Ärzte Zeitung, 04.06.2012

Uniklinik Leipzig: Probleme mit gefährlichen Keimen

Über 60 Patienten haben sich in den vergangenen beiden Jahren am Uniklinikum Leipzig mit multiresistenden Keimen infiziert. Jeder Zweite ist mittlerweile tot. Ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist noch unklar.

Uniklinik Leipzig kämpft gegen Klinikkeim

Wo sind die Klebsiellen? Bakterienkulturen am Uniklinikum Leipzig.

© Hendrik Schmidt / dpa

LEIPZIG (tt). Fast jeder zweite Patient, der am Uniklinikum Leipzig in den vergangenen beiden Jahren multiresistente Klebsiella pneumoniae befallen wurde, ist inzwischen gestorben.

Die Bakterien bilden Beta-Laktamasen vom Typ KPC (Carbapenemase-produzierende Klebsiella pneumoniae).

Professor Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Klinikums, erklärte jetzt nach einer "gründlichen Aufarbeitung aller Daten aus den zurückliegenden zwei Jahren", dass in dieser Zeit inklusive zweier neuer Fälle sich 63 Patienten infiziert haben.

"Die Untersuchungen haben weiterhin ergeben, dass 30 Patienten, bei denen KPC nachgewiesen wurde, in der Zwischenzeit verstorben sind", so Fleig.

Er betonte, dass "Aussagen zu einem ursächlichen Zusammenhang medizinisch extrem schwierig" seien.

Derzeit würde ein Team von vier Experten die Krankheitsverläufe untersuchen; unterstützt werden sie dabei vom Robert Koch-Institut, das vom Freistaat eingeladen wurde.

Schnelltests bei der Aufnahme

In der vergangenen Woche musste das Klinikum einräumen, dass in den vergangenen beiden Jahren auffällig viele Patienten aus dem Klinikum mit dem KPC-Keim infiziert wurden.

Die Klinikleitung äußerte die Vermutung, dass die Klebsiellen von außerhalb ins Haus geschleppt wurde. Jetzt wurde angekündigt, dass die Hygienemaßnahmen in der Klinik verschärft werden sollen.

So würden ab sofort "alle auf die Intensivstationen und über die Zentrale Notaufnahme aus anderen Krankenhäusern aufgenommenen Patienten bereits bei Aufnahme auf KPC untersucht".

Das geschehe mit Hilfe eines PCR-Schnelltests. Solange eine Infektion nicht ausgeschlossen werden könne, blieben die Patienten isoliert. Bereits jetzt seien befallene Patienten "und Kontaktpatienten, bei denen der Keim noch nicht ausgeschlossen ist", isoliert.

Auch die Mitarbeiter werden getestet. Gleichzeitig wurde betont, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass Personal als Übertragungsquelle in Frage komme.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »