Ärzte Zeitung, 06.11.2012

Ausländische Klinikärzte

Schlechtes Deutsch wird zur Gefahr

Die Klinikdirektoren schlagen Alarm: Ausländische Ärzte werden zunehmend ein Sicherheitsrisiko für Patienten. Der Grund: Mangelnde Sprachkenntnisse.

Mangelnde Sprachkenntnisse werden zur Gefahr

Mit einem Blick ins Wörterbuch ist es oft nicht getan.

© Daniel Ernst / fotolia.com

BERLIN (dpa). Schlechte Deutschkenntnisse vieler ausländischer Ärzte in Deutschlands Krankenhäusern werden zunehmend zu einer Gefahr für die Patienten.

Der Verband der Krankenhausdirektoren schlug am Dienstag Alarm.

"Der Anteil ausländischer Ärzte auf Assistenzebene ist stark gestiegen", sagte Verbandspräsident Josef Düllings in Berlin.

In vielen Häusern in Ost und West liege der Anteil bei über 50 Prozent. Die Fachkenntnisse seien meist gut - die Kliniken stellten die Ärzte aber oft bereits ein, wenn sie noch nicht ausreichende Sprachkenntnisse haben.

"Das wird zum Sicherheitsproblem", sagte Düllings. Die Ärzte kämen etwa aus Syrien, Ägypten, Rumänien, Griechenland oder Spanien. Hintergrund ist der zunehmende Ärztemangel vor allem in kleinen Kliniken.

1800 Mitglieder befragt

49 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser mit weniger als 250 Betten betrachteten es als sehr schwierig, offene Arztstellen zu besetzen, so der Verband.

Insgesamt hätten 37 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser, aber nur sieben Prozent der Universitätskliniken solche Probleme. Der Verband hatte rund 1800 Mitglieder repräsentativ befragt.

Düllings forderte die Länder auf, mehr Plätze fürs Medizinstudium zu schaffen.

Insgesamt ist die Zahl der gemeldeten ausländischen Ärzte laut Bundesärztekammer vergangenes Jahr um 3039 auf 28.355 gestiegen.

Die meisten kommen neben Österreich aus Griechenland (2224), Rumänien (2105) und Polen (1636).

[08.11.2012, 12:28:43]
Bernd Wisotzky 
Zum Artikel " Ausländische Klinikärzte"
Düllings forderte die Länder auf, mehr Plätze fürs Medizinstudium zu schaffen.

Herr Dülling verkennt offenbar Die Situation! Nicht das fehlende Angebot an Studienplätzen ist das Problem , sondern das in Deutschland mangelhafte Angebot an Arbeitsplätzen mit angemessener Vergütung unter attraktiven Arbeitsbedingungen.
Vermutlich würde die Zahl der Studienabgänger auch heute schon ausreichen um den Bedarf an Ärzten zu decken . Unsere in Deutschland gut ausgebildeten Ärzte gehen aus der gleichen Motivation ins Ausland mit der die ausländischen Kollegen zu uns kommen!
Hier wie dort gilt, "...dass diese Kollegen in ihren eigenen Ländern fehlen" !  zum Beitrag »
[07.11.2012, 14:37:47]
Dr. Cornelia Karopka 
Ursache und Wirkung
Wie schön, dass auch die Klinikdirektoren merken, dass man mit der unkontrollierten Anstellung ausländischer Kollegen den Weggang der deutschen Ärzte nur bedingt kompensieren kann. In der Praxis bemerken wir das schon viel länger, wenn wir versuchen, mit einem Klinikkollegen Rücksprache wegen eines Patienten zu halten, ganz abgesehen von den Briefen, die teilweise schon unverständlich sind.
Abgesehen davon, dass diese Kollegen in ihren eigenen Ländern fehlen, dürfte der verstärkte Einsatz fremdsprachiger Kollegen langfristig auch nicht dem Wohle der Patienten dienen, weil ganz abgesehen von den beschriebenen Fehleinschätzungen auch ein wesentlicher Aspekt des Arzt-Patienten-Verhältnisses verloren gehen wird: Vertrauen durch Verstehen und Zuhören. Ob sich das für die GKV wirklich "rechnet"?
Schlussendlich muss ich dem Kollegen Remmler vollständig zustimmen. Und zu wünschen wäre, dass sich nicht nur unsere Kollegen, sondern vor allem politisch Verantwortliche aller Coleur diesen Artikel nebst Kommentaren durchlesen. zum Beitrag »
[07.11.2012, 14:15:00]
Dr. Diethard Friedrich 
Intubation hindert beim Sprechen.
Vor über 40 Jahren betreute ich in Helsinki an der Universitäts-Frauenklinik unter Aufsicht die Intubationsnarkosen.Vorteil: der finnische Patientin konnte nicht sprechen und ich hatte etwas Zeit, die Sprache zu lernen. Als ich dann später eine feste Anstellung anstrebte, wurde von mir eine schriftliche und mündliche staatlich anerkannte Sprachprüfung verlangt.Ohne dieses Dokument keine Anstellung. Das ist auch unbedingt erforderlich. Denn nur so kann man eine vernünftige Anamnese erheben und schützt sich und den Patienten vor Missverständnissen.
Dr. med. Diethard Friedrich zum Beitrag »
[07.11.2012, 09:19:34]
Dr. Václav Stejskal 
Meine Efahrung
1969 arbeitete ich vorübergehend in einem deutschen Sanatorium. Es kam zu mir ein Patient mit komischem Gefühl an der Brust. Obwohl ich nach der Ansicht anderer ziemlich gut Deutsch gesprochen habe, kannte ich nur eine Bedeutung dieses Wortes – lächerlich. Es zeigte sich, dass es noch eine andere gibt – seltsam, befremdlich. Und wirklich war es ein Vorzeichen des Herzinfarkts.  zum Beitrag »
[07.11.2012, 08:58:01]
Dr. Walther J. Kirschner 
Symptom Ärzteschaft-Misere
Geehrte Kollegen,

Herrn Bayer auch von mir besten Dank für die zunächst erheiternde, jedoch nachdenkenswerte Schilderung.

Der von Herrn Remmel transparent gemachte Background der anhaltenden miserablen Situation der deutschen Ärzteschaft und des deutschen Gesundheitswesens ist nicht klarer und besser darstellbar. Respekt und besten Dank dafür!

Es ist zu wünschen, daß sein Beitrag von möglichst vielen Kollegen gelesen wird und daß länger als 3 Sekunden darüber ernsthaft nachgedacht wird.

Kollegiale Grüße

Dr. Walther Kirschner
FA Orthopädie et al.
 zum Beitrag »
[07.11.2012, 08:45:13]
Cornelia Klein-Orth 
Du haben Schmerzen?
Der Beitrag bringt genau das auf den Punkt, was sich viele Klinikmitarbeiter nicht anzusprechen trauen, weil sie sonst als "fremdenfeindlich" gelten. In meiner fast 30-jährigen Berufspraxis (OP- und Notfallambulanz) könnte ich viele solcher Geschichten erzählen, angefangen vom kasachischen Anästhesisten, der kein Wort Deutsch sprach, im "Praktikum" ist und dennoch Narkosemittel verabreichen durfte, bis hin zum ehemaligen Chefarzt aus Kasachstan, der nicht nur schlecht Deutsch sprach, sonder auch das moderne Ultraschallgerät nicht bedienen konnte und sich weigerte bei einem Motorrad-Verunglückten ein weiteres Blutbild zu machen, weil "Chef hat gesagt, erst um 17.00 Uhr"! Nur durch das kluge Eingreifen zweier Schwestern, die den HB Wert eigenverantwortlich bestimmen ließen (4,4!!) wurde der Patient notfallmäßig sofort operiert (Milzruptur).In den USA, England, Neuseeland, Australien und auch in skandinavischen Ländern ist es üblich vor Beginn des Arbeitsvertrages einen Sprachnachweis zu erbringen (z. B. Toefl-Test). Ohne, oder mit wenig Sprachkenntnissen in einem ärztlichen oder pflegerischen Beruf zu arbeiten ist, egal wie gut die Fachkenntnisse sind, ist ein "No-Go". zum Beitrag »
[06.11.2012, 20:31:43]
Dr. Edgar Remmel 
Lieber Kollege Bayer,
besten Dank für die nette und traurig amüsante Anekdote.
Sie geht jedoch sowohl am Artikel als auch an der Klinikrealität vorbei.
Oberärzte die stellen nicht mehr annehmen weil die Assistenten zu schlechtes Deutsch sprechen.
Oberärzte die alle Briefe selbst diktieren weil die Assistenten dank Muttersprache dazu nicht in der Lage sind, und sich auch nicht bemühen wollen, sind Alltag in den Kliniken.
Die Problematik wird aber nicht gelöst indem man noch mehr Medizinstudenten ausbildet.
Die Berufsaussichten für einen Beruf der vielseitiges Engagement erfordert und tief in die eigene Lebensführung eingreift müssen verbessert werden. Erst dann wird sich wieder eine Leistungselite zu diesem Beruf bekennen und nicht in anderen Sparten eine befriedigender Lebensführung finden.
Das unterstellen der Ärzteschaft als Leistungserbringer unter eine Verwaltungsnomenklatura aus Kassen und Politik wird durchaus von der nächsten Generation erkannt und so sucht sie ihre Lebensperspektiven eben eher im Bereich der Nomenklature von 8 bis 17 Uhr als auf der Seite der Ausführungsgehilfen am Wochenede und nachts.
Die Wandlung vom Arzt zum Mediziner hat eben die Konsequenzen dass Menschen die gerne Arzt geworden wären sich nicht für eine Mediziningenieurlaufbahn hergeben wollen. Bis das von den Controllern verstanden wird, dauert aber noch eine weile. zum Beitrag »
[06.11.2012, 16:32:34]
Dr. Karlheinz Bayer 
Schlechtes Deutsch hat viele Aspekte ...

... und der Aspekt, daß es insbesondere die ausländischen Ärzte sind, ist falsch.

Wer das bessere Deutsch spricht, sei dahingestellt. Aber ich gebe ein simples Beispiel, das mir vor einigen Monaten untergekommen ist.

Eine vom Bildungsstand her einfache Frau kam zu mir in die Praxis.
Zuerst war sie bei einem deutschen Kollegen und hat dem von "Schmerzen in der Brust" berichtet. Sie hat genau zugehört, daß der Kollege sagte, man müsse zuerst "das Sputum" untersuchen und dann wäre eine "Übersicht" nötig.

Nichts verstanden!

Die Fachangestellte hat der Frau dann übersetzt, sie müsse "in ein Röhrchen spucken" und bekäme außerdem eine Überweisung zum Röntgen.
Alles klar?

Der Röntgenarzt war dann ein "Ausländer". Genaugenommen ist es ein Deutscher kasachischer Abstammung. Der hat nachgefragt, wo die Schmerzen seien, "in Brust von Schnaufen oder in Brust von Frau?", und dem Kollegen nach der Antwort der Frau geschrieben, die Lunge sei frei, man solle sie aber bitte noch einmal schicken, dann zur Mammographie.

Danach kam die Frau zu mir und sagte, sie wisse jetzt garnicht mehr, was los sei, denn sie solle jetzt zum "Screening" gehen. Überweisungen zur Mammographie zahle die Kasse nicht und Screening sei besser.

Das nächste Gespräch war kurz.
Ich habe nur gefragt, ob es ihr etwas ausmache, den Oberkörper freizumachen. In der Frauen-Brust, da wo sie Schmerzen hatte, fand ich eine derbe Stelle und habe natürlich wieder zu dem Kollegen Ausländer geschickt, und der hat die Frauen-Brust "geröngt", statt die Mamma zu screenen.

"Die dicken Knoten kommen vom Milchgeben bei Deinen Kindern" war die mündlcih weitergegebene Diagnose, die dann wiederum ins Deutsche übersetzt wurde als "Mastodynie".

Und der Kollege Ausländer hat noch etwas Wichtiges gesagt, nämlich, daß die Frau keine Angst haben soll, "ist kein Krebs".

Die Geschichte ist authentisch!

Die Frau war so verunsichert, weil der "russische Arzt" ihr angeblich nicht gesagt hat, daß sie ein Screening bräuchte, daß sie dann beinahe nicht zur Mammographie wollte.

Aber mal ehrlich, wer von uns drei Behandlern ist den nun ein schlechterer Arzt gewesen als der andere? Und wer spricht hier ein unverständliches Deutsch? Geht es uns nicht allen so, daß wir permanent unsere griechisch-lateinisch-amerikanische Medizinersprache übersetzen müssen?

Nee, die Kollegen aus Kasachstan, Rumänien, Holland, Polen oder Bayern sind nicht schlechter als wir.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »

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