Ärzte Zeitung, 04.04.2013

Erfolgreiche Praxisklinik

50.000 Operationen in 20 Jahren

Nicht einfach war der Start der 1993 gegründeten Praxisklinik in Kronshagen. Kritik gab es auch von den Kollegen. Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Der Zuspruch ist inzwischen groß.

Von Dirk Schnack

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Die Praxisklinik Kronshagen: einst belächelt und kritisch beäugt, blickt sie jetzt auf 20 erfolgreiche Jahre zurück.

© Schnack

KRONSHAGEN. Sie wurden kritisch beäugt und von manchen Kollegen belächelt, als Anästhesist Dr. Karl-Heinz Gnutzmann, Orthopäde Dr. Frank Pries und Chirurg Dr. Ulrich Müggenburg 1993 ein ambulantes Operationszentrum gründeten.

Jetzt besteht die Praxisklinik seit 20 Jahren und ist längst erfolgreich. Die Anzahl der Ärzte ist auf 13 angewachsen, 56 Angestellte arbeiten dort, inzwischen sind rund 50.000 Operationen vorgenommen worden.

Anästhesist Gnutzmann ist der einzige der drei Gründer, der noch dabei ist. "Wir wollten Gesundheitsversorgung in kleinen Einheiten effektiv gestalten - ich glaube, das ist uns gelungen", sagt Gnutzmann.

Doch der Start war alles andere als einfach. Der Verdienst blieb zunächst deutlich hinter dem zurück, was er als angestellter Klinikarzt in Schleswig erhalten hatte.

"Wir hatten unter dem Strich nur rund 30 Prozent unseres letzten Gehalts". In den ersten drei Jahren der Selbstständigkeit hatte er eine Woche Urlaub. Und die Honorarverteilung mit immer neuen Varianten bereitete oft Kopfzerbrechen.

Die Praxisklinik machte aber auch Freude, weil die Akzeptanz bei Patienten und Kollegen stieg, neue Fachrichtungen und ortsübergreifende Praxisstandorte kamen hinzu, das Spektrum wurde immer breiter.

Alle Altersgruppen lassen sich inzwischen in der Praxisklinik operieren: vom drei Wochen alten Säugling bis zum 93-jährigen Greis. Zur wechselvollen Geschichte gehört auch das drei Gesellschafter ausschieden und in direkter Nachbarschaft ein weiteres Zentrum, das "Mare", erfolgreich etablierten.

Die verbleibenden Ärzte holten neue Gesellschafter ins Boot, renovierten die Praxisklinik und starteten durch. Zu den Erfolgen zählt Gnutzmann etwa einen 2006 unterzeichneten und noch heute gültigen IV-Vertrag mit der Techniker Krankenkasse und der KVSH oder die 2007 erfolgte Aufnahme der Praxisklinik in den Bettenbedarfsplan des Landes Schleswig-Holstein (mit sieben Betten).

Risikofreude gehört dazu

Die Expansion und das breite Spektrum hält Gnutzmann rückblickend wichtig gerade für sein Fachgebiet, weil die Anästhesie sich nicht von lediglich zwei operierenden Kollegen abhängig machen kann.

Doch auch für die Einrichtung insgesamt war das Wachstum wichtig, um in Verhandlungen ernst genommen zu werden. Gnutzmann: "Um gesundheitspolitisch Bedeutung zu erlangen braucht man eine gewisse Größe".

Selbstständigkeit bedeutet aber auch, sich über die rein fachliche Arbeit hinaus einzubringen. Orthopäde Dr. Matthias Zimmermann führt die Geschäfte der GmbH, Gnutzmann ist für Außendarstellung, QM und Verhandlungen mit den Kassen zuständig.

Jeder Gesellschafter muss Aufgaben übernehmen. Besprochen wird sich in großer Runde jeden ersten Mittwoch im Monat. Dann wird auch über mögliche neue Gesellschafter beraten. Welche das sein werden, verrät Zimmermann noch nicht.

Fest steht, dass die Praxisklinik weitere Standorte neben den bestehenden Praxen in Rendsburg und Schleswig aufbauen wird. Ein weiterer Sitz in Schleswig und einer in Ostholstein sollen hinzukommen. "Was wir können, wollen wir optimieren", lautet Zimmermanns Zielsetzung für die nächsten Jahre.

Wie stark die Einrichtung wachsen wird, hängt auch von der Motivation der Kollegen zur Selbstständigkeit ab. "Wir sind offen für weitere Gesellschafter", betonen Zimmermann und Gnutzmann.

Sie beobachten aber auch, dass die Bereitschaft zum Risiko, das die Gründer damals eingegangen sind, längst nicht bei jedem Kollegen vorhanden ist. Das wird akzeptiert, auch zwei angestellte Ärztinnen arbeiten heute in der Praxisklinik.

Zimmermann erinnert sich, dass er vor seinem Einstieg selbst skeptisch war. "Ich musste lange überlegen. Ich habe die Praxisklinik für etwa Elitäres und sehr Spezialisiertes gehalten", so Zimmermann.

Letztendlich waren es nicht nur Zahlen und Fakten, die ihn überzeugten, sondern sein "Bauchgefühl". "Ich hatte den Eindruck, dass es menschlich und fachlich passt".

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