Freitag, 1. August 2014
Ärzte Zeitung, 29.01.2013

Leitartikel zu Op-Zahlen

Das Op-Maß ist gar nicht geeicht

Greifen Chirurgen in Deutschland zu schnell zum Messer? Der internationale Vergleich deutet darauf hin, ist aber ziemlich windschief. Die Alternativen - neue Methoden der Qualitätssicherung - sind noch nicht ausgereizt.

Von Fritz Beske

op-team-A.jpg

Zu schneller Griff zum Messer? Harte Belege für eine solche Behauptung existieren nicht.

© iStockphoto.com

Es wird zu viel operiert in Deutschland, so schallt es in allen Medien. Sprachlich bedeutet zu viel, dass mehr operiert wird als notwendig, als medizinisch begründet.

Das bedeutet zunächst, dass bekannt ist, welches denn die richtige Zahl an Operationen ist, die Zahl also, gegen die gemessen wird mit dem Ergebnis, dies ist zu viel.

Derartige Zahlen, derartige Normen sind jedoch nicht bekannt, für keine der diskutierten Operationen, in Deutschland nicht und auch nicht im Ausland.

Zugrunde gelegt wird ausschließlich ein internationaler Vergleich. In anderen Ländern wird weniger operiert als in Deutschland.

Die Norm, gegen die gemessen wird, ist also keine wissenschaftliche Begründung, sondern die Feststellung, dass in anderen Ländern weniger operiert wird. Schlussfolgerung: In Deutschland wird zu viel operiert.

Wenn dies so einfach wäre. Abgesehen von möglicherweise unterschiedlichen Altersstrukturen mit einem unterschiedlichen Bedarf an medizinischen Leistungen spielen finanzielle Aspekte eine entscheidende Rolle.

So könnte zum Beispiel auch gesagt werden, dass in anderen Ländern Unterversorgung besteht, dass zum Beispiel nicht jeder, der eine Endoprothese benötigt, eine neue Hüfte zum Beispiel oder ein neues Knie, diese Endoprothese auch erhält, und zwar zeitnah, wie dies in Deutschland der Fall ist ...

Jetzt weiterlesen in der ÄrzteZeitung-App ...e.Med 30 Tage kostenlos testen ...

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Katastrophe Ebola: Notstand in Westafrika - über 720 Tote

Ebola in Westafrika ist alles andere als unter Kontrolle: die Zahl der Todesopfer steigt unaufhörlich. Sierra Leone und Liberia erklären den Notstand. Die Armee riegelt Regionen ab - notfalls mit Gewalt. International findet ein Umdenken statt. mehr »

Honorar: KBV-Chef will die Budgets knacken

In den anstehenden Honorar-Verhandlungen kämpfen die Ärzte nicht nur um mehr Geld. Die Parole lautet: Weg mit dem Budget! mehr »

"Pille danach": Punktsieg für Befürworter der Freigabe

Die Union ist dagegen: Ein Notfallkontrazeptivum ist "kein Smartie", sagt sie und will an der Rezeptpflicht festhalten. Genauso wie viele Ärzte - sie verweisen auf die gewichtsabhängige Wirkung. Doch jetzt rüttelt die EMA an diesem Argument. mehr »