Ärzte Zeitung, 08.05.2012

Fußball-EM: Medizintechnik steht für alle Notfälle bereit

Die Fußball-EM steht an. Hier brillieren nicht nur Kicker. Im Ernstfall muss sich auch die Medizintechnik beweisen.

Von Matthias Wallenfels

BERLIN. In einem Monat ist es soweit: Am 8. Juni startet die Fußball-Europameisterschaft, gemeinsam ausgetragen von Polen und der Ukraine. Dann stehen nicht nur die Nationalmannschaften und die Schiedsrichter vor großen Herausforderungen.

Da es zumindest auf dem Rasen hart zur Sache gehen dürfte, ist auch die Medizintechnik gefragt - für die Notfallversorgung am Spielfeldrand oder in der Kabine. Darauf weist der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hin und gibt einen aktuellen Überblick über die Ausstattung von Physiotherapeuten und Mannschaftsärzten.

Physiotherapeuten dürfen zuerst ran

Traditionell werden Muskeln, Sehnen und Bänder der Spieler stark belastet. Kommt es zu Verletzungen, ist eine optimale Erstversorgung gefragt. Je schneller sie behandelt werden, desto besser verläuft der Heilungsprozess.

Ist die Verletzung noch recht glimpflich, ist sie eine Sache für die Phyiotherapeuten vor Ort. Hier kommen dann die gängigen Medizinprodukte wie Erste-Hilfe-Sprays, Kompressen, Wundschnellverbände, Sport-Bandagen und -Tapes, Augenkompressen und -klappen, aber auch Beatmungsmasken und Atemspendegeräte zum Einsatz.

Erweisen sich zum Beispiel ein missglücktes Kopfballduell oder ein grobes Foul als ernstere Verletzung, so müssen die Mannschaftsärzte ans Werk. Auch im Arztkoffer sind jede Menge Medizinprodukte.

Jede Menge Medizintechnik im Arztkoffer

Laut BVMed konnte der DFB-Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bei seinem Einsatz im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zum Beispiel auf Laryngoskope, Guedel-Tubus, Sauerstoffflaschen, Beatmungsbeutel, Absaugpumpen, Infusionsflaschen samt Besteck, Stethoskope und Skalpelle zurückgreifen, um verletzte Spieler am Spielfeldrand oder in der Kabine zu versorgen.

Weitere Medizinprodukte für den Fall der Fälle sind Hautkleber für kleinere Kopfplatzwunden und Hautklammergeräte für die größeren sowie blutstillende Produkte oder Hautverschlussstreifen, die bei kleineren Hautverletzungen zum Einsatz kommen.

Stadien sind ausgestattet wie Notfallambulanzen

Laut BVMed verfügen die Stadien dieser Großereignisse wie Fußball-Welt- oder -Europameisterschaften jeweils über einen eigenen Sanitätsbereich, der von der Ausstattung her einer Notfallambulanz in einer Klinik ähnelt. Außerdem würden in jedem Stadion Rettungsfahrzeuge vorgehalten, die unter anderem mit einem Defibrillator ausgestattet sind, um Spieler im Falle eines plötzlichen Herztodes reanimieren zu können.

Vorgesorgt ist auch für den Fall, dass die Wiederbelebungsversuche erfolglos sind oder nach der Reanimation keine Pumpleistung des Herzens erfolgt. Hier komme mit der mobilen Herz-Lungen-Maschine eine innovative Medizintechnologie zum Zuge, die den betreffenden Profi-Fußballer für den sicheren Abtransport in ein geeignetes Krankenhaus stabilisieren könne.

Medizintechnik kommt nach Angaben des BVMed aber auch schon weit im Vorfeld von EM oder WM zum Einsatz - zur Prävention. So könne zum Beispiel ein implantierbarer Cardioverter Defibrillator (ICD) dem plötzlichen Herztod vorbeugen, dem durch Kammerflimmern ausgelösten Kreislaufstillstand.

Werde eine gefährliche Herzrhythmusstörung erkannt, so gebe der im Brustbereich unter der Haut implantierte ICD einen Gleichstromimpuls ab, der den regelmäßigen Herzschlag wiederherstellen hilft.

Weit weniger spektakulär und technologisch anspruchsvoll ist die vorbeugende Behandlung leichterer Verletzungen oder abklingender schwerer Traumata mit Medizinprodukten wie Bandagen oder Tapes zur Gelenkstabilisierung.

Höchstes VerletzungsrisikoGelenke für Gelenke

Zu den höchsten Verletzungsrisiken auf dem Spielfeld zählen bei der bevorstehenden EM in Polen und der Ukraine laut BVMed Kreuzbandverletzungen, Meniskus- und Knorpelverletzungen, Schulterverletzungen wie Luxationen, aber auch Hüftverletzungen, wie Knochensplitter im Gelenkspalt oder Labrumverletzungen, sowie Handgelenksverletzungen.

Passiert ein Malheur auf dem Platz, so erweist sich die Medizintechnik auch in der Klinik als steter Begleiter: Hier geht die Behandlung zum Beispiel mit modernen bildgebenden Verfahren weiter.

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