Ärzte Zeitung, 30.10.2012

Klinikchef im Wandel

Abnehmendes Interesse an Zuweisern?

Die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten brennt Klinikmanagern in Deutschland nicht mehr so sehr unter den Nägeln wie früher. Wie eine aktuelle Studie zeigt, sehen vor allem Chefs öffentlicher Kliniken die Kooperation mit Zuweisern nicht unbedingt als Chefsache an.

Von Matthias Wallenfels

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Interesse an den Zuweisern? Bei den Klinikchef sinkt es.

© Julián Rovagnati / shutterstock

NEU-ISENBURG. Klinikchefs sind mit vielen konkurrierenden Themen beschäftigt. Das Personal hat dabei weiterhin erste Priorität.

Wie die aktuelle Studie "Klinikmanagement 2012" der Personalberatung Rochus Mummert in Zusammenarbeit mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung zeigt, ist die Personalfrage für 99 Prozent der 100 befragten Geschäftsführer und Klinikleitungen von öffentlichen, privaten sowie freigemeinnützigen Trägern sehr wichtig oder wichtig.

Im vergangenen Jahr, als die Erhebung erstmals vorgenommen wurde, waren es noch 98 Prozent.

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Rangierte 2011 die Wirtschaftlichkeit für die Klinikmanager mit 94 Prozent auf dem dritten Platz, so schaffte sie es gegenwärtig mit 95 Prozent auf den zweiten.

Auch an Bedeutung gewonnen haben Servicequalität und Kundenzufriedenheit, die von Platz vier (93 Prozent) im vergangenen Jahr auf Rang drei mit 95 Prozent gestiegen sind. Die Prozentzahlen sind laut Rochus und Mummert jeweils gerundet.

In der Prioritätenliste weiter hinten angesiedelt als im Vorjahr ist das medizinische Portfolio, das von Platz zwei (95 Prozent) mit aktuell 85 Prozent auf Platz fünf abgerutscht ist.

Auch die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten ist auf der Agenda der Topthemen bei den befragten Klinikmanagern von Platz fünf (90 Prozent) mit 79 Prozent um elf Punkte abgestürzt (jetzt Rang 7).

Obwohl die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten an Wichtigkeit verloren hat, halten sie 67 Prozent des Klinikführungspersonals für eine Chefsache, nur ein Drittel (33 Prozent) ist laut Umfrage der Meinung, dass die Verantwortung für diesen Themenkomplex an andere im Hause delegiert werden sollte - an wen, darauf gibt die Studie indes keine Antwort.

Aufgesplittet nach Trägerschaft der Krankenhäuser, ergibt sich ein differenziertes Bild. Würden 41 Prozent der Klinikmanager in freigemeinnützigen Häusern die Verantwortung für die Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten in andere Hände legen, so sind es bei den Vertretern der öffentlichen Träger immerhin noch 34 Prozent.

Hingegen betrachten bei den privaten Trägern drei Viertel (76 Prozent) der Klinikmanager die Zusammenarbeit mit den Zuweisern als Chefsache.

Kooperation bei privaten Kliniken wichtiger

Nach Bettenzahl betrachtet, ist die Geschäftsführung von Häusern mit bis zu 250 Betten mit 35 Prozent eher bereit, die Kooperationsangelegenheit zu delegieren. In größeren Häusern liegt der Wert dann nur noch bei 30 Prozent.

Wesentliche Verschiebungen binnen Jahresfrist haben sich bei den einzelnen Trägerarten ergeben, wenn bei den Krankenhausmanagern die Wichtigkeit der Kooperation mit niedergelassenen Ärzten abgefragt wird.

Der gemittelte Verlust um elf Prozentpunkte auf 79 Prozent der Befragten, die die Kooperation für wichtig oder sehr wichtig halten, versperrt den Blick auf zwei gegenläufige Trends.

Denn bei näherer Betrachtung offenbart sich, dass sowohl bei den öffentlichen Trägern die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Zuweisern von 94 Prozent im vergangenen Jahr auf aktuell 76 Prozent gefallen ist, als auch für die Häuser in freigemeinnütziger Trägerschaft der Abfragewert von 92 Prozent um elf Prozentpunkte auf 81 Prozent gesunken ist.

Bei den Kliniken privater Träger konnte die Wichtigkeit der Kooperation mit niedergelassenen Ärzten mit gegenwärtig 79 Prozent um sechs Prozentpunkte zulegen. Zu den Ursachen für diese Verschiebungen machen die Studienautoren keine Angaben.

Eine mögliche Erklärung für die abnehmende Aufmerksamkeit von Seiten der Klinikmanager betreffs der Kooperation mit niedergelassenen Ärzten liegt darin, dass die befragten Manager ihre jeweilige Einrichtung bereits gut aufgestellt sehen.

Auf einer Liste mit Schulnoten rangiert die Kooperation mit einem Notenschnitt von 2,1 an vierter Stelle hinter.

Hier führt das Qualitätsmanagement (2,0), was angesichts der vielen Klinikskandale in den vergangenen Jahren und den öffentlichen wie politischen Reaktionen nicht verwundert. Schlusslicht der Tabelle bildet der Komplex Fusionen und Übernahmen (3,6).

Die Studie legt auch einen systemimmanenten Widerspruch offen: Selbst wenn die Klinikleiter die Kooperation mit Zuweisern zur Chefsache erklären, so attestieren sich nur 63 Prozent der Befragten einen großen oder sehr großen Spielraum, wenn es um die Ausgestaltung der Zusammenarbeit geht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
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