die Kliniken. "Aus der Koalition gibt es viele Vorschläge, wohin mit den Kassenüberschüssen von 20 Milliarden Euro", sagte Dänzer.

"Unsere Ärzte und Pflegekräfte aber laufen am Anschlag." Sie sollten an der Lohnentwicklung teilhaben. Dies müsse aber finanziert werden.

Die Kliniken wollten ihre Anliegen nun in den Krankenhäusern selbst und an zentralen Orten deutlich machen, etwa am 25. April in Düsseldorf in einer Großveranstaltung. Auch in Zeitungsanzeigen solle die Politik um Hilfe gebeten werden.

"Wie sollen wir denn immer öfter so etwas wie die EHEC-Krise oder Grippewellen mit immer höheren Qualitätsstandards bekämpfen, wenn es dafür gleichzeitig kein Geld gibt?"

GKV-Sprecher Lanz konterte: "Wenn 80 Prozent der Kliniken schwarze Zahlen schreiben und teilweise satte Gewinne machen, dann kann es wohl kaum ein generelles Finanzierungsproblem geben."

Von den Krankenhausverbänden kämen nur selten Vorschläge, "wie die veralteten Versorgungsstrukturen für die Patienten verbessert werden sollen".

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