Ärzte Zeitung online, 08.06.2012

Fallpauschalen: Unikliniken fordern Ausnahmeregelung

Den 36 deutschen Universitätklinika stehen schwierige Zeiten bevor, prognostiziert der Medizinische Fakultätentag (MFT). Die Begründung: Die Hochleistungsmedizin werde im DRG-System nicht richtig abgebildet. Jetzt will der MFT einen eigenen Zuschlag.

Von Rebecca Beerheide

Fallpauschalen: Unikliniken fordern Ausnahmeregelung

Eine Art Finanzspritze in Form eines Verzögerungszuschlags wünschen sich die Universitätsklinika.

© Uwe Bumann / Fotolia

GÖTTINGEN. Der Medizinische Fakultätentag (MFT) hat die Bedeutung der Universitätsmedizin für die medizinische, aber auch regionale Entwicklung der jeweiligen Standorte betont.

Auf der Jahrestagung in Göttingen sprachen sich die Fakultätsvertreter dafür aus, gegenüber den Länderministerien stärker die Funktion der Unikliniken als regionaler Arbeitgeber sowie als Motor für medizinische Innovationen zu betonen.

"Wir sind zwar klein an Zahl, doch groß in der Leistung", sagte Professor Dieter Bitter-Suermann, Präsident des MFT und Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover in Göttingen.

Immer mehr defizitär arbeitende Unikliniken

Trotz der Leistung - im aktuellen Klinik-Ranking der Zeitschrift "Focus" stehen an 24 Positionen Unikliniken an der Spitze - sieht der MFT-Präsident allerdings "dunkle Wolken am Himmel".

So steige die Zahl der Unikliniken, die ein negatives Betriebsergebnis vorweisen. Während 2010 bereits 21 Prozent der Kliniken rote Zahlen geschrieben hätten, seien es 2011 noch zwei Prozent mehr gewesen. Und die Zahl der defizitär arbeitenden Unikliniken werde weiter steigen.

Allein drei Kliniken kämpften mit Verlusten, die durch die EHEC-Krise im vergangenen Jahr entstanden seien. Da Unikliniken Patienten mit oft schweren Krankheitsverläufen versorgen, liefen sie Gefahr, innerhalb des Fallpauschalensystems nicht mehr kostendeckend arbeiten zu können.

Nach zehn Jahren DRG-System müssten nun die Bedarfe der Unikliniken besser ins System eingefügt werden, so der MFT.

"Verzögerungszuschlag" gefordert

Die Vertreter des MFT forderten nachdrücklich, im DRG-System einen "Verzögerungszuschlag" für Universitätskliniken einzufügen. Dieser Zuschlag soll die besonderen Anforderungen an Forschung und Lehre im Klinikalltag abbilden.

Beispielsweise können Operationen oder Behandlungen länger dauern, da Assistenten oder Studenten die Abläufe erklärt werden müssen, erläuterte Professor Heyo Kroemer, Vizepräsident des MFT. Alle Staaten, die das DRG-System eingeführt hätten, hätten auch eine Universitätskomponente, erklärte Professor Klaus-Michael Debatin, Vizepräsident der Universität Ulm für Medizin.

Zu einer engen Zusammenarbeit bei diesem Thema forderte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, die Fakultäten auf. "Wir müssen zu gemeinsamen Positionen kommen, bevor die Parteien ihre Wahlprogramme schreiben. Dann kommen sie an uns nicht mehr vorbei", sagte Montgomery in Göttingen.

Nach der heftig diskutieren Novelle der Approbationsordnung gebe es nun eine Reihe von Problemen bei der Umsetzung der Details, erklärte MFT-Präsident Bitter-Suermann. So müsse die Mobilität im PJ organisiert werden und es müssten Plätze für Blockpraktika in der Allgemeinmedizin bereit gestellt werden.

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