Psych-Entgelte

Die Skepsis überwiegt

Seit Jahresanfang gilt das neue Entgeltgesetz für Psychiatrien - allerdings auf freiwilliger Basis. In Bayern machen nur wenige Einrichtungen mit. Sie fürchten finanzielle Nachteile.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Wer wird von dem neuen Entgeltsystem gleich depressiv werden?

Wer wird von dem neuen Entgeltsystem gleich depressiv werden?

© biky / imago

MÜNCHEN. Mit Beginn des Jahres wurde mit dem Psych-Entgeltgesetz für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen ein neues pauschalierendes Vergütungssystem eingeführt.

Ähnlich wie bei Einführung der DRGs in den Krankenhäusern gibt es eine mehrjährige Übergangsphase, die den Kliniken die Umstellung auf das neue Entgeltsystem erleichtern soll.

Bisher haben sich in Bayern jedoch nur ganz wenige Kliniken dafür entschieden, sich in diesem und im kommenden Jahr freiwillig an der budgetneutralen Übergangsphase zu beteiligen, berichtete Theo Barth von der Barmer GEK bei einer Fachtagung seiner Kasse zusammen mit Healthcare Bayern in München.

Ab 2015 sei die Einführung des neuen Entgeltsystems für alle Krankenhäuser obligatorisch, betonte Barth. Der budgetneutralen Phase schließt sich dann ab 2017 eine fünfjährige Konvergenzphase an, in der die krankenhausindividuellen Basisentgeltwerte schrittweise an den jeweiligen Landesbasisentgeltwert angeglichen werden.

Die Konvergenzphase endet am 31. Dezember 2021. Nach Ansicht der Barmer GEK kann das neue Entgeltsystem für die Psychiatrie mit dazu beitragen, dass sich nicht nur die Vergütung für die stationäre Krankenhausbehandlung, sondern auch die Versorgung psychisch kranker Patienten sukzessive verbessert.

So könnten durch eine leistungsgerechte Vergütung eventuell falsche Anreize für zu lange stationäre Aufenthalte vermindert werden, so Barth.

Darüber hinaus schaffe das neue System erstmals eine Kosten- und Leistungstransparenz in einem Bereich, der für die Kassen bislang eine Blackbox ist, erklärte Barth. Ohne eine solche Transparenz werde es kaum möglich sein, die vorhandenen Probleme in der Versorgung psychisch Kranker zu lösen.

Obwohl der Übergang in das neue Entgeltsystem bis 2016 budgetneutral erfolgen soll, gebe es für die Kliniken auch in dieser Zeit finanzielle Risiken, erklärte Dr. Margitta Borrmann-Hassenbach von den Kliniken des Bezirks Oberbayern.

Das erkläre möglicherweise auch die Zurückhaltung, sich schon jetzt an der Optionsphase zu beteiligen.

Hinzu komme, dass sich die Versorgung mit psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen in Bayern von der im übrigen Bundesgebiet in vielen Punkten unterscheide.

Das könne sich in einem bundeseinheitlichen Entgeltsystem nachteilig auswirken. Ziel sollte es deshalb sein, zumindest bayernspezifische Relativgewichte zu kalkulieren.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Bundessozialgericht

BSG klärt Verjährungsfristen für Krankenhausrechnungen

Urteil

BSG definiert, wann Neugeborenen-Infektion „angeboren“ ist

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

DEGAM-Leitlinie

So sollten Sie bei Schilddrüsenknoten vorgehen

„Demenz-Uhr“ erstellt

Bluttest könnte Alzheimerbeginn vorhersagen

Lesetipps
Ein Arzt füllt einen internationalen Impfpass aus.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!

Maske

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?