Ärzte Zeitung, 11.05.2012

Auf dem Weg zur Klinik mit "salutogenetischem Design"

Gesundheitsfördernde Aspekte sollten beim Klinikbau künftig dominieren, fordern Ärzte und Architekten.

Von Matthias Wallenfels

BERLIN. Das Gesundheitswesen beschäftige sich bis dato zu sehr mit pathogenetischen Faktoren, den Ursprüngen und der Behandlung von Krankheiten. Viel wichtiger sei es aber, sich auf gesundheitsfördernde Aspekte zu konzentrieren.

Dieser Ansicht ist zumindest der Arzt und Architekt Alan Dilani. Die internationale Fachmesse Hospital Build Europe in Berlin wählte der Leiter der International Academy for Design and Health nach deren Angaben jüngst als Forum, um bei Gesundheitsmanagern für ein Umdenken im Gesundheitsbau zu werben.

"Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern Wohlbefinden - nach dieser These sollten Architekten Häuser errichten", appellierte er an die Kongressbesucher.

Licht, Farben, Wasser und Grünflächen gehören dazu

Nach Dilanis Vorstellung gehören zu einem gesundheitsfördernden Klinikgebäude ein lichtdurchfluteter Eingangsbereich, grüne Flächen, Wasserelemente, Orientierungshilfen durch Farben, in den Boden eingelassene Wegweiser, aber auch Kunst.

"Ist die Zimmerdecke in einem Aufwachraum hübsch bemalt, können sogar Schmerzen der hier liegenden Patienten gelindert werden", erläuterte Dilani einen Vorzug seines "salutogenetischen Designs".

Der Architekt Albert Wimmer ging auf der Fachmesse die Sache mit dem Klinikbau noch radikaler an und mahnte, das Wort "Krankenhaus" möglichst zu vermeiden. "Wir sprechen intern immer lieber von einem Gesundheitsquartier", erläuterte er seinen Ansatz.

In seinem aktuellen Projekt, dem Neubau des Spitals Wien Nord, hat er nach Messeangaben neben einer weitläufigen Parkanlage mit Wasserspielen und Therapiegärten auch verglaste Atrien und eine Piazza eingeplant.

"Sie ist ein bisschen dem Markusplatz in Venedig nachempfunden - hier soll sich das öffentliche Stadtleben abspielen", ergänzte er.

Klinikpersonal hat beim Neubau ein Mitspracherecht

"Dem Personal jener sechs Kliniken, die nach der Fertigstellung des Neubaus geschlossen und hier neu zusammengefasst werden sollen, hat der Träger, der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), ein hohes Mitspracherecht eingeräumt", so Wimmer.

250 Fachkräfte hätten sich in 56 themenbezogenen Teams zusammengefunden, um in mehr als 700 Sitzungen Arbeitsprozesse zu besprechen, Veränderungen zu diskutieren sowie eigene Ideen einzubringen.

Zwar stoße man als Klinikbetreiber dabei schon mal an "psychosoziale Schwellen", wie Thomas Pankl vom KAV sagte, "aber wir haben sogar jeden Plan von den Nutzern per Unterschrift freigeben lassen."

Tristes Klinik-Ambiente ist auch für das belgische Architekturbüro VK ein Tabu. "Wir versuchen einfach, jegliches Krankenhausgefühl zu vermeiden", verdeutlichte Stéphane Vermeulen, bei VK Leiter des Bereichs Healthcare, in Berlin.

Konkret integriere VK in Kliniken zum Beispiel einen boulevardähnlichen Gang mit Bäckereien, einen kleinen Markt oder ein Blumengeschäft. Auch Licht spiele eine dominierende Rolle.

"Wir bauen ganze Hauswände aus fotovoltaischen Zellen, die das Sonnenlicht aufnehmen und weiterleiten", so Vermeulen. Die Strategie scheint für VK aufzugehen.

40 Prozent des Umsatzes mit Gesundheitsimmobilien

Denn das Architekturbüro, das nach Messeangaben unter anderem beim Bau des vielfach prämierten Gerichtshofs in Antwerpen mitgewirkt hat und aktuell an der Errichtung des neuen NATO-Hauptquartiers in Brüssel beteiligt ist, macht mittlerweile 40 Prozent seines Umsatzes mit der Konstruktion und Renovierung von Gesundheitsimmobilien.

Auch den Aspekt der Nachhaltigkeit dürften Klinikbetreiber nicht aus den Augen verlieren, konstatierte VK-Marketing-Manager Serge Cappon: "Krankenhäuser müssen heute nachhaltig gebaut sein."

Er kritisierte in Berlin, dass viel zu oft nur über die vermeintlich hohen Baukosten geredet würde, ohne diese jedoch in Vergleich zu den operativen Kosten zu setzen.

"Dabei können im laufenden Betrieb später viel Energiekosten gespart werden, wenn man vorher in entsprechende Baumaßnahmen investiert hat."

Zu diesen zählten die geothermale Energie, Fotovoltaik, Wärmerückgewinnung oder die Nutzung von Regenwasser.

Vielen Klinikmanagern sei nicht bewusst, dass die später reduzierten Betriebskosten gut kalkulierbar seien. "Hier muss ein Umdenken stattfinden", forderte Cappon.

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