Ärzte Zeitung, 16.01.2013

DKI-Barometer

Jede dritte Klinik schreibt rote Zahlen

Immer mehr Kliniken geraten unter wirtschaftlichen Druck. Besonders hart trifft es die Unikliniken: 45 Prozent stecken in den roten Zahlen.

eurogucki-A.jpg

Wo sind die ganzen Euros?

© Andreas Haertle / fotolia.com

BERLIN. 31 Prozent der Krankenhäuser haben 2011 Verluste geschrieben. Das ist das Ergebnis des neuen Krankenhaus-Barometers des Deutschen Krankenhausinstituts. Im Jahr davor wiesen nur 21 Prozent der Häuser einen Jahresfehlbetrag auf.

Insgesamt habe sich die wirtschaftliche Lage in den Häusern in den letzten beiden Jahren spürbar verschlechtert, so die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG).

Fast 60 Prozent der Kliniken verzeichneten ein rückläufiges Geschäftsergebnis. Das Krankenhausinstitut führt jährlich eine Repräsentativbefragung in den deutschen Kliniken durch.

Ihre wirtschaftliche Lage schätzte 2012 nur gut ein Viertel der Kliniken als gut ein. Noch pessimistischer seien die Erwartungen für 2013: Fast 40 Prozent erwarten eine Verschlechterung, nur 22 Prozent eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation.

Als Grund nennt die DKG die vom Gesetzgeber gewollten milliardenschweren Kürzungen sowie hohe Personal-, Energie- und Sachkostensteigerungen. Die Kliniken werfen den Kassen Zahlungsverzögerungen und -verweigerungen vor.

"Zwei Drittel aller Krankenhäuser in Deutschland sind davon regelmäßig betroffen", so die DKG. So seien Außenstände von 1,1 Milliarden Euro zusammengekommen. Die Kliniken forderten die Koalition auf, den Krankenhäusern finanziell zu helfen.

Die AOK sprach sich hingegen für Reformen auf dem Kliniksektor aus. Das Krankenhaus-Finanzierungssystem sei völlig aus dem Gleichgewicht geraten, sagte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes.

Eine besondere Schieflage beklagt der Verband der Universitätskliniken: Nach einer Umfrage, bei der 29 der 32 Unikliniken teilnahmen, arbeiteten im vergangenen Jahr 45 Prozent defizitär, 38 Prozent nannten ein ausgeglichenes Jahresergebnis.

Auch für 2013 wird kaum eine Besserung erwartet: In der Summe wird mit einem Defizit von 82,4 Millionen Euro gerechnet, nach 76 Millionen Euro 2012.

Neben den für alle Kliniken geltenden Restriktionen - Budgetierungen und erhebliche Abschläge auf die Fallpauschalen bei Mehrleistungen - machen die Unikliniken Sonderfaktoren für ihre Belastung geltend:

  • eine überdurchschnittliche Zahl von Extremkostenfällen
  • zu niedrige Ambulanzpauschalen, die den Aufwand der hochspezialisierten Versorgung nicht decken und auch nicht über den neuen Paragrafen 116 b aufgefangen würden
  • Innovationen, die bei ihrer Einführung besonders teuer sind
  • die kostenintensive Weiterbildung von Ärzten
  • aufwändige Behandlung von Menschen mit seltenen Krankheiten

Zum Ausgleich für diese Sonderfaktoren fordern die Unikliniken einen Systemzuschlag. (dpa/HL)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Obamacare bleibt!

Blamage für US-Präsident Donald Trump: In letzter Minute zogen die Republikaner die Abstimmung über die geplante Gesundheitsreform zurück. Gerade auch, weil die Zustimmung aus den eigenen Reihen fehlte. mehr »