Ärzte Zeitung, 17.10.2012

Sachsen

Sag mir, wo die Klinik-Ärzte sind

In der sächsischen Provinz haben die Kliniken große Probleme, geeignete Mitarbeiter zu gewinnen. Das Problem: Viele Häuser kümmern sich nicht um Personalgewinn. Dabei gibt es ein positives Beispiel "mitten im Nirgendwo".

Von Thomas Trappe

Sag mir, wo die Klinik-Ärzte sind

Leerer Flur eines Krankenhauses. Vor allem in Ostdeutschland tun sich Krankenhäuser im Werben um Ärzte schwer.

© Castelli / shutterstock.com

LEIPZIG. Klinikbetreiber in der sächsischen Provinz müssen dringend mittel- und langfristige Konzepte zur Mitarbeitergewinnung entwickeln, um überlebensfähig zu sein.

Das sei Voraussetzung für das Überleben dieser Häuser, so die Auffassung der Arbeitsrechtlerin Dr. Andrea Benkendorff, die beim jüngsten Krankenhausrechtstag in Leipzig zum Thema sprach.

Andrea Benkendorff, Partnerin in der Dresdner Kanzlei Battke Grünberg PartG, berät Kliniken in ganz Ostdeutschland - in den wenigsten Fällen sei ein komplettes Konzept erkennbar, wie dem Fachkräftemangel begegnet werden kann.

"Viele Kliniken sind überrollt von der täglichen Not und nehmen sich deshalb nicht die Zeit, langfristige Personalstrategien zu entwickeln." Dies bedeute fast zwangsläufig, dass die Existenz vieler Kliniken auf dem Spiel stehe.

Laut Benkendorff wird in den meisten Kliniken auf dem Land der Personalbedarf akut gedeckt. Dieses Auf-Sicht-fahren funktioniere aber nicht mehr, "weil die Fluktuation das vorhandene Personal einer hohen Belastung aussetzt und damit frustriert."

Einfache Konzepte für Nachwuchs

Als Positivbeispiel erwähnte die Juristin eine Klinik im Vogtlandkreis. "Die liegt mitten im Nirgendwo. Trotzdem hat die Klinik keine Probleme, Personal zu finden und zu halten."

Vertreter der Klinik würden regelmäßig an den Schulen der Gegend werben, Medizinstudenten bekämen Darlehen, wenn sie sich verpflichteten, später in der Klinik anzufangen und so die Schulden abzuarbeiten.

"Das sind einfache Konzepte. Aber die meisten Kliniken machen so etwas nicht." Stattdessen würden offene Stellen oft hektisch mit ausländischen Ärzten "ohne hinreichende Sprachkenntnis" ersetzt.

Immer wieder wird von Ärztevertretern darauf hingewiesen, dass eine Anstellung in ländlichen Regionen für angehende Mediziner aufgrund der Abgeschiedenheit unattraktiv ist - Benkendorff hält das für einen Trugschluss.

Oft würden die falschen Adressaten für Angebote gewählt, meint sie. "Auf einen Mediziner, der aus dem Vogtland kommt, wirkt das Vogtland nicht provinziell."

Auch Ärzte, die eine Familie gründen wollen, könnten sich durchaus für ländliche Regionen begeistern, würden ihnen die Vorzüge deutlich gemacht. "Das Leben dort ist günstiger als in der Stadt, die Kinderbetreuung unkomplizierter, das sind starke Argumente."

Arbeitsrechts im Sinne des Arbeitnehmers verstehen

Benkendorff plädiert unter anderem dafür, sogenannte Relocation-Services an ländlichen Kliniken einzurichten. Diese kümmern sich darum, dass neue Kollegen und ihre Familien einen leichten Start am neuen Wohn- und Arbeitsplatz haben; zum Beispiel mit der Vermittlung von Kita- oder Schulplätzen oder Jobs für Partner.

Auch kleine Maßnahmen seien hilfreich, zum Beispiel Ferienprogramme für Kinder oder eine Pinnwand für Elternangebote. "Das kostet nichts und sorgt für gute Kollegialität."

In ihrem Vortrag ging Benkendorff auch auf die Möglichkeit ein, mit der sogenannten kapazitätsorientierten variablen Arbeitszeit im Vertrag eine Mindestarbeitsstundenzahl festzuhalten und gleichzeitig die Möglichkeit, diese auf Arbeitgeberwunsch hin zu erhöhen.

Dies sei zwar ein verlockendes Instrument, "den Ärzten das Äußerste abzuverlangen und Engpässe zu überwinden" -aber letztlich werde man damit zum unattraktiven Arbeitgeber.

Generell gelte: "Das Arbeitsrecht gibt viel her", es sollte aber vor allem im Sinne des Arbeitnehmers verstanden werden. "Denn wenn der Arzt nicht gerne in der Klinik arbeitet, wird er nicht zu halten sein."

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