Ärzte Zeitung, 23.04.2013

Agnes Karll Krankenhaus

Von Schließung spricht keiner mehr

In den 80er Jahren kurz vorm Aus, feiert die Belegklinik in Bad Schwartau jetzt nicht nur ihr 50-jähriges Bestehen. Ihr derzeitiger Träger Helios sieht in der Klinik noch großes Wachstumspotenzial.

Von Dirk Schnack

Von Schließung spricht keiner mehr

1963 auch mit Geldern niedergelassener Ärzte aufgebaut und eröffnet, sollte das Agnes Karll Krankenhaus bereits 1981 wieder aus dem Bedarfsplan fallen.

© Dirk Schnack

BAD SCHWARTAU. Vom Geld niedergelassener Ärzte gebaut, von der Politik fast aufgegeben, über den Rechtsweg die Existenzberechtigung erstritten: die Geschichte des Agnes Karll Krankenhauses in Bad Schwartau.

Jetzt kann die Belegklinik, an der 38 Niedergelassene belegärztlich tätig sind, ihr 50-jähriges Bestehen feiern.

"Wir hoffen, dass KV und Krankenkassen auch künftig für eine angemessene Honorierung der belegärztlichen Tätigkeit sorgen", sagt Michael Nowotny. Der Geschäftsführer der Helios Klinik in Bad Schwartau ist erst wenige Monate im Amt und ihn interessieren vor allem Gegenwart und Zukunft.

Er hat ein Haus übernommen, das vor Kurzem einen für fünf Millionen Euro sanierten Bettentrakt erhalten hat. Der Klinikkonzern hätte dieses Geld kaum in die Hand genommen, wenn er nicht langfristig an die Zukunft des Standorts glaubt, sagt Nowotny.

Auslastung bei 80 Prozent

Er hält es für realistisch, dass die 38 Belegärzte aus elf Fachrichtungen, die im Jahr auf rund 4500 Eingriffe kommen, noch für Zuwachs sorgen.

Derzeit liegt die Auslastung der rund 100 Betten bei etwa 80 Prozent, der jährliche Umsatz beträgt zwölf Millionen Euro, die Anzahl der Mitarbeiter 110. Wachstumspotenzial sieht Nowotny etwa in der Endoprothetik, in der Fußchirurgie und in der Urologie.

Dass der Geschäftsführer der Schwartauer Belegklinik im Jahr 2013 einen solchen Ausblick wagt und die Belegärzte überhaupt das 50-jährige Jubiläum des Standorts feiern könnten, daran hätten in den 80er Jahren viele nicht mehr geglaubt.

Schon seit Ende der 70er Jahre gab es Gerüchte über eine Schließung des am 29. April 1963 in Bad Schwartau eröffneten Krankenhauses.

1981 wollte die Landesregierung das Haus aus dem Bedarfsplan streichen - was das sichere Aus für die Klinik bedeutet hätte. Die Politiker aber hatten nicht mit dem breiten Rückhalt des Krankenhauses in der Bevölkerung gerechnet.

Unterschriften gegen Schließung

"Die drohende Schließung löst eine Welle der Empörung aus", berichtet die Jubiläumschronik des Hauses. Einwohner, Patienten, Mitarbeiter und Kommunalpolitiker protestierten damals gegen die drohende Schließung, initiierten Unterschriftenlisten, schrieben an den zuständigen Minister und scheuten auch den Rechtsweg nicht.

Bis vor das Oberverwaltungsgericht Lüneburg zogen die Protestler und erreichten, dass das Krankenhaus noch bis Ende des Jahres 1986 im Bedarfsplan bleiben konnte. Doch der Deutsche Berufsverband für Krankenpflege, der das Haus einst 1949 in Lübeck gegründet hatte, musste den Betrieb aufgeben.

Einzige Chance für das Krankenhaus war ein Trägerwechsel. Die damals weitgehend unbekannte private Asklepios-Kliniken-Gruppe bekundete ihr Interesse.

Von Asklepios spaltete sich später Helios ab - und in deren Trägerschaft befindet sich Bad Schwartau noch heute. So wurde das kleine Krankenhaus in Ostholstein zu einer Keimzelle für einen der wichtigsten deutschen Krankenhausträger mit heute 72 Kliniken in ganz Deutschland.

"Belegärzte sind dem Haus eng verbunden"

Die Klinik steht und fällt mit dem Engagement der Belegärzte. Dies war schon zur Gründung der Fall. Damals engagierten sich die Ärzte, die in Bad Schwartau als Belegärzte tätig werden wollten, mit einer halben Million DM für die Errichtung. Damit gaben sie die gleiche Summe wie der Kreis und 200.000 DM mehr als das Land.

Dass sich das finanzielle Engagement der niedergelassenen Ärzte gelohnt hat, zeigt die Tatsache, dass die Nachfrage nach belegärztlicher Tätigkeit im Laufe der Jahrzehnte nicht nachgelassen hat.

Die Anteile, die zur belegärztlichen Tätigkeit in der Klinik berechtigen, wurden von neuen Ärzten übernommen - bei großer Konkurrenz durch Kliniken in Lübeck, Neustadt und Bad Oldesloe.

Nowotny ist nach der wechselvollen Geschichte des Hauses sicher, dass der Standort großen Rückhalt bei denen hat, die mit ihren Leistungen die Existenz sichern: "Die Belegärzte sind dem Haus eng verbunden."

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