Ärzte Zeitung, 08.01.2013

Niederländischer Skandalarzt

Auch in Niedersachsen praktiziert

Neue Enthüllungen um den Skandalarzt von Heilbronn: Der Niederländer arbeitete davor auch im niedersächsischen Nienburg.

NIENBURG. Der von den SLK Kliniken in Heilbronn entlassene niederländische Neurologe, der in den größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande verwickelt sein soll, hat offenbar auch in Niedersachsen praktiziert.

Der Neurologe sei 2010 für einige Monate in den Mittelweser Kliniken in Nienburg tätig gewesen, erklärte Geschäftsführer Ronald Gudath am Dienstag.

Der Mediziner sei nicht fest angestellt gewesen, sondern habe als Honorararzt gearbeitet. Er sei monatsweise als Vertretung über eine Arztagentur gebucht worden.

Keine Schadensfälle in Nienburg bekannt

Dem entlassenen Arzt werden in den Niederlanden Dutzende Fehldiagnosen wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson sowie Untreue vorgeworfen. Als Assistenzarzt sei er in Nienburg nie ohne Aufsicht gewesen, sagte Gudath.

Im Zusammenhang mit dem Einsatz des Neurologen in Nienburg seien keine Schadensfälle bekannt geworden. Als das Klinikum im Juli 2010 über angebliche Unregelmäßigkeiten im früheren Berufsleben des Mediziners informiert wurde, wurde das Arbeitsverhältnis beendet.

Beim Arbeitsbeginn habe der Mann eine gültige deutsche Approbationsurkunde im Original vorgelegt.

Brysch nimmt Politik in die Pflicht

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht indes nun die Politik in der Verantwortung. "Die Bundesbildungsministerin und auch die Länder müssen sich absprechen, wie man dem Ärztemangel in Deutschland entgegentreten kann", sagte Vorstand Eugen Brysch am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

Die Zahl der Arztstellen sei in den vergangenen 20 Jahren von 95.000 auf 140.000 gestiegen. "Das können wir mit eigenen Ärzten gar nicht stemmen."

Nach Bryschs Einschätzung kann ein beschuldigter Arzt schon mit einem Umzug von Nord- nach Süddeutschland seine Spuren verwischen, solange ihm straffrechtlich keine Vergehen nachgewiesen werden konnten. (dpa)

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